Langsame Dealer, schnelle Spieler – Frank Koopmann auf Besuch in Baden-Baden

Anfang November spielte Frank Koopmann (Bild) die Baden-Württembergischen Landesmeisterschaft im Casino Baden-Baden. Wie gut es ihm dort gefallen hat, erzählt er euch in den folgenden Zeilen:

Frohen Mutes machte ich mich Anfang November auf in das Casino Baden-Baden, um an der Baden-Württembergischen Landesmeisterschaft im Poker teilzunehmen. Als ich das Casino betrat, war ich vom Ambiente begeistert. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass das Casino Baden-Baden das mit Abstand schönste Casino ist, das ich jemals betreten habe.  Ausgesprochen stilvoll, schlicht sensationell.

Meine Begeisterung