Eine unverhüllte Rezension – Hermann Pascha und seine dunklen Gedanken – Kugel im Kopf

paschhgpHermann Pascha hat zusammen mit Doris Kitzenegger ein Buch geschrieben. „Unverhüllt“ erhältlich bei Amazon, dem gut sortierten Fachhandel und wahrscheinlich in jedem ordentlichen deutschen Puff. Für Hochgepokert.com, habe ich diese sonderbar heitere, bis sonderbar ernsthafte Biographie zweimal gelesen. Einmal, weil mich Ben Kang dafür bezahlt und einmal, weil es mir ein Vergnügen war. Die folgende Rezension fällt trotzdem halbwegs kritisch aus. Zu viel an politischem Gedankenmüll muss zumindest ansatzweise kommentiert werden. Der Erlös von „Unverhüllt“ wird für einen guten Zweck gespendet und nicht einmal damit kann man es mir recht machen. 

Überspringen wir gleich mal elegant den Pokerteil. Wir sind ja hier quasi unter uns und jeder, der schon mal das Vergnügen hatte mit Hermann Pascha an einem Tisch zu sitzen, oder die German High Roller auf Sport1 gesehen hat, kennt den liebenswerten Zugang zu den 52 Karten. Da ist der Herr Hermann gnadenlos konsequent in seiner Denkweise und wir hoffen alle, er wird sich da auch nicht mehr ändern. Spannend die beschriebenen Ausflüge nach Las Vegas und wirklich imponieren muss einem der Geschäftsmann Hermann Pascha. Ein ewig Neugieriger und Suchender. Eine Maschine von einem Gastronomen im Spannungsbogen zwischen Diskothek und Laufhaus. Vom Herrn Hermann kann man lernen. Nicht gerade die große Startkartendisziplin, aber wie man eine Sache angeht, wie man trotz Rückschlägen seine Linie durchzieht, das kann einem in dem Metier kaum einer besser erklären. Selbstverständlich ist ein Kapitel dem Kampf für Toleranz mit uns Rauchern gewidmet und in flüssig und leicht verständlicher Sprache darf der Leser daran teilhaben, wie Herr Herman die letzten spannenden Jahre Revue passieren lässt. – So weit so angenehm, aber es gibt auch Kapitel, die gehören in ihrer charmanten Problematik ein wenig genauer besprochen. 

HGPpascha2Hermann Pascha äußert sich ja immer wieder gerne zu politischen Fragen. Er tut das stets aufgeregt und mit Mission. Allerdings viel mehr als missionarische Aufgeregtheit hat er da auch nicht zu bieten. Das muss und kann man mit Jahrzehnten im Nachtgeschäft auch ohne weiteres entschuldigen, solange es bei Brandreden in Youtube-Clips als kleines Beiwerk zu Poker-Events bleibt, allerdings jetzt gedruckt und für die Ewigkeit festgehalten, ist es schon oberste Rezensentenpflicht ergänzende Bemerkungen zu machen. Politik ist eben doch komplizierter, als sie sich an der Tür einer Diskothek darstellt. Über Kapitel wie „Kampf und Krampf mit Ausländern und Gesindel“ kann man nur belustigt und weise den Kopf schütteln. Allerdings erhebt Herman Pascha ja auch keineswegs den Anspruch der große liberale Völkerverständiger zu sein und seine Bemerkungen zum „Fahrenden Volk“ hören sich auch eher nach Volksbeobachter an, aber wie erwähnt, spannend im Mut frei Schnauze loszuledern. Der immanente Ansatz der Selbstjustiz ein Hohelied zu singen, lässt sich vielleicht gerade noch mit der Bosheit des Älterwerdens entschuldigen. Und gerade ich muss das entschuldigen, weil ich ja auch unter Anflügen dieser Symptome leide. Wobei dreimal auf einer Doppelseite von „Kugel im Kopf“ als Lösungsmodell zu schwadronieren, ist dreimal zu viel. Gut für den Herrn Hermann und gut  für uns, dass das immer glimpflich ausgegangen ist. Ohne mit der Rechtslage in Ansbach und Roth vertraut zu sein, wäre die Kugel im Kopf wohl nicht erlaubt gewesen und dann wären wertvolle Jahre weg gewesen und dieses Buch hätte es vielleicht nie gegeben. Abgesehen davon, die erwähnten „Jugoslawen“ als Schutzgelderpresser sind mir persönlich nicht bekannt. Die dafür stimmig passenden „Jugoslawen“, die ich kenne und kannte, hätten so eine Drohung die Artillerie aufzufahren mit einem „Pack aus Bester“ gekontert und spätestens dann wäre es kompliziert geworden. 

