win2day Poker Blog: Großes Poker bei „Wer wird Millionär“

Eindrucksvoll zeigte Sebastian Langrock in der Sendung „Wer wird Millionär“ vom 11.03.2013 was einen Pokerspieler ausmacht, und das ganz ohne Karten … Der junge Münchner holte sich mit viel Wissen, aber auch Risiko an den richtigen Spots, und nicht zuletzt dem kleinen Quäntchen Glück eine Million Euro. Stephan Kahlhamer hat sich in seiner Kolumne bereits dem Thema angenommen und mich zu diesem in einigen Teilen weiterführenden Blog inspiriert.

Doch nun mal von Anfang an. Am Beginn der Sendung stand der laut eigenen Angaben professionelle Pokerspieler vor der 32.000€ Frage, hatte noch 3 seiner 4 Joker. Auf Jauchs Frage nach seinem Ziel in der Show übt er sich erst noch in Zurückhaltung, und gibt 125.000€ an. Doch gleich im nächsten Satz legt er sich die Latte aber noch etwas höher, denn er deutet schon an, dass der Sprung auf die halbe Million doch sehr groß ist. Wörtlich sagt er, dass er sich auf dieser Stufe schon bei leichter Präferenz entscheiden wird, da die „Pot Odds“ stimmen. In der Tat ist dies die einzige Vervierfachung des Gewinns, und selbst beim reinen Raten reichen die 25% Gewinnchance aus, um zumindest mathematisch keinen Fehler zu machen. Es geht sogar weiter: Neben den „immediate odds“ hat der Kandidat sogar noch „implied odds“, denn im Erfolgsfall wird ihm ja die Millionen Frage gestellt, und er hat die Chance den Gewinn nochmals zu erhöhen.

Man muss (sollte) sich in dieser Situation also immer für das Risiko entscheiden? So ganz stimmt diese einfache Milchmädchenrechnung dann doch nicht, denn der Wert des Geldes für uns ist nicht linear. Jeder hat da seine eigene Schmerzgrenze: Wer würde schon sichere 5 Millionen riskieren für eine 50% Chance auf 10 Millionen? Am Pokertisch sollte man diese Schmerzgrenze ohnehin nie erreichen, denn sonst sitzt man definitiv am falschen Tisch.

Günther Jauch ist zweifelsohne ein Mann mit sehr großem Allgemeinwissen, wie er in Sendungen wie „5 gegen Jauch“ immer wieder unter Beweis stellt. Sebastian Langrock deutet in der Sendung immer wieder an, dass er einen „Read“ auf den Moderator hat, und aus dem Verhalten von Jauch auf die richtige Antwort schließen könnte. Wenn ich persönlich diesen „Read“ hätte, würde ich das vermutlich nicht heraus posaunen. Viel eher glaube ich, dass der Kandidat eben keinen Read hatte, und hoffte, dass sich Jauch aufgrund seiner Ansagen beim Versuch seine Mimik zu verbergen, oder beim Versuch ihn zu täuschen verraten würde.

Vor den letzten drei Fragen hatte der Kandidat noch alle drei Joker, und mit Hilfe des Publikums konnte er die Hürde auf 125.000€ nehmen. Auch hier machte er alles richtig. Er erkannte schnell, dass er die Frage nicht ohne Hilfe beantworten kann, behielt seine Gedanken für sich, um das Publikum nicht zu beeinflussen. 68% für Antwort D waren für ihn ein „must take“, und lag damit goldrichtig. Auch bei der 500.000€ Frage verließ er sich auf eine Dame aus dem Publikum, die zusammen mit ihrer Sitznachbarin als einzige sofort aufstand, nicht zuletzt indem er die Motivation (Absprache) der beiden Freundinnen völlig richtig analysierte. Für mich war an dieser Stelle auch noch interessant, dass er das etwas verzögerte Aufstehen eines weiteren männlichen Zuschauers mit Unsicherheit interpretierte. Daher wählte er ihn nicht aus, obwohl dieser wie sich im Nachhinein herausstellen sollte, die Frage nicht nur (ebenfalls richtig) sondern die Antwort auch noch fundiert begründen konnte. Der Grund seines Verspäteten Aufstehens war einzig und allein, dass er dachte:“ Es würde blöd aussehen wenn er als einziger aufsteht!“ Da diese Motivation nicht gerade rational war, konnte Sebastian Langrock auch nicht die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Für mich sieht man hier eine sehr schöne Parallele zum pokern: Wenn mein Gegenüber nicht gleich oder zumindest ähnlich wie ich denke, dann wird es schwer seine Aktionen richtig zu lesen und zu deuten.

Dann kam ihm noch Fortuna zu Hilfe, denn die Millionen Frage konnte er durch einen Zufall ad hoc ohne Antwortmöglichkeiten beantworten … „Wer sollte sich mit der 20 nach 4 Stellung auskennen?“ Der Rest ist Geschichte. Hier könnt ihr euch die entscheidenden Fragen der Sendung nochmals ansehen: RTL now

Euer Stefan

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