Pro-Tipp George Danzer – Deuce to Seven Triple Draw Basics!

George Danzer
George Danzer

Für den aktuellen Pro-Tipp konnten wir Team PokerStars Pro George Danzer gewinnen. In letzter Zeit wird immer häufiger über die diversen Mixed Games-Varianten berichtet. Texas Hold’em, Omaha und Stud sind vielen ja bereits geläufig. Andere Varianten sind für viele Spieler dagegen noch absolutes Neuland. Um das zu ändern sprachen wir mit dem Poker Amigo, einem unserer besten Spezialisten für exotische Pokervarianten. Im Folgenden gibt er euch nun eine Einführung und einige nützliche Tipps zu Deuce to Seven (Lowball).

 

Jetzt, wo alle No Limit Texas Hold’em können, wird es langweilig.

Was liegt da näher, als andere Pokervarianten zu lernen oder mal etwas an der frischen Luft zu machen? Also habe ich mir ein paar andere Pokervarianten beigebracht.

Eine meiner Favoriten ist Deuce to Seven Triple Draw. Ab hier der Einfachheit halber 2-7 genannt.

Da es so viele Anglizismen gibt, die besser als die deutschen Begriffe klingen, mische ich im weiteren Verlauf, wenn es sich für mich besser anhört, kreuz und quer.

Das Spiel ist einfach zu lernen, macht Spaß und hat ordentlich Varianz. Dazu kommt, dass die schlechteste Hand gewinnt. Wie bei meinem Lieblingsspiel Skat, dem Null, freut man sich hier über schlechte Karten.

Eigentlich sollte man es in jede Pokerrunde einstreuen. Die Action entsteht dadurch, dass viele Situationen Setups mit kleinen Vorteilen für die eine oder die andere Hand sind.

PokerStars Pro George Danzer
PokerStars Pro George Danzer

Aber erstmal zu den Regeln. 2-7 wird mit maximal sechs Personen gespielt. Jeder bekommt fünf verdeckte Karten. Die Setzstruktur ist in ähnlich der beim Limit Hold’em und es gibt vier Setzrunden. Nach den ersten drei Setzrunden darf jeder noch in die Hand involvierte Spieler so viele Karten tauschen (drawen) wie er will. Am Ende gewinnt die beste Hand, welche beim 2-7 eigentlich die schlechteste ist. Da Straßen, Flushes und Asse als gut bewertet sind, ist die bestmögliche Hand 2d 3s 4d 5c 7h. Auch genannt Nr.1 oder „Nuts“.

 

Daraus folgt, dass alle Hände, die am Showdown als größte Karte eine 7 haben, extrem gut sind. Das ist auch die Hand auf die gespielt wird. Danach kommen die 8er Hände, von denen es schon mehr gibt. Im Schnitt wird man mit einer vernünftigen 8 zufrieden sein müssen, da 7er eher selten sind.

Die durchschnittliche 8 ist 8h 7c 5c 4h 2d. Diese Hand ist deswegen interessant, weil sie einen Anhaltspunkt gibt, auf was es sich zu ziehen lohnt. Alles was schlechter zieht, ist in Standardsituationen vollkommen uninteressant.

Man zieht also nicht auf eine schlechte 87xxx oder versucht, eine fertige (pat) 9 zu pressen.

Wenn man dieses Spiel lernt, sollte man erst einmal mathematisch solide, also auf der tighten Seite anfangen. Mit der Zeit lernt man auf den späten Draws (sprich dem zweiten und dritten) gute Entscheidungen zu treffen und kann auch mal etwas probieren. Aber bis dahin gilt: tight is right!

Mit sechs Leuten am Tisch gibt es grob gesehen nur drei Positionen. Early Position, Late Position und die Blinds. Als erster nach den Blinds (UTG) und auf der Position danach (UTG+1), sitzt man in Early Position. Im Cut-Off und am Button sitzt man in Late Position. Und dann bleiben noch Small und Big Blind.

Im Großen und Ganzen spielt man in Early Position nur Hände, bei denen man von Anfang an maximal eine Karte ziehen muss. In Late Position kann man dagegen auf Hände spielen, die zwei Karten ziehen. Aus den Blinds verteidigt man nur mit Händen, die mindestens gleich gut sind wie die Hand, die erhöht hat.

Das bedeutet, dass ich gegen eine Erhöhung aus Early Position nur Einkartendraws oder besser spiele usw.

Sollten alle folden und es zu einem Blindduell kommen, spielt man aus dem Small Blind so ab 358xx und aus dem Big Blind ja mit dem kleinen Positionsvorteil sogar noch etwas looser.

Es gibt natürlich Feinheiten, wie man sich den anderen Spielern am Tisch anpasst. Aber in diesem Artikel sollen erst einmal nur die Grundlagen erklärt werden, damit ihr in der Lage seid, 2-7 überhaupt zu spielen. Am meisten lernt man sowieso, wenn man selber spielt und die Hände anschließend genau analysiert.

George Danzer (GER)
George Danzer (GER)

Da das Spiel in den meisten Fällen in der Limit Variante gespielt wird, werden die Bets im Verhältnis zum Pot im Laufe der Hand immer kleiner. Folglich werden die Odds um weiterzuspielen auch immer besser. Deshalb passiert es sehr selten, dass ein Spieler im Laufe der Hand foldet. Ein Fold ist nämlich nur dann korrekt, wenn man sich sicher sein kann, nicht mehr die beste Hand machen zu können. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn man auf eine schlechte 8 zieht (ca. 8762x) und der Gegner schon pat bleibt. Deswegen ist es auch so wichtig, von Anfang an mit soliden Händen zu starten.

