Alle Fragen, alle Antworten – Was passiert mit den österreichischen Cardrooms – Fünf Szenarien

Jetzt zum riskanten Teil der Ausführungen. Teil Zwei meiner Prognose zur Lage der österreichischen Poker-Nation. Rückblickend ist es leicht mit dem schlau sein. Hochgepokert.com wagt einen Blick in die Zukunft, so wie in meiner letzten Kolumne zur Lage der österreichischen Pokernation versprochen. Fünf Szenarien samt prozentueller Bewertung der Eintrittswahrscheinlichkeit. Nach bestem Wissen und Gewissen formuliert, aber selbstverständlich weit weg von jeglichen Garantieansprüchen. 

 4.55%  Poker-Österreich wird radikal geschlossen! – Das Aus für alle privaten Cardrooms

Sehr unwahrscheinlich, aber leider keineswegs ganz auszuschließen. Lediglich die Gesetzeslage würde dafür sprechen, dass man sich mit der schlimmsten aller Möglichkeiten zumindest in der Theorie beschäftigen muss. Unbestritten ist, dass es von Behördenseiten Intentionen gibt alles was einen Pokertisch hat und nicht zu den Casinos Austria gehört abzudrehen und für immer zu schließen. Radikale Kräfte sind aber selten schlau, meist eben nur radikal und mit dem destruktiven Hang zur Selbstüberschätzung. Um jetzt nicht in amateurhafte Juristensprache zu verfallen, erkläre ich es grob und simpel wie es meine Art ist. Die Casinos Austria und deren Förderer haben es vergeigt. Sie wollten nicht nur gewinnen, sondern auch noch den lästigen Gegner Zanoni demütigen. Das Wunschdenken wäre wohl gewesen, ganz Österreich sperrt zu und ausgerechnet die Casinos Austria dürfen weiter Poker anbieten. Die halbstaatlichen Standorte werden gestürmt, die Starttage der CAPT werden von 1 bis 9 durchnummeriert und am Cashgame gibt es Wartelisten wie seinerzeit auf einen Trabi in Karl-Marx Stadt.  – Selbstverständlich maximal unschlau. Quasi dem Gegner in die Hände gespielt. Hätten die Casinos Austria am 31.12. 2012 um 23.59 Uhr alle Tische geschlossen bis auf weiteres und bis zur Klärung und Ausschreibung der zu vergebenden Poker-Lizenzen, sähe es aus der Concord-Sicht zappenduster aus und ich hätte in meiner Überschrift vor dem Prozentzeichen ein fettes „92%“ stehen. – So aber bleibt es bei 4.55% und das entspricht einem Zwei-Outer am River. Nicht wahrscheinlich, aber möglich und dann sehr schmerzhaft. 

 

34.24% Die Concord-Gruppe setzt sich mit ihrer Rechtsansicht durch – Alle Filialen bleiben geöffnet

Ich weiß, ich habe viele Leser in den westlichen Bundesländern und ich wünsche auch meinen Freunden und Kollegen nur das Beste. Nur Propagandatexte und parolenhafte Durchhalte-Artikel sind bereits genug erschienen, ich fühle mich in dieser Analyse meiner persönlichen Einschätzung verpflichtet. Deswegen eben nur mit 34.24% ein klassisches „oben/unten“ gegen Over-Pair. Meine Daumen allerdings sind selbstverständlich zu 100% gedrückt. 

Angenommen die Anwälte von Peter Zanoni setzen sich durch und die Concord-Gruppe darf sich als heißer Anwärter auf die noch auszuschreibende „Poker-Lizenz“ sehen, bleibt immer noch eine Frage der “Filialisierung“ ungeklärt. Wird jene berühmte noch auszuschreibende „Pokerlizenz“ zum schmucken Vorteilspreis für €15 000 000 (15 Jahre Laufzeit) für mehrere Standorte eines Unternehmens gültig sein, oder nicht? Da es noch keine letztgültige Ausschreibung gibt, bleibt da Raum für Spekulation. Im Sinne der Concord-Gruppe und im Sinne der gesamten österreichischen Pokerspieler, würde diese Rechtsansicht von Vorteil sein. Quasi die bestmögliche Lösung für uns alle. Aus den diversen angestrengten Verfahren, konstruiert man eine aufschiebende Wirkung bis zur Klärung der Sachlage. Peter Zanoni lässt seine Individualbeschwerde beim Verfassungsgerichtshof ruhen. Der österreichische Staat schneidert seine Ausschreibung zur Pokerlizenz so zurecht, dass sie das Unternehmen bekommt, welches seit zwanzig Jahren Kompetenz und Umsetzungspower in Sachen Poker in Österreich beweist und alles wird gut.  – Hört sich großartig an und würde die große österreichische Pokerfreiheit von Simmering bis Kufstein ermöglichen. Mit Abstand meine liebste Variante und ein „oben/unten“ kann ja auch mal kommen, wenn alle Karten lebendig sind. 

