Ich rette Howard Lederer – Lernen vom Ladyman – Der Boom-Player und die drei Bad Beat Stories

Am liebsten würde ich jetzt drei Kolumnen gleichzeitig schreiben. Das Herz quillt mir über und ich weiß gar nicht wohin mit all den krausen Gedanken. Der Versuch bei einem Thema zu bleiben würde bereits beim zweiten Absatz scheitern und so lasse ich mich treiben und tippe nach dem Motto: Was raus muss, muss raus. Bitte schnallen Sie sich an und wer sich beschweren will, dem bleibt immer noch der Hades der Kommentare. Beginnen möchte ich mal mit Howard Lederer, schließlich haben wir einen gemeinsamen engen Freund. So eng, dass er den damals gestrauchelten Howard aus dem Gefängnis abholen durfte vor gefühlten hundert Jahren. Lang vor Hendon Mob und Youtube. Seinerzeit war das Delikt ja durchaus ehrenhaft. Gewerbsmäßiges Organisieren von illegalen Sportwetten oder so ähnlich. Weit weg von all den ekeligen Machenschaften um „Full Tilt Einspunktnull“. Wie auch immer, ich wüsste jetzt wie man Howard helfen könnte. Die Amerikaner haben ja den Hang dem Sünder zu verzeihen, wenn die Reue nur outriert genug vorgetragen wird. Diese peinlichen Rituale der Selbstbezichtigung. Ein paar tapfer zurückgehaltene – aber doch ansatzweise spürbare – Tränen, ein paar platte Erklärungen, dann noch vielleicht das Eingeständnis einer Sucht (Sexsucht, Geldsucht, Geltungssucht, Giersucht) und fertig. Was Lance Amstrong kann, kann Howard Lederer sicher auch. Und was Ophra Winfrey kann, kann ich sowieso. Aus unerfindlichen Gründen werde ich allerdings (noch) nicht so gut bezahlt. Das könnte sich aber ändern, wenn sich Howard Lederer bei mir meldet und live und fast ganz aufrichtig bereut. Exklusiv auf Hochgepokert.com im livestream und wir haben ihn dann alle wieder lieb. Ich bekomme dann endlich eine eigene Pokershow auf Sport 1 und Howard Lederer startet seine neue Karriere als Sachpreisturnier-Pokerprofi in Oberhausen. – Halleluja!

Rasanter Themenwechsel. Kürzlich saß ich in meinem liebsten Thai-Restaurant. Dort bedient mich seit zwanzig Jahren der selbe Ladyman (oder heißt dass „die Ladyman“?). Ich schätze wir sind zirka derselbe Jahrgang und ich schätze, ich kann die optische Situation vor zwanzig Jahren halbwegs objektiv beschreiben. Damals sah ich großartig aus und sie wie eine billige Transe in den Mittdreißigern. Jetzt bin ich alt und grau und sie sieht aus wie ein attraktives Modell und ist optisch immer noch in den Mittdreißigern. Irgendwas stimmt da nicht und irgendwas ist da ungerecht! Vielleicht ist meine persönliche These vom gesunden Leben des Pokerspielers doch nicht so durchdacht? Ich war ja der Meinung, dass es gut sei für den Teint, tausende Tage und hunderte Nächte in der heimeligen Atmosphäre der Casinoklimaanlage zu verbringen. Vielleicht sind nicht mal all die gerauchten Zigarren und Zigaretten so gesund wie ursprünglich gedacht und vielleicht klafft da doch eine Lücke zwischen den Casinoküchen und dem empfohlenen Anti-Aging Food? Für mein Körperstyling ist es wohlmöglich ein wenig zu spät und mit hochhackigen Schuhen sähe ich wahrscheinlich doch zu furchterregend aus. Den jungen Lesern mit ästhetischem Bewusstsein, die vielleicht gerade über eine Karriere als Poker-Pro nachdenken, möchte ich allerdings schon diesen wertvollen Ratschlag fürs Leben geben. Wer noch mit plus50 sexy und gut aussehen möchte, sollte die Finger von Karten lassen und besser Entencurry servieren und ein wenig herumschwulen. Das scheint irgendwie doch ein wenig gesünder zu sein. 

Und jetzt quasi als Desert meine Gedanken zum „Boom-Player“, um auch mit einem aktuellen Thema zu punkten. Schließlich muss ich ja um meine Position als führender Pokerkolumnist kämpfen, seitdem Udo Gartenbach die großartige Idee hatte Rezepte von Schokoladekuchen zu rezensieren bin ich da mächtig unter Druck. Ich liebe ja den Boom-Player (und den Udo -für ihn würde ich mir das mit den hochhackigen Schuhen noch einmal überlegen). Früher haben die Spieler ihre Bad Beats erzählt und als höflicher Mensch wurde ich da des Öfteren mit den abstrusesten Storys gequält. „Hör zu Götz. Ich sitze am cut-off. under the gun dreibettet, alle folden. Ich finde KQ suited und vierbette. Wir sind heads-up und der Flop war 9,10, J und rate mal was der Donk hatte? Ich sag es dir 9,2 offsuit und am Turn der 2er. Rate mal was am River kommt?“ Unerträglich und nach der ersten Geschichte kommt die zweite und dann garantiert die dritte und das sind die Momente wo ich mich nur noch am Behindertenklo einsperren möchte bis mich die Security rausholt. Kürzlich schlenderte ich wieder mal durch den langen Mittelgang im Concord Simmering. Dort lauern die Bad Beat Prediger auf ihre Beute und wer nicht schnell genug auf den Bäumen ist, muss in der Regel zuhören. Prompt stellte mich einer der zu recht am meist Gefürchtetsten und das gruselige Intro begann mit: „Ein Wahnsinn was mir wieder passiert ist. Alleine die letzten drei Hände beim Sunday Warm Up sind so was von „rigged“.“ Vielleicht habe ich deswegen so graue Haare, weil ich mich in solchen bedrohlichen Situationen in einer Art Schockstarre befinde und beinhart zuhören muss, weil mir die Kraft fehlt zu fliehen. Doch dann die wunderbare Wende: „So was von absolut „rigged“, aber ich brauche dir das gar nicht zu erzählen. Schau bei Facebook auf meinProfil, ich habe alle drei in den Boom-Player geklopft.“  – Danke Pokerstars, dass es dich gibt. Dass wollte ich sowieso schon lange mal schreiben. Danke, dass du so großartige Sachen wie den Boom-Player erfunden hast und die Spieler ihre Bad Beats nicht mehr erzählen müssen, weil sie ja in animierter Form noch viel dramatischer und spektakulärer kommen. Vielleicht solltet ihr noch ein BPP (Boom-Player Points) System machen. Wer jede Woche mehr als hundert verlorene Coinflips mit dem Kommentar „Wahnsinn das passiert nur mir“ postet bekommt eine Packung Psychopharmaka per Post. – Mir bitte ein paar Beruhigungspillen und ein eine Kiste Anti-Aging Food. Vielen Dank.

Götz Schrage 

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