Pokerspieler von Personalchefs gesucht. Traden statt pokern als möglicher Karriereschritt

Neue Perspektiven für den erfolgreichen Pokerspieler. Vielleicht sollte man bei der nächsten schriftlichen Bewerbung einfach den aktuellen Hendon Mob-Eintrag mitschicken. Vorbei die Zeiten, in denen man sich unseres Hobbys schämen musste. Wenn man der Börsen -und Finanznews-Seite stock-world.de Glauben schenken darf, suchen Trading-Firmen aktiv nach erfolgreichen Pokerspielern. Allerdings betiteln sie ihren Bericht mit der Schlagzeile: „Warum Traden besser ist als Pokern“ und genau den Beweis bleiben sie dann im Text schuldig. Sie verlieren sich stattdessen, in wenig schlüssigen Vergleichen, denen man mit dem euphemistischen „hinken“ nicht annähernd gerecht wird.

Andererseits, wo liegt das Problem? Wenn sich Trading-Firmen einbilden, dass „erfolgreiche Pokerspieler“ die besseren Trader sind, weil sie über scheinbar beeindruckende Fähigkeiten verfügen, um so besser. Zitat: „Noch schwieriger ist es, eine gute Starthand im Poker  – wie zum Beispiel ein Ass und die Zahl Neun – wegzuwerfen, wenn am Flop ein König und die Zahl Zehn erscheint und der Gegner zu setzen beginnt“. Wessen analytisches Vermögen reicht, um diesen grenzgenialen Move nachzuvollziehen,  der sollte ernsthaft über eine Karriere an der Börse nachdenken. Obwohl, bevor Sie jetzt den Lebenslauf auspacken, um sich einen dieser Millionen-Jobs zu sichern, testen Sie erst, ob Sie auch dem zweiten Zitat folgen können: „Ebenso ist es im Trading wichtig, trotz eines „perfekten“ Setups den Trade im Verlust glattzustellen, wenn irgendein ungünstiger Effekt das Ganze durcheinander gebracht hat.“ Auf Poker übertragen handelt es sich bei dem „ungünstigen Effekt“ eindeutig um den Dealer, der schon mal am River den ganzen Matchplan kräftig „durcheinander bringen“ kann. In den meisten Casinos ist es allerdings verboten, den Dealer dafür „glattzustellen“. Obwohl ein durchaus reizvoller Gedanke. 

Übrigens, bei dem im Artikel ausdrücklich erwähnten „erfolgreichen Pokerspieler“, der es nun scheinbar auch auf der Börse geschafft hat, handelt es sich um Chris Fargis. Sein letzter Hendon Mob Eintrag datiert aus dem Jahre 2010 über $7663 und sonst muss man schon bis ins Jahr 2006 zurückgehen, um einen größeren Cash mit 50k zu finden. Im Vergleich dazu, hat Sebastian Ruthenberg Lifetime-Winnings von knapp $3.500.000. Das berechtigt dann scheinbar zu einer Kochlehre. Mit so Min-Cashs kann man sich maximal an der Börse bewerben, oder man wird eben Journalist bei Hochgepokert.com. – Wenn man Glück hat.

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