 

56.26% Wien bleibt Wien. – Das Mega-Concord im Gasometer.

In meinen Augen die wahrscheinlichste Variante. Alle gewinnen ein wenig und niemand verliert ganz sein Gesicht. Den Poker-Sektionen der Casinos Austria wird in den Bundesländern die lästige Konkurrenz weggeräumt. Man trägt wieder Schlips in der Provinz und wenn die Pokertische dann deutlich vor der Sperrstunde geschlossen werden, kann man sich immer noch am Roulette-Tisch pari machen.

Die Concord-Gruppe bewirbt sich um die noch auszuschreibende Poker-Lizenz und bekommt den Zuschlag.  Der Antrag auf  die „Filialisierung“ in den Bundesländern wird (leider) abgelehnt. Im Standort der Herzen – CCC Simmering – lässt sich die gewaltige Lizenzgebühr nur schwer verdienen. Die Räumlichkeiten und Optionen sind limitiert und so wird ins Wiener Montesino übersiedelt. Dort ist Platz genug und auf einmal bekommt alles einen Sinn. Peter Zanoni hat das Montesino Wien wohl mit gutem Grund gekauft. Der Aspekt von „too big too fail“ war nur eine kleine Überlegung am Rande. Strategisch schlau, war es wohl eher der Plan C – den ich wiederum wage für das wahrscheinlichste Szenario zu halten. Das CCC/Montesino wird zum einzigen österreichischen Poker-Mekka. Auf drei Etagen ist Platz für Turniere von europäischem Format, die Highroller sind in der Lounge gut aufgehoben und wenn es sein muss, wird noch ein zusätzliches Stockwerk aufgesetzt. Im Gegensatz zu den anderen Szenarien können sich dabei auch die Casinos Austria als Sieger sehen. Die gewohnt tüchtige Marketing-Abteilung der Concord-Gruppe sorgt dafür, dass Poker weiterhin ganz oben bleibt, die Spieler aus den Bundesländern fahren zweimal im Jahr zu großen Events in die Bundeshauptstadt und frönen sonst in den heimeligen und gut geführten Pokersektionen der Casinos Austria Bundesländerstandorten ihrer Leidenschaft.  –  56,26% entspricht „straightflush opender“ am Flop versus Over-Pair am Flop. Kann leicht kommen, kommt aber eben nicht immer. Sicher, wie bereits erwähnt, nicht im Sinne der tüchtigen privaten Cardrooms von Kufstein bis St.Pölten, aber wohl doch eine pragmatische Lösung, die zum pragmatischen Österreich passen würde. 

 

4.94% Österreich ist Österreich – Es passiert einfach gar nichts! 

Fast unvorstellbar angesichts der medialen Schlammschlacht. Allerdings macht es die kleine Donaurepublik auch so sympathisch. Angesagte Schlachten werden oft abgesagt, verschoben, oder schlicht und einfach vergessen. Irgendwer in irgendeiner Behörde, lässt irgendeinen Akt „begutachten“. Dann gibt es gleich ein Gegengutachten und der Amtsweg ist lang und langsam, wie man weiß. Nichts wird erlaubt, nichts wird exekutiert, nichts wird umgesetzt. Einfach weiter geht es in der ungeklärten realen Rechtslage. Monat für Monat freut man sich, dass alle privaten Cardrooms noch offen haben. Monat für Monat macht man sich allerdings Sorgen, dass es doch nicht für immer sein könnte. Dann bestellt man sich ein Achterl Grüner Veltliner oder zwei und schwelgt in optimistischer Weinseeligkeit. – Prost

 

0.01% Bundeskanzler Werner Faymann ruft seinen Parteigenossen Schrage an.

Das würde  sicher ein sehr kurzes Gespräch. Ich würde so gut reden und argumentieren wie noch nie in meinem Leben. Am Ende würde der Bundeskanzler alles verstehen und die entsprechenden Weisungen geben. Ich bekomme dann die CCC-Verdienstnadel in Gold und darf beim nächsten Promi-Event neben Pamela Anderson sitzen.

Götz Schrage 

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