Falkes Hass-Kolumne: Onlinepoker ist Glücksspiel!

Hallo liebe/böse Leser und Hater! Heute gibt es wieder neuen Zündstoff. Mein Hass sitzt tiefer als ich dachte und irgendwie habe ich ein schlechtes Gefühl. Bei meiner letzten Kolumne gab es sehr viel Resonanz. Ich hatte nicht mit so vielen Kommentaren gerechnet und ich habe mir einige adäquate Kritikpunkte zu Herzen genommen. Besonderen Dank an Echtsch Ademann, Svenson87, fritz von fritzhausen, seppste, Vapid_FTZ, Botschafter und Killerkurt Taostbrot. 

Kommen wir aber nun zum heutigen Thema: Onlinepoker ist Glücksspiel! Keine Sorge, ich sehe das sicher nicht so. Aber dummerweise gibt es im World Wide Web immer wieder Artikel, da stellen sich einem die Haare zu Berge:

Irgendwann pinkelt ihr in Flaschen

So lautet die Überschrift eines Artikels von Isabelle Wiedemeier, veröffentlicht bei www.news.de/gesellschaft am 18.11.2012. Wer den ganzen Artikel lesen möchte, kann dies hier gerne tun. Aber Vorsicht: Absolute Hass-Gefahr! Selten habe ich einen derart unreflektierten Artikel gelesen. Ich frage mich, warum man über ein Thema schreibt, das man überhaupt nicht kennt. Ich schreibe ja auch nicht über die EU-Krise, nur weil es momentan fast täglich zu lesen ist. Das sollen Leute machen, die sich damit auskennen. Auch wenn ich meine eigene Meinung habe. 

Der Artikel beginnt mit folgendem Satz: „Strategie oder doch nur Glück? Vor allem ist Online-Pokern eine Sucht.“ Also egal, ob Poker ein Skill Game ist oder nicht, Poker ist eine Sucht! Was soll das denn bedeuten? Was ist denn bitte keine Sucht? Laufe ich den ganzen Tag einem Ball hinterher, bin ich dann fußballsüchtig? Ist Mesut Özil süchtig? Wenn ich jeden Tag das Bedürfnis habe, mit meiner Frau zu schlafen, bin ich dann sexsüchtig? Wenn ich jeden Morgen Brot esse, bin ich dann brotsüchtig? Die Argumentation, dass Poker eine Sucht ist, egal ob Strategie oder Glücksspiel, ist lächerlich. Denn alles was man tut, kann sich zu einer Sucht entwickeln. Aber es ist doch nicht von Anfang an eine Sucht. Natürlich steckt sicher für viele Menschen eine Suchtgefahr hinter Poker. Allerdings ist es von Grund auf falsch zu behaupten, Poker ist Sucht!

Etwas weiter im News.de-Artikel wird von Lars gesprochen – ein 24-jähriger erfolgreicher Pokerspieler, der trotz Gewinne vor 3 Jahren aufgehört haben soll. Er hat nämlich die Sucht erkannt! Er sagt: „Mit einer Sieben und einer Zwei zum Beispiel spiele ich nicht. Es gibt bestimmte Regeln, die muss man anwenden, immer. Aber auch die Versuchung ist immer da.“ Das hat Lars aber gut erkannt! Lars hat mehr gewonnen als verloren, wahrscheinlich weil er mit einer Sieben und einer Zwei nie gespielt hat. Ich sollte das in Zukunft auch machen, wenn ich doch noch winning-Player werden möchte.

Aber Lars hat es jetzt gut. Ganz nach dem Motto: „Wenns am Schönsten ist, soll man aufhören“ hat sich Lars nach seinem großen Erfolg zur Ruhe gesetzt. Vielleicht hat er mit Marc Nemitz seinen Erlöser gefunden. Dieser will nämlich anderen Glücksspielsüchtigen helfen. Er selbst war mal automatensüchtig. Mit der Seite poker-verbot.de geht er auf die Suche nach jungen spielsüchtigen Menschen. „Auf dieser Seite dreht sich alles um das Thema: warum das Kartenspiel Poker verboten werden sollte“, heißt es auf der Startseite. Dort wird für ein Pokerverbot aktiv geworben und an einer Umsetzung gearbeitet. Nun ja, was soll ich sagen. Gründen wir doch einfach mal eine Organisation und verbieten den Handel mit Aktien oder mit Schokolade und Süßigkeiten. Diese machen schließlich auch süchtig und sind für den Körper ungesund.  

