Gute Vorsätze – 2017 das Jahr der Toleranz

„Good resolutions are simply cheques that men draw on a bank where they have no

account“. The picture of Dorian Gray – Oscar Wilde

schrageNeues Jahr, neue Vorsätze. Wer schlau und effizient sein möchte, wirft diese schnell und unauffällig über die Bordkante. Gute Vorsätze passen einfach schwerlich in Lebenskonzept eines Spielers. Einsicht ist keineswegs der erste Schritt zur Besserung. Einsicht hilft einem nur pragmatisch und schonend mit den eigenen Schwächen umzugehen.

Ganz ehrlich, manchmal beneide ich Menschen, die alles auf die Reihe kriegen. Deren Pläne immer zu funktionieren scheinen und die ihre Probleme lösen, bevor man sie überhaupt als solche ausmachen kann.

Bei mir ist es selbstverständlich umgekehrt. Pläne sind nicht mehr als unverbindliche Optionen und Probleme werden so lange ignoriert, bis sie mir laut schreiend im Genick sitzen.

Manchmal fühle ich mich ein wenig einsam. Pokerspieler scheint ein seriöser Beruf geworden zu sein. Seinerzeit musste man sich entscheiden, Preisboxer, Automatenaufsteller, Geldverleiher oder eben Spieler. Heute ist da manches ein wenig anders.

Kürzlich saß ich nächstens in einer Pokerrrunde am zurecht berüchtigten Wiener Gürtel. Zwei Albaner, ein nobler Perser, ein weniger nobler georgischer Jude, drei junge Türken und eine Chinesin, die gleichzeitig spielen, telefonieren und essen konnte, ohne die Zigarette aus dem Mundwinkel zu nehmen. Soweit, so normal – das ist der Charme, den ich suche und der mich aus meiner gemütlichen Enklave treibt.

Neben mir ein fremdes Gesicht. Jung, Nichtraucher, stilles Mineral ohne Eis-Trinker, I-Phone Stöpsel in beiden Ohren. Die Karten wurden unwillig, angewidert und dutzendfach in Serie entsorgt. Stahlbeton der härteren Marke “Supertight”. Mag es meine Pokerstars-Jacke gewesen, oder mein fälschlicherweise gezähmt wirkendes Äußeres, jedenfalls wollte er mir für einen Augenblick die Gnade seiner Aufmerksamkeit schenken. Selbstverständlich ungefragt und mit leicht hessisch angehauchtem Akzent: “Eigentlich bin ich Wien gekommen, um mein BWL-Studium abzuschließen, aber die Idioten bringen mir einfach zuviel Geld in die Kasse.”

Götz Schrage
Götz Schrage

„Eigentlich bin ich nach Wien gekommen, um BWL-Studenten zu verprügeln“ antwortete ich: „aber zu deinem Glück breche ich die meisten meiner Vorsätze“. Das lebende stille Mineralwasser hat mich dann auch nicht mehr angesprochen und das war auch besser so.

Bitte mich nicht falsch zu verstehen. Um von mir respektiert zu werden, braucht es keine fünf Gewaltdelikte im Vorstrafenregister. Drei reichen in der Regel auch. Mir geht es eher darum, mich abzugrenzen von den ganzen Pokertracker-Wichsern und I-Pod-Ignoranten. Wer Steuerberater werden will oder Bilanzbuchhalter muss nicht automatisch ein Versager sein, obwohl er gute Odds dafür hat. Nur mich als scheinbar Gleichgesinnten anzusprechen, bloss weil ich mir nach dem Klogang die Hände wasche, beleidigt mich zu tiefst. Und wer um drei in der Früh an meiner Seite ausharrt, gilt für mich als befreundeter Passagier dieser besonderen Nacht. Quasi fast wie Famile und ich mag es nicht besonders, wenn man meine Familie beleidigt.

Worum ging es eigenlich? Ach ja Pläne und Vorsätze. Ich habe mich gerade ein wenig in der Einleitung verplaudert. Passiert mir öfters, wenn ich mit dem Herzen schreibe und die Vernunft auf Pause schalte. Ich habe mir für 2017 eine Menge vorgenommen. Für mich das erklärte Jahr der Toleranz.

Wenn der Dealer ungern scrambelt, weil ihm die Ellbogen ein wenig weh tun. Egal, zum Schein ein bisschen in den Karten wühlen, dann ein Kurzzeit-Shuffle und eine Alibi-Box tut es auch. Mischen wird sowieso grandios überschätzt. Wozu gibt es 52 Karten, da bleibt genug an Variation. Und der Dealer, vielleicht aus religiösen Gründen, Angst vor parallelen Boards hat. Für mich kein Problem, ein Windschiefes tut es selbstverständlich auch. Hauptsache die Jetons sind schmutzig und das Hemd bleibt ungebügelt.

Besonders in mein Herz schließen werde ich für 2017 den „Eigentlich-Floorman“.

HGP Pokerkonzession Goetz SchrageDen kennen Sie sicher auch. Den gibt es auf der ganzen Welt, und wie es scheint, gibt es immer mehr davon. Wenn man etwas nicht weiß, ist es eine Sache, wenn man regelkundig und eloquent in der Begründung das Richtige wüsste, sich aber mit einem „Eigentlich wäre die Hand jetzt tot, aber…“ aus der Affäre zieht, gehört das für mich eigentlich zu den unangenehmsten Floorman-Eigenschaften. Ab jetzt werde ich solche Entscheidungen als innovativ und angemessen betrachten. Warum das Richtige tun und wohlmöglich Staub aufwirbeln, wenn sich die Sache auch gemütlich regeln lässt.

Ganz anders wird mein Umgang mit den Casino-Kellnern. Das ist quasi der Kernsache des Konzeptes „Götz Neu 2017“. Kein Problem für mich, am besten weiterhin gut verstecken, wenn ich komme und mich bloß nicht freundlich nach meiner Bestellung fragen. Wenn es sich absolut nicht vermeiden lässt, kann man mich ja immer noch bedienen, um mir dann selbstverständlich doch das Falsche zu bringen. Ein versuchter Kleinbetrug beim Bezahlen zu meinen Lasten macht dann alles wieder gut.

Und zuletzt möchte ich alle zukünftigen Nachbarn ermuntern, ich weiß es dient der Seelenhygiene und lindert den Schmerz. Ja ich will alles wissen, welche Karten ihr weggeschmissen habt und was ihr getroffen hätte und warum ihr dann doch nicht – oder eben doch – bezahlt, bzw. nicht bezahlt habt. Schließlich ist das ein weiterer entscheidender Teil meiner guten Vorsätze für das neue Jahr.

Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass ich mir ziemlich schwer tue in der Umsetzung meiner ehrenhaften Ideen? Ich meine, nette Menschen gibt es doch schon genug. Vielleicht verschiebe ich das gleich einmal wieder mit den guten Vorsätzen. Zumindest mal um ein paar Jahre oder besser noch für immer. An einem guten Vorsatz werde ich aber ganz sicher und ab sofort festhalten. Keine guten Vorsätze mehr. – Außer vielleicht ganz ausnahmsweise. Prosit 2017!

Autor: Götz Schrage

 

 

 

 

 

Ein Kommentar zu “Gute Vorsätze – 2017 das Jahr der Toleranz

  1. Mann Mann Mann ein Mega coller Artikel zu den Neujahrs-Vorsätzen 😉👍👍👍 ich feier sowas 😂

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich Hochgepokert.com vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.

Einen Kommentar schreiben