Frontbericht Österreich – Wer fürchtet die SOKO Glücksspiel – Bananenrepublik oder Rechtsstaat

 

Auf dünnem Eis bin ich zuhause. Da kenne ich mich aus. Hingegen bei eigenen Prognosen, die noch dazu einzutreffen scheinen, bewege ich mich auf ungewohntem Terrain. Der März ist vorbei und in allen relevanten österreichischen Cardrooms surren die Karten und rauscht das Rake in den Schlitz. Bellende Hunde beißen tatsächlich nicht und eine  Finanzpolizei, die Drohungen  über baldiges Einschreiten via Journalisten ausrichten lässt, macht nicht wirklich Angst. In einer meiner Kolumnen von Ende Januar hatte ich unter dem angeberischen Titel: „Alle Fragen, alle Antworten – Was passiert mit den österreichischen Cardrooms? – Fünf Szenarien“ meine Tendenzen klar beschrieben. Der geneigte Leser ist gerne dazu eingeladen, nochmals nachzulesen. Inzwischen bin ich noch deutlich optimistischer. Der magische März ist vorbei. Die österreichischen Behörden mahlen vielleicht langsam, aber was sie in drei Monaten nicht durchziehen, werden sie wohl ganz sein lassen. Rechtssicherheit für die Cardrooms scheint es leider nicht zu geben, aber andererseits ist es wohl nicht verboten genug, um entsprechende Maßnahmen zu setzen. In der folgenden Kolumne werde ich mich an einer aktualisierten Analyse versuchen. Quasi drei und ein halber  Gedanke – digital remastered und das, wie immer bei Hochgepokert.com – in Farbe und frei Haus.

Hat die Finanzpolizei ihr Pulver bereits verschossen?

Nun der ganz große Kreuzzug wurde offensichtlich abgeblasen. Journalisten mit entsprechenden Kontakten zu den Behörden, hatten ja fix mit einer Totalschließung aller Cardrooms bis Ende März gerechnet. Solche Informationen wurden von der Finanzpolizei und jener ominösen „SOKO Glücksspiel“ auch bewusst lanciert. Säbelrasseln kann man schwer anwaltlich bekämpfen, im Gegensatz zu den anderen Verfahren, in denen sich die  Anwälte von Peter Zanoni unerschrocken von Verfahren zu Verfahren kämpfen. Nicht einmal die beiden Razzien in der Pokerprovinz haben zu eindrucksvollen Resultaten geführt. Rigobert Rainer, Einsatzleiter der „SOKO Glückspiel“ gab dem in Pokerangelegenheiten stets hilflos schlecht informierten ORF ein Interview zur Grazer Razzia: „In der Steiermark ist das der Beginn einer Anzahl von vielen Kontrollen, die sich auch auf Kärnten ausdehnen werden. Es geht ganz klar darum zu signalisieren, dass von Seiten der Behörden, der Finanzverwaltung eben dieses illegale Glücksspiel mit allen Maßnahmen bekämpft wird.“  – Ganz klar Signale in Kärnten zu setzen, wird ein wenig schwer sein. Probleme gibt es nach der abgewählten FPK-Regenschaft immer noch genug, aber gerade mal anderthalb kleine Cardrooms. Dort „alle Maßnahmen“ setzen zu wollen, hat fast was Drolliges. Außerdem drängt sich die Frage nach den Einsatzplänen für das zweite Halbjahr auf. Droht der Sturm auf Kirchschlag am Wechsel und wann wagt sich die SOKO Glücksspiel in den Schilfgürtel von Breitenbrunn am Neusiedlersee? Fragen über Fragen.  – Ich lege mich fest und setze auf die Anwälte von Peter Zanoni. 

