Der Wettskandal – Die Hoffnung stirbt vielleicht zuletzt, das saubere Wettgeschäft ist jetzt schon tot

 

Die FIFA ist dumm. Die UEFA versteht kaum etwas. Der DFB bemüht sich und macht trotzdem alles falsch. Betrüger werden so gut wie niemals von Funktionären überführt. Nur Betrüger könnten Betrügern gefährlich werden, aber die haben keine Zeit. Die müssen Geld verdienen und Termine wahrnehmen. Im fernen Asien lacht lacht sich krumm und scheckig über die Langnasen und in Wien lache ich über die Berichterstattung zum aktuellen Wettskandal in den üblichen Medien. Niemand scheint verstehen zu wollen, was so leicht zu verstehen wäre. Mit hobeln kenne ich mich nicht aus. Angeblich fliegen da immer irgendwelche Späne und das hört sich irgendwie gefährlich an. Bei Sportwetten kenne ich mich aus und da wird immer betrogen werden und das ist nicht mal besonders gefährlich. Während sich die Behörden immer noch gegenseitig auf die Schultern klopfen, weil sie anno dazumal zwei Kroaten aus einem Berliner Cafe geholt haben, rollt der Rubel nach Asien und ein paar privilegierte europäische Handlanger dürfen da ein paar Kreuzer mitverdienen. Nur ich bin mal wieder nicht dabei, wenn es ums kassieren geht. Irgendwie versäume ich quasi alle profitablen Züge, weil mir dann im entscheidenden Moment die Eier fehlen. Aber vielleicht ist es doch schlauer so irgendwie. So kann ich für Hochgepokert.com meine Kolumne schreiben und muss mich nicht dreimal umdrehen, wenn ich das Haus verlasse. 

Wenn man wirklich wollte, könnte man das mit den großen Spielen in den Griff bekommen und die Tatsache, dass aktuell weltweit über den „riesigen Wettskandal“ berichtet wird, bestätigt ja, dass man zumindest reagiert, wenn Beweise und Geständnisse frei Haus geliefert werden. Der menschliche Faktor ist auf der Seite der ermittelnden Behörden. Die Gier, die Eitelkeit und der Mangel an Loyalität der unteren bis mittleren Chargen spielen den eilig eingerichteten Kommissionen und SOKOs in die Behördenhände. Die Wahrheit traut sich nämlich niemand sagen, weil die wäre wohl kaum politisch durchsetzbar. Mit den Sportwetten ist es so, wie mit den meisten Geldgeschäften im Netz. Es geht sich einfach noch nicht aus mit der Kontrolle. Wir haben keine Möglichkeiten und Mittel die Geldströme zu kontrollieren und wir haben keinen Welt-Gerichtshof um entsprechende Manipulationen zu sanktionieren. Die Welt dreht sich einfach viel zu schnell, für die, die Ordnung und Kontrolle haben wollen. Junge Systeme zu missbrauchen, ist deutlich einfacher, als neues entsprechend abzusichern. Evolutionär hatten wir erst das Rad, dann den Karren, und irgendwann spannte irgendein großartiger Ururururururururugroßvater von mir ein Pferd davor. Dann erfand Herr Otto den Wankelmotor und Herr Wankel den Otto-Motor (oder umgekehrt) und jetzt fehlt Niki Lauda ein Ohr und Michael Schumacher lebt in der Schweiz und zählt sein Geld. Trotzdem war das eine Entwicklung über ein paar tausend Jahre mit einem recht raschen Finish im zwanzigsten Jahrhundert. Internet und Geldgeschäfte war eher wie, krummes Steinrad und dann gleich den Maserati Quattroporte V8. Das Schlimme dabei, die guten Kräfte haben keine Techniker und schon gar keinen TÜV, aber die bösen wissen schon, wie man mit 300km über die böse Straße der illegalen Geldbeschaffung fährt. 