Ansonsten empfehle ich euch noch den Pokersucht-Test auf der Seite von Marc Nemitz. Dort werden neun sehr spannende und gut durchdachte Fragen gestellt. Beantwortet man nur eine mit Ja, ist dies laut detaillierte Ergebnisanalyse schon sehr bedenklich. Beantwortet man 3 Fragen mit Ja, so ist man definitiv spielsüchtig – so wie ich. Folgende Fragen/Aussagen musste ich ehrlich mit Ja beantworten:

Ich habe mich schon einmal bei meinem Partner/Freunden/Eltern gerechfertigt, dass ich Poker spiele. Wer hat das bitte noch nicht? Wer hat niemanden in seinem Bekanntenkreis, der Poker kritisch beleuchtet und mit dem man sich darüber länger unterhält und diskutiert? 

Ich wurde mehrmals kritisiert, weil ich Poker spiele. Ja, klar wurde ich das, habe ich ja bereits mit der oben genannten Frage zugegeben. Somit habe ich bereits 2 Fragen mit Ja beantwortet.

Doch die dritte und letzte Frage hat es in sich: Spiele ich länger, als ich es mir vorgenommen habe? Nun ja, was soll ich sagen. Ich kann doch nicht planen, wie lange ich das Turnier spielen werde. So ne Sunday Million kann verdammt lange gehen und sollte ich sie gewinnen: Verdammt JAAAAAA, ich habe länger gespielt, als ich es mir vorgenommen habe und das ist auch gut so!

Jetzt ist es erwiesen: ich bin spiel- bzw. pokersüchtig. Doch gehen wir vom Autor des Artikels (Isabelle Wiedemeier) aus, war dies sowieso klar, denn Poker ist Sucht! Vielleicht sollte ich tatsächlich Kontakt mit dem erfolgreichen Pokerspieler Lars oder dem ehemaligen automatensüchtigen Marc aufnehmen, denn ich bin mittlerweile ganz schön verwirrt.

Der Artikel hat allerdings noch weitere Höhepunkte. Einen möchte ich noch erläutern, über den Rest, dürft ihr euch selbst ein Bild machen. Der erfolgreiche Pokerspieler Lars hatte sich im Jahre 2009 auf einer Onlineplattform für die WPT in Venedig qualifiziert. „Wie die Könige seien sie empfangen worden, es gab riesige Buffets, Streichquartetts, erzählt er. Die 4400 Euro Buy In, die das Portal ihm zur Verfügung stellte, verzockte er komplett. Es war sein erstes Liveturnier, er hat es in den Sand gesetzt – zum Glück?“ Er verzockte das Turnier-Buy-In komplett??? Echt jetzt? Nicht wirklich, oder? Das ist natürlich schlecht, dass er sich für ein Turnier qualifizierte, dass einen Wert von €4.400 hatte und er es dort nicht ins Geld geschafft hat. Da hat er die €4.400 komplett verzockt… Aber zum Glück! Was wäre nur aus Lars geworden, hätte er die WPT gewonnen… 

Wenn die Sucht einen Spieler erfasst hat, ist es nicht anders als bei Drogen. Gewinnen und verlieren löst hormonell dasselbe aus. Alles dreht sich darum, Geld zu beschaffen und irgendwie noch die Miete zu bezahlen“, heißt es weiter. Ich werde immer verwirrter und von meinem Hass ist rein gar nichts mehr zu spüren. Egal ob ich gewinne oder verliere, alles dreht sich darum, Geld zu beschaffen um irgendwie die Miete zu bezahlen?! Also wenn ich gewinne, dann muss ich mir noch zusätzlich Geld beschaffen um meine Lebensunterhaltskosten zu decken? Oder wie verstehe ich das? Interessant ist auch der Gedanke „Wenn die Sucht einen Spieler erfasst hat“ – denn Poker ist ja angeblich Sucht und somit ist jeder, der Karten mal am Pokertisch in der Hand gehabt hat pokersüchtig. Für all diejenigen kann ich nur die Seite Poker-Verbot.de empfehlen. Alle anderen fordere ich auf, beim oben genannten Artikel von Isabelle Wiedemeier einen adäquaten und kritischen Kommentar zu verfassen. 

Bis zum nächsten Mal, stay tuned!

Der verwirrte Falke

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