 

Das Innenverhältnis: Concord Card Casino – Montesino

Fix ist, es wird an einem Strang gezogen. Ungeklärt bleibt, ob die Zugrichtung auch immer die gleiche ist. Eine Fusion dieser Größenordnung kann niemals ganz reibungslos vollzogen werden, besonders wenn man bedenkt, dass die ehemaligen Gründer und Besitzer des Montesinos weiterhin operativ tätig sind. Der Außendarstellung muss man zweifelsfrei Respekt zollen, kaum etwas dringt nach außen und man muss sich als Journalist schon sehr anstrengen, um zumindest ein klein wenig Lichts ins Informationsdunkel zu bringen. Aus meiner persönlichen Beobachtung, kann ich im Moment zwei Tendenzen ablesen. Das Montesino wird tendenziell „concordisiert“. Ehemalige Bereichsleiter vom Gasometer sind gegangen, wurden gegangen oder haben deutlich an Macht verloren. Gleichzeitig – und das finde ich besonders spannend – ist eine gewisse Völkerwanderung der Turnierspieler ins Montesino zu beobachten. Wenn man bedenkt, dass das Concord Simmering Top-Turnierleute von europäischem Format auf seiner Paylist hat, kann man sich darüber schon ein wenig wundern. Vielleicht bewahrheitet sich meine Prognose (Befürchtung?) und irgendwann haben wir im Montesino das einzige Wiener Großcasino und es laufen schon die ersten Vorbereitungen? – Kleine Nebenbeobachtung, die Turnierkooperation zwischen CCC Simmering und Concord Lugner-City wurde offensichtlich von den Spielern nicht so angenommen und im April gibt es da auch keine koordinierten Termine. Schöpferische Pause oder Teil eines großen Plans? Man wird es sehen.

 

Ist Österreich noch ein Rechtsstaat, oder bereits eine Bananenrepublik? 

Im Gegensatz zu meinen deutschen Freunden, sehe ich das zögerliche Vorgehen der Behörden als Indiz für einen funktionierenden Rechtsstaat und keinesfalls für eine Bankrotterklärung. Um den seligen Bundeskanzler Fred Sinowatz zu bemühen: „Es ist alles sehr kompliziert“. Wäre alles so einfach in unserer Rechtskultur bräuchten wir keine Staatsanwälte und Anwälte. Wir hätten ein großes dickes Buch und würden nachsehen, wer recht hat und fertig. Manche Sachen sind wirklich und zweifelsfrei verboten. Zum Beispiel Marihuanaplantagen (ein Grund warum ich mich noch als Lohnschreiber bei Hochgepokert.com verdingen muss). Da wären die Behörden auch schnell da und würden nicht mal eben in ein Kärtner Kuhdorf zum üben fahren. Bei Poker ist es eben sehr komplex. Mag sein, dass es ein aktuelles Gutachten gibt, dass es sich dabei um ein Glücksspiel handelt, aber es gibt auf der anderen Seite eben auch einen gültigen Gewerbeschein. Es gibt einen aufrechten Einspruch der Concord-Gruppe beim Verfassungsgerichtshof, dessen Nichtabweisung über so lange Zeit, stark dafür spricht, dass der Antrag wohl begründet scheint. Nicht zu vergessen, die Eingabe in Brüssel und etliche andere offene Verfahren.  – Also wenn ich auch meine Scherze mache, über die „SOKO Glücksspiel“, macht sie eigentlich genau das richtige wie ich zugeben muss. Ein klein wenig versuchen, mit punktuellen Bluffs den vermeintlichen Gegner einzuschüchtern, aber eben doch nicht aus der sicheren Deckung ins rechtsunsichere Terrain vorpreschen. Bleibt noch genug Zeit, sich um die üble Automatenmafia zu kümmern und dabei begleiten sie selbstverständlich meine besten Wünsche. 

 

Profitieren wir Spieler von den Turbulenzen, oder sind wie die ersten Beschädigten?

Mit der Frage, beschäftige ich mich im zweiten Teil meiner Betrachtungen. Erscheinen wird diese Kolumne am Samstag. Den ersten Satz weiß ich schon. Quasi als kleines „amuse gueule“ vorab: „Ich spiele kaum noch Cashgame, weil es mich seit der letzten Rake-Erhöhung einfach anekelt.“ – Der Rest folgt am Samstag, wenn mich die Anwälte von Herrn Zanoni nicht zurückpfeifen. Hatte ich bereits erwähnt, dass ich die für äußerst tüchtig halte?

Götz Schrage 

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