Liv Boeree flieht vor mir – Nerd-Fahndung bei der EPT Wien – Sherpa Jens Knossalla führt mich

20140324-1464134_10203165518920307_1928117132_n-2Er ist klein und ein wenig untersetzt. Er hat inzwischen leicht grau melierte Haare, trägt eine runde Brille, spricht einen sonderbaren Akzent wie Andreas Krause und schuldet mir seit 1997 ÖS 5000.- . Gestern hätte ich ihn beinahe gehabt und er ist mir doch entwischt. Erkannt hat er mich wohl, aber ich war im Stress. Bin der Liv Boeree nachgelaufen wegen einem Foto, hinter mir ein Freund im Schlepptau und am anderen Ende des langen Hofburg-Ganges Integer-Poker Mann Gregor Reichhardt. Und trotzdem ist dem Jungen die Flucht durch den Cashgame-Bereich gelungen. Das muss man sich mal vorstellen. Da steht er für einen Moment zwischen dem zweit -und drittgefährlichsten Mann der EPT-Wien und entwischt. Respekt dafür. Der gefährlichste EPT-Mann wäre – und da sind Gregor und ich sicher einer Meinung – selbstverständlich Bahama-Basher Martin Finger. Sollte der denn überhaupt vor Ort sein. Wobei ich glaube, uns alle drei  gleichzeitig lassen die Security-Jungs fix nicht rein. Kann man auch verstehen. Irgendwie. 

20140324-_MG_6036So geht also Interview. Der geschätzte Kollege Christian Lenoble hat einen Termin mit Liv Boeree und ich habe keinen. Ich habe nicht mal eine richtige Akkreditierung, obwohl ich selbst drei Mails an die Pressestelle von Pokerstars geschrieben habe. Noch dazu auf Englisch! Obwohl vielleicht liegt genau da der Hund begraben. Zurück zum Security-Check. Die reizende Frau Anna vom Empfang setzt sich für mich ein. EPT-Präsident Stuchly kommt vorbei und schüttelt mir die Hand. Jens Knossalla winkt mir von der Ferne. Jetzt fehlt nur noch der Papst und ich käme mir wirklich wichtig vor. Ich suche das „Staff-Cafe“. Dort wo Dealer, Floorleute und sonstiges Personal in hastigen Pausen ihre Mahlzeiten einnehmen. Ganz bescheiden in der hintersten Ecke sitzt Liv und Kollege Lenoble parliert bereits mit ihr. Man lernt nie aus. Meine Interviews laufen anders ab und wer einmal dran war, kommt kein zweites Mal. Wenn ich dienstlich mit Pokerfrauen spreche, mache ich das mehr so im Hermann Pascha-Modus. Zwei übergriffige Komplimente, drei bis vier Macho-Witze und den Regler für Zuhören fahre ich ganz nach unten. Kollege Lenoble macht das ganz anders. Der stellt kurze und uneitle Frage und dann notiert er fein säuberlich die Antworten. Ich bin beeindruckt. Noch dazu scheint Liv ihn viel lieber zu mögen als mich, obwohl ich extra mein Frauenverstehergesicht aufgesetzt habe und mich bemühe sexy auszusehen, während ich auf den Knien um den Tisch rutsche und meine Fotos mache. Jetzt sprechen sie über Gefühle und Liebe. Wenn ich so etwas frage, bekomme ich höchstens eine Ohrfeige, aber Liv antwortet und rutscht ein Stückchen näher. Nicht zu mir selbstverständlich und langsam scheiße ich auf mein Frauenverstehergesicht, schon weil mir die Knie wehtun. Bevor die beiden noch anfangen zusammen zu weinen, verlasse ich den Tisch. Außerdem darf ich keinesfalls zu viel verraten. Das war ein Interview für das Poker-Magazin und wer das nicht liest, ist wirklich selber schuld. Taschentücher bereitlegen. Sicherheitshalber. 

20140323-20140323_171348Draußen am Mittelgang warte ich dann auf Liv Boeree und dann passiert es. Erst kommt sie nicht und ich gehe nachsehen, ob sie nicht vielleicht durch einen Seiteneingang die Flucht versucht (bei meinen fotografischen Talenten, wenn es um seriöse junge Damen geht, hätte ich für diese Flucht durchaus Verständnis, aber Job ist Job.) Dann ist sie glücklich da von der Psychoanalyse. Hübsch wie eh und je und ich sehe ihn. Den Jungen mit meinem Geld. Was tun? Job ist Job und abgesehen davon, gehört Liv nicht zu den Frauen, die lange auf mich warten würden. Also mache ich meine Bilder und verschiebe die Suche auf später. Neben der Beschreibung der Physiognomie, habe ich ja noch ein perfektes Charakterprofil. Deutscher, spricht wie ein Nerd, zieht sich an wie ein Nerd und sieht aus wie ein Nerd. Müsste bei so einer EPT also krass auffallen. Die Treppe des Grauens mit gefühlten 100 Stufen in die unendliche Höhe gestaltet sich für mich schwieriger als ich befürchtet habe. Dann Sherpa Jens Knossalla: „Willst du mich verarschen Götz, was heißt hier Höhenangst“ entere ich den großen Spielsaal und fühle mich wie Edward Hillary ohne gefrorene Zehen. Nichts, keine Chance. Verschwunden. EPT I´ll be back und meine Motive sind keine lauteren. Mal gucken. Hoffe Gregor ist in der Nähe, wenn es ernst wird. Der Rücken und so. Aber was sein muss, muss einfach sein.

Götz Schrage 

PS: Es geht mir nicht ums Geld. Es geht mir ums Prinzip und schließlich habe ich einen Ruf als Inkassant zu verlieren. Den Titel: Zweitbester Geldkassierer nach Jens K. muss verteidigt werden. Der kleine Rotlichtführer Teil Zwei wurde auf Mittwoch Abend verschoben.

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