Zumindest die ganz krassen Dinge gehen nicht mehr. Erinnere mich an die Frühzeit von Betfair. Muss so zirka zehn Jahre her sein. Die 2. Deutsche Bundesliga hatte da pro Match gerade mal im Schnitt €1200 Umsatz. Normaler Sonntag. Am Vormittag waren gerade mal €475 auf Sieg der Heimschaft zu 1.95. Vier Stunden vor dem Match muss irgendetwas passiert sein und dann waren plötzlich €6000 auf Heimsieg zu 1.8 gespielt, weil sich auch immer jemand fand, der den Kurs auf der anderen Seite gehalten hat. Weitere €9000 gingen dann zu 1.65 weg. €22 000 zu 1.48. €37 000 zu 1.25 und bei weiteren €22 000 zu  1.18 war dann Schluss.  – Schon damals wurde in den Sportforen diskutiert, ob das denn nicht den DFB auf den Plan rufen würde und der hat dann auch reagiert mit einer Meldung, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Die Älteren erinnern sich wohl noch das legendäre Eigentor mit dem Kopf fast vom 16er, weil da scheinbar ein Verteidiger die Nerven verloren hatte. Keiner der DFB-Verantwortlichen verstand, oder wollte verstehen, dass es doch niemals mit rechten Dingen zugehen kann, wenn bei 1.95 unter 500 Euro gesetzt werden und dann bei 1.18 immer noch mehr als €20 000. – Wahrscheinlich durchschaut das bis heute nur ein kleiner Kreis, aber immerhin beobachten sie jetzt den Teil des Wettmarktes. 

Zurück in die Gegenwart, oder zumindest in die nahe Vergangenheit. Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung und ich gehe auch zu 100% davon aus, dass da alles sauber abgelaufen ist. Ich schreibe die Story nur auf, um zu dokumentieren wie aussichtslos der Kampf gegen die Wettmafia ist und wie groß das Potential für weitere Betrügereien. Letzten Sommer fand in der Nähe von Wien ein Vierländer-Turnier der U17-Juniorinnen statt. Das Wetter war schön und die Mädchen garantiert mit Feuereifer bei der Sache. Neben den Betreuerinnen und ein paar Spielerinnen der pausierenden Mannschaften kamen gezählte fünf Zuschauer. Einer davon hatte €10 000 auf den Sieg der gastgebenden Österreicherinnen gesetzt. Zwei weitere saßen da mit ihren Laptops und waren bereit je nach Spielverlauf mindestens dieselbe Summe zu riskieren. Bei den asiatischen Buchmachern gehen locker €2000 per Klickline. Genug Platz, wenn man genug am Konto hat. Die restlichen  beiden Zuschauer hatten ebenfalls einen Laptop dabei und  – so wird gemutmaßt – arbeiteten für einen dieser Sportinformationsdienste, die für die Buchmacherseite Ergebnisse ins Netz klopfen. Ohne solche Agenturen könnten die Buchmacher ja keine Wetten anbieten. Wie schon erwähnt, ich bin mir sicher, dass alles super korrekt abgelaufen ist. Das Match endete 0:0 und das Geld von meinem Kollegen war weg. Aber bei den Umsätzen ist es nur eine Frage der Zeit, beziehungsweise ist es sicher schon längst passiert. Sollen die Jäger doch hundert Beobachter zu den Champions League Spielen schicken und weitere hundert vor die Computer setzen. Dort kann man das vielleicht in den Griff kriegen. – Im unauffälligen Abseits der kleinen unwichtigen Spiele geht der Betrug erst richtig los. Würde mich nicht wundern, wenn bald einmal düstere Gestalten mit fetten Zalando-Gutscheinen hinter den Torhüterinnen stehen, aber ich werde da sein und auf die jungen Frauen aufpassen. Vielleicht kann ich so ein Match retten. – Das Sportwettengeschäft kann niemand retten. Das ist hoffnungslos verdorben.

Götz Schrage 

 

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