Liberal und trotzdem mehr als spannend geht im folgenden Kapitel zu: „Nur ein Mann weiß, was ein Mann will – die 7. Etage im Pascha Köln“.  Kampfruf. „Alles ist besser als Blümchensex“ und Hermann Pascha lässt uns an seinen Erinnerungen an verflossene Zeiten teilhaben, weil: „mit 20 und 30 ist man ja automatisch geil.“ Fürs Alter bleibt uns immer noch der 7.Stock. Für mich mit meiner Höhenangst eine deprimierende Perspektive. Erbaulich auch die Gedanken zu Bordell und Fellatio wieder gespickt mit eigenen Erinnerungen und Erkenntnissen. Respekt auch für die liberale Gesinnung bezüglich der gleichgeschlechtlichen  – beziehungsweise semigleichgeschlechtlichen – Liebe. Fast möchte man den Hermann Pascha als Sonderbotschafter zum homophoben Putin schicken. Hoffentlich droht er ihm dann nicht auch ein Loch in den Kopf an. Jetzt wo die Pussy Riots entlassen sind, würden die sibirischen Straflager den armen Hermann sicher langweilen. 

HGPpaschaKommen wir zu weiteren kritischen Anmerkungen, bevor ich  mich dann zur ultimativen Kaufempfehlung steigere und diese Empfehlung auch noch wohl begründen werde. Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch. Der „gute Zweck“ eines Buches ist es ein schönes Buch zu gestalten. Nicht am Layout, nicht am Papier und nicht am Buchbinder zu sparen. Die blindtauben Kinder sollen alles Geld bekommen, was der Pascha im Safe hat und das in der Schweiz auch. Aber Gottverdammt noch einmal, wenn ich ein Mensch bin der Qualität schätzt, der gutes Essen liebt, schöne Autos und sich anzieht wie ein Sir, dann will ich zur Hölle noch einmal ein Buch wie ein Bentley in der Hand haben und nicht wie eine Mischung aus Sport Almanach und SUPER-Illu Graphik auf LSD. Wir Bibliophilen sind auch Menschen und haben unsere Passion. Wenn es Hermann Pascha versteht, dass sich Ü50er von „Frauen mit Pimmel“ einen blasen lassen, weil nur die wissen, „wie man die Eier anlangt“, erwarte ich mir auch Respekt für die Liebhaber der Buchgestaltung. Hoffe es gibt einen zweiten Teil und ich hoffe – im Namen vieler – unsere Wünsche dahingehend finden dann Gehör.

Und jetzt zum wichtigsten Teil. Zur Frage, soll und muss man sich dieses Buch kaufen? Ja man muss! Unbedingt sogar. Das gibt es nur einmal, das kommt so nicht wieder. Hermann Pasche gehört zu den aussterbenden Sauriern. Die sind sowieso recht schreibfaul. Der Herr Hermann hatte das Glück die strukturierte und fleißige Doris Kitzenegger an seiner Seite zu haben. Sonst wäre das wohl nichts geworden mit dem literarischen Erbe und das wäre wirklich mehr als schade. Soviel Unvernunft, spannendes Leben und mehr als bedenkliches Gedankengut zum Preis von €19.90.- gibt es sonst nicht zu kaufen. Nicht zu vergessen der gute Zweck heiligt vielleicht doch das Lay-Out. Nur meinen Augenarzt muss ich mir dann wohl selber bezahlen. – Das Schicksal des Rezensenten in den Niederungen des roten Lichtes. Hätte ich doch bloß was Anständiges gelernt!  – UNVERHÜLLT, Hermann Pascha/Doris Kitzenegger, AniMazing Verlag 2013. Der Reinerlös dieses Buches geht an den Verein: „Pascha für Menschen in Not e.V.“

Götz Schrage

PS: Bin stolz mit drei Fotos in dem Buch vertreten zu sein, möchte aber an dieser Stelle für meine Freunde vom „fahrenden Volk“ und natürlich auf für meine „jugoslawischen“ Freunde festhalten, dass ich das Buch vorher nicht gelesen hatte. Sicher ist sicher. 

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