Al-Kaida und der Pokerstaat – Ein verrückter Pirat – EPT Berlin und die Ignoranz der Politik

„Wenn ihr es wollt, ist es kein Märchen“ – Theodor Herzl 

Mir kann man es auch niemals wirklich recht machen. Endlich mal bekennt sich ein Politiker zu meiner liebsten Passion und dann muss es mit Erich Romann der sonderbarste der durchaus sonderbaren Piraten sein. Mit Ende Juni will er sein Kreistagsmandat niederlegen und sich wieder mehr dem Poker spielen widmen: „Da verdiene ich an einem Abend so viel wie als Kreistagsmitglied im Monat.“ Durchaus skurril auch der zweite Grund für seinen geplanten Rücktritt: „Ich werde von Al-Kaida bedroht und bekomme weder von der Politik noch von den Behörden Unterstützung.“ Nun, wie immer man das interpretieren mag, bei den gewöhnlich sehr tüchtigen Security-Mitarbeitern der Cardrooms bekommt er sicher alles an Unterstützung was es braucht. Hie und da eine Einladung auf ein Red Bull, oder einen extrastarken Kaffee und alle Al-Kaida Terroristen mit Bombengürtel, werden gleich am Parkplatz mit Hausverbot belegt. 

Als ob wir es nicht schwer genug hätten mit der breiten Öffentlichkeit. Selbstverständlich war die EPT Berlin ein Riesenerfolg. Perfekt organisiert im Ablauf und auch von der Teilnehmerzahl imposant. Mag der große Boom auch vorbei sein, mögen wir die kurzzeitigen Trittbrettfahrer verloren haben, die jede Mode mitmachen, um dann wieder zur nächsten Futterstelle der Eitelkeiten weiterzuziehen. Die wird niemand vermissen, und eben diese EPT Berlin hat gezeigt, wie treu und wertvoll die Basis der Szene ist. Das zählt und das macht Mut für die Zukunft. Poker in Deutschland läuft stabil und Berlin gehört definitiv zu den europäischen Klassikern und das verdientermaßen und auf lange Sicht. Was mir noch fehlt, in meinem prinzipiellen Hang zum Optimismus, wäre eine Akzeptanz der lokalen Politik. Am Tag nach dem Finale des Main Events gab es ein „ Erstes Berliner Dankeschön-Dinner für Unternehmen“ unter dem Ehrenschutz der Berliner Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer. Selbstverständlich war da keiner vom EPT-Management eingeladen, aber was nicht ist, kann ja noch irgendwann passieren.  Wenn es ein „Erstes Berliner Dankeschön-Dinner“ gibt, dann wird es wohl auch ein „Zweites“ und ein „Drittes“ geben. Irgendwann sind dann mal wir dran, weil der Umsatz abseits des Turniergeschehens ist durchaus imposant und ebenso durchaus interessant für Berlin. Hotelnächtigungen, Restaurants und sonstige Ausgaben, spülen eine Menge Geld in die klammen Kassen der Bundeshauptstadt. Das gehört doch auch einmal gewürdigt und spätestens beim „Fünften Berliner Dankeschön-Dinner für Messen, Kongresse und sonstige Veranstaltungen“ rechne ich fix mit einer Einladung für einen der Ausrichter der EPT Berlin. Vielleicht schaut ja auch einmal Klaus Wowereit bei einer Players Party vorbei. Sonst gar nicht partyscheu, sollte er sich allerdings damit beeilen, wenn er noch als regierender Bürgermeister erscheinen möchte.  – Apropos Flughafen, schade dass ich so wenig Freizeit habe. Mit acht tüchtigen Floormännern, zwei ebenso tüchtigen Turnierdirektoren und drei hübschen serbischen Kellnerinnen, hätten wir das Projekt sicher schon längst fertig gebracht.

Aber zurück auf den Boden der traurigen Realität. Aktuell haben wir mit Erich Romann einen Politiker ohne lokale Bedeutung, der sich selbst als Pokerspieler definiert. Nicht einmal die NDP wollte ihn haben und sein Bekenntnis zum Islam hatt ihm ja – nach eigener Aussage – den Ärger mit der Al-Kaida eingebracht. Mir persönlich gefällt allerdings am besten die Gegenüberstellung von bescheidenen, aber fixen Einnahmen als Kreistagsmitglied, zu möglichen Gewinnen am Spieltisch. Erinnert mich an einen der Jungstars der frühen 90er-Jahre, der seinen Kroatien-Urlaub mit folgendem Statement storniert hatte: „Ich fahre doch nicht für zwei Wochen nach Istrien, wenn mich der Spaß DM 12.000.- kostet“. Natürlich musste ich nachfragen, wie man in Vrsar, Porec oder Rovinj so viel Geld ausgeben kann. Seine Antwort sinngemäß: „Der Urlaub kostet mich maximal zweitausend Mark, aber auch wenn es sehr schlecht läuft gewinne ich auf der hohen Stud am Donnerstag und den Limit Partien zwischendurch DM 10.000.- in den zwei Wochen. Das muss man bei den Urlaubskosten auch dazurechnen, wenn man schlau ist.“ – Die Schlauheit hat dann die nächsten zwei Woche Minimum DM 20.000.- gekostet. Nur in Gefahr sich einen Sonnenbrand zu holen war er nicht, weil er nächtelang mit gesenktem Haupt und wenig Chips an den diversen Tischen saß. – Wenn ein Erich Romann also davon ausgeht, dass man sich als Pokerspieler quasi einen Stundenlohn errechnen kann, dass liest er wahrscheinlich immer noch die Pokerbücher, die schon so manchen ehemals vermögenden „Poker-Pro“ an die Grenze des Privatkonkurses getrieben haben. 

Allerdings auch ich neige zu krausen Thesen und Plänen, wie der regelmäßige Leser meiner Kolumne sicher schon längst erkannt hat und auch ich, habe einen Plan B. Wenn es mit der staatlichen Akzeptanz der Politik auch auf lange Sicht nicht klappen sollte, basteln wir unseren eigenen Staat. Immerhin fließen ja auch Anteile vom Blut der Gründerväter durch meine Adern. Im Sudan sind die Grundstückspreise aktuell ziemlich im Keller. Von der Fläche her fünfmal so groß wie Deutschland, da finden wir ein Plätzchen. Erich Romann will ich auch im Team haben. Immerhin bekennt er sich ja zum Islam und das schadet in der Gegend niemals. Die Planung des Flughafens von „Poker City“ übernehme ich persönlich und als Sachverständigen für praktisch alles brauche ich da nur Eddy Scharf an meiner Seite. Und ich lege an dieser Stelle ein Gelübde ab, sollte Klaus Wowereit bei der nächsten EPT Berlin vorbei schauen, nennen wir ihn dann vielleicht den „Klaus Wowereit Flughafen -Poker City“. Versprochen. 

Götz Schrage 

Quelle: han-online.de, taz.de  – Foto: han-online.de

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