Der Fall Ali T. – Prozess wird zur Farce

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Heute sollte der große Prozess gegen Ali Tekintamgac starten. Acht Tage wurden für den Fall angelegt und Licht sollte endlich ins Dunkle gebracht werden. Doch nun wird er auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Methodik ist mehr als seltsam. 

Es ist 13:30 Uhr und der Gerichtssaal des Landgerichtes Augsburg füllt sich. Der öffentliche Prozess gegen Ali Tekintamgac soll heute starten und ist auf mindestens acht Tage angelegt. Nicht nur Journalisten sind da, auch Personen aus Alis Umfeld, der in Augsburg als „Mafia Ali“ bekannt ist. „Was hier als Zuhörer aufläuft ist echt die Mafia. Wahnsinn sogar ein paar dementsprechende Blondinen sind dabei. Das ist wie im Film, da würde man keinem einzigen einen Gebrauchtwagen abkaufen„, sagt eine Dame vor Ort. 

Ali Tekintamgac sitzt bereits auf der Anklagebank. Dann kommt der Richter in den Saal und dieser verliest die Anklage. Sinngemäß geht es um folgende Punkte:

Ali T. ist wegen Banden- und gewerbsmäßigem Betrug in fünf Fällen und Edmund Buiac-Cazacu (Anm. d. Red.: Eddy, der Blogger) wegen den Selben in vier Fällen angeklagt. Der Vorwurf:

Gemeinsam mit Perica Bukarat sollen die beiden zu einem nicht bekannten Zeitpunkt beschlossen haben, bei internationalen Pokerturnieren mit verdeckter Kommunikation zu betrügen. Perica soll unter anderem für seine Mithilfe beim Turnier in Zypern 100.000 Euro von Ali T. bekommen haben, steht allerdings nicht vor Gericht.

ali_tekintamgac„Eddy der Blogger“ eröffnete am 27.6.2010 einen Internetblog mit dem Namen „Pokerb00m.eu“ (Anm. d.Red.: mittlerweile ist die Seite offline), um eine Akkreditierung bei diversen Turnieren zu erhalten und trat dort als Reporter und Fotograf auf. Das erste Mal wurde er bei der Partouche Poker Tour Cannes vom 2. bis 7.9.2010 auffällig. Ali gewann dort mindestens €110.300 Euro, weil ihm Eddy am Rande des Spieltisches geheime Zeichen gab wie zum Beispiel ein Doppelklick mit Kugelschreiber, dreimal streichen mit der linken Hand über die Schulter, führen der Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger zur Stirn. Nach Turnierende beantragte Ali die vorzeitige Auszahlung von €70.000 vom Casino Palm Beach in Cannes, der Betrag wurde ihm in Bar ausgezahlt. Am 20.9. beantragte er telefonisch die Auszahlung von nochmals €50.000 auf das Konto der is Bankasi AS (Nummer geschwärzt), da war allerdings durch eine Videoaufzeichnung ein Verdacht aufgekommen und der Casinoleiter stoppte die Auszahlung. 

Ali gewann vom 19.5. bis 23.5.2010 bei der WPT in Barcelona bereits 278.000 Euro. Die Methode war die Gleiche, Eddy gab ihm versteckte Zeichen. Der Bauernfunk verhalf Ali zum Titel und ein paar Monate später trat er sogar beim WPT World Championship an. Des Weiteren wird in der Anklageschrift die Unibet Open in Prag erwähnt. Dort gewann Percia vom 5. bis 8. August 2010 25.800 Euro, ebenfalls durch geheime Zeichen von Eddy. Vom 18. bis 21. August holten sich Edmund und Percia beim Full Tilt Poker Merit Cyprus Classic weitere 287.082 Euro in bewährter Weise.

Die alleinige Anklage gegen Ali T.: Ende 2011 im lokal B7 in Augsburg und in einem weiteren Lokal in Augsburg nahm Ali an illegalen Pokerrunden teil, es gab davor Absprachen mit einem Udo T., der technische Geräte in China gekauft hatte. Des Weiteren werden Sinan B., Kader K. , Aleksander K. ,Johannes G. ,und Ibrahim C. genannt, die in wechselnder Besetzung an den Spielen teilnahmen. Es gab gezinkte Karten mit einem unsichtbaren Magneten, der jeweils Signale über als Handy getarnte Empfangsgeräte an einen Ohrknopf des Mitspielers sendete. Die Täter wussten zu jedem Zeitpunkt welche Karten der andere hatte. Dadurch verlor ein nicht eingeweihter Teilnehmer unter anderem 3500 Euro , dann nochmals 2000 Euro und ein anderer Spieler sogar 20.000 Euro.

Als der Richter die Anklageschrift zu Ende gelesen hatte, fragte er, ob die Bereitschaft zu Gesprächen bestehe. Dies wurde sowohl von der Verteidigung als auch von Seiten der Staatsanwaltschaft sehr begrüßt. So wurde der Prozess vorerst bis auf unbestimmte Zeit gestoppt. Wie lange nun die Gespräche dauern, weiß niemand so genau. Seltsam ist folgender Gedanke: Wenn es einen Deal gibt und Ali T. aussagen möchte, dann machen das die Anwälte meist vor dem Prozess. Des Weiteren wurde Kadir Karabuluts verschwinden nicht ein einziges Mal erwähnt. Eigentlich sollte der Fall Licht ins Dunkle bringen. Doch anstelle von Antworten, sind nun noch weitere Fragen hinzu gekommen. 

Hier findet ihr alle Artikel zur Akte Ali T. 

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