Das Pokerboese muss nachsitzen – und ich werde eines besseren belehrt

Da Götz sich in den letzten Wochen bezüglich seiner Passivität als äußerst lernresistent erwiesen hatte, habe ich ja bereits drastischere Maßnahmen angedroht. So gab es in dieser Woche kein SnG-Zeugnis und ich verdonnerte ihn zum „Nachsitzen“, indem er sich mir in 3 Heads Ups (zweifellos die Pokerdisziplin, in der die gewünschte Aggressivität am allermeisten gefragt ist) stellen musste. Ich nahm natürlich an, Götz würde auch im Heads Up passiv agieren. 

Ende der Geschichte: Der gute Götz hat auf einmal den Turbo-Gang eingelegt und es wirkte so, als hätte ich da ein ganz neues Pokerboese vor mir sitzen. Von Limpen keine Spur, stattdessen musste ich mich des Öfteren widerlichen Check-Raises auf Flop und Turn stellen und Götz hat mich in allen Heads Ups – wenn auch mit dem ein oder anderen Bad Beat – besiegt. Aber lest selbst:

Heads Up-Match Nr. 1:
Das Pokerboese open-raist fast jede seiner Hände, ich kann meinen Stack jedoch von 1500 Startchips kontinuierlich  auf etwa 1800 ausbauen, da Götz post-flop häufig aufgibt. Alles läuft nach Plan. Dann auf einmal die Wende:

Ich openraise mit J5s, Götz defendet im Big Blind. Auf dem Flop bette ich 50 Chips, woraufhin Götz auf 160 raist. Auch wenn Götz bisher tendenziell passiv war, ist Top Pair hier viel zu stark, um einen Fold in Erwägung zu ziehen. Da ich wenig Sinn in einem Re-Raise for Value sehe und schwächere Hände nicht zum Folden bringen möchte, calle ich. Auf dem Turn macht Götz Two Pair und checkt sie. Ich checke behind, da ich nach seinem Check davon ausgehe, dass Götz´ Handrange eher weak ist und ich ihn am River bluffen lassen möchte bzw. eine eigene Value-Bet erst am River bringen möchte, da ich ohnehin davon ausgehe mit meiner Hand keine zwei guten Value-Bets auf Turn und River hineinzubekommen. Auf dem River value-bettet Götz 60 % des Pots und ich calle ihn, da seine Range neben den Händen, die mich schlagen, einige Busted Draws und Mid-Pairs beinhaltet. Insgesamt eine knappe Entscheidung zwischen Call und Fold am River.

Ich persönlich hätte an Götz´Stelle auf dem Flop nur gecallt und den Turn for Value gebettet. Allerdings erstaunt es mich, dass er eine erheblich aggressivere Spielweise an den Tag legte. So kannte ich Götz bisher nicht!
Danach kämpfte ich mich 2 mal ins Match zurück, musste mich am Ende jedoch geschlagen geben, als ich mit Mid-Pair gegen gefloppte Two Pair All-In ging. 1-0 für das Pokerboese.

Heads Up-Match Nr. 2:
Ein etwas kürzeres, aber auch umkämpftes Match. Götz spielt sehr aggressiv und es macht mich als Coach sehr stolz, diese Seite bei ihm zu sehen. Am Ende verliere ich ein All-In mit geflopten Two Pair gegen einen Flush Draw mit High Card, weil das Board sich am Turn paired und der River Götz ein höheres Two Pair beschert. Bad Beat.

Heads Up-Match Nr. 3:
Mit 17 Händen das kürzeste der 3 Matches. Götz spielt sehr gut und am Ende bin ich mit Top Pair gegen ein geflopptes Set All-In.

Insgesamt ziehe ich aus diesem Nachsitzen eine sehr positive Bilanz. Natürlich war auch ein wenig Glück dabei, aber Götz hat sehr gut gespielt und vor allem endlich seine aggressive Seite entfesselt. Nun bleibt abzuwarten, ob er diese jetzt auch im SnG endlich offenbart. Die nächste Woche wird es zeigen.

Alex Meidinger 

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