Limpen ist sehr schlecht in diesem Spiel, weil man mit einer Erhöhung umsonst die Blinds mitnehmen kann, und das im Verhältnis zu den knappen Edges im Laufe der Hand starkes Gewicht hat. Wenn vor dir bereits erhöht wurde, dann solltest du reraisen, um den Blinds noch schlechtere Odds zum mitzuspielen zu geben. Aus dem Big Blind kann man ein Raise aufgrund des Positionsvorteils meistens callen und mit einer starken Hand sogar noch mal erhöhen.

Richtig starke Hände sind alle Pathände, besser als 8s 5h 4s 2h. Oder Einkartendraws besser als 8c 6d 4h 3s x. Zweikartendraws, wie 237, 247, sind auch ganz in Ordnung.

Wir wollen aber immer „smooth“ (sauber) drawen. 6543x ist zum Beispiel ein sehr sehr dreckiger Einkartendraw. Nur eine 8 verhilft uns zu einer vernünftigen Hand. Wieso 2347x deutlich besser ist, sollte nun jedem einleuchten.

Bei Zweikartendraws ist es so, dass man immer eine 2 dabei haben muss. Die 6 ist eine grauenhafte Karte, weil sie Straßen magisch anzieht. 236xx wird also gar nicht erst gespielt. Und wenn ich jemanden 346xx, egal aus welcher Position auch immer, spielen sehe, muss er mir ein Bier und einen Schnaps ausgeben.

Jetzt sind wir also mit einer passablen Hand am Start und versuchen eine gute 8 oder eine bessere Hand zu machen. Wer weniger Karten gezogen hat, spielt eigentlich immer automatisch an, weil er ja mathematisch die bessere Hand hat. Aus diesem Grund checkt der Spieler mit dem schlechteren Draw auch immer zu seinem Gegner, der spielt automatisch an, und dann kann man ja immer noch raisen, wenn man sich stark verbessert hat. Von vorne spielt derjenige mit dem besseren Draw auch automatisch in den Gegner hinein. Wenn man sich ein wenig eingespielt hat, dann sind die meisten Situationen automatisiert. Oft wird sogar schon während dem Draw blind gecheckt und blind angespielt.

Dazu ein paar Beispiele: Wenn man aus dem Blind zwei gezogen hat, checkt man in den Einkartendraw und dieser spielt an. Hat man sich auf einen Einkartendraw verbessert, callt man und zieht wieder eine. Falls man sich auf Pat verbessert hat, dann sollte man check-raisen.

Aus dem Blind war man Pat und der Gegner hat gezogen. Autobet.

Beide ziehen zwei und wir verbessern uns auf einen Einkartendraw. Bet von vorne in den Gegner hinein.

Wie gesagt, der wahrscheinlich bessere bettet immer. Mit dem Gefühl, noch besser zu sein, erhöht man. Geblufft wird relativ wenig, weil es schwierig ist, den Gegner aufgrund seiner guten Odds aus dem Pot zu drängen.

Eine fertige 8h 5d 4h 3c 2s ist auf dem zweiten Draw schon so ein bis zwei Erhöhungen wert. So richtig pressen und immer erhöhen sollte man aber nur mit der besten oder zweitbesten Hand.

Auf dem letzten Draw ist es so, dass ein fertiger Jc xxxx die breakeven Hand ist. Deshalb bleibt man mit besseren Händen als einem Buben Pat. Andernfalls zieht man besser noch mal.

Nach dem letzten Draw ist der Pot schon sehr groß und man foldet nur, wenn man seinen Draw verfehlt hat und der Gegner schon Pat war. Haben beide eine gezogen, sollte man gute Hände anspielen und schlechte checken. Eine Th xxxx ist schon eine Valuebet wert, und wenn man ein Paar Fünfen gemacht hat oder schlechter, kann man bluffen. Bei allen anderen Händen macht man je nach Position mit einem Call oder Check/Call nichts falsch. 2c 2d xxx anzuspielen macht nicht viel Sinn, weil der Gegner mit besseren Händen callt und schlechtere wahrscheinlich foldet.

Eine Erhöhung kann man mit einer 8 oder besser, oder als Bluff mit einem Paar Sieben bis Straße probieren.

Zu dieser Standardstrategie kann man dann noch ab und zu einen Snow einstreuen, damit man nicht so leicht durchschaubar wird. Sonst weiß der Gegner ja, dass man sehr tight spielt. Snow bedeutet, man anders zieht als es mathematisch optimal ist. Die beste Voraussetzung für einen Snow ist, wenn man ein Paar Zweien oder Siebener hält, da dann die Wahrscheinlichkeit nicht so hoch ist, dass der Gegner ebenfalls eine Zwei oder Sieben hat. Dann zieht man einmal eine, bleibt gleich Pat und feuert durch. Funktioniert oft und selbst wenn man erwischt wird, ist es gut für das Image.

Bitte springt nach dieser einfachen Anleitung nicht sofort in die höchste Partie mit 1000/2000 Blinds, aber wenn ihr ein 2-7 Bracelet bei der WSOP holt, vergesst nicht, mich zur Party einzuladen.

Autor: George Danzer

Bild Quelle: PokerStars, Neil Stoddart, wsop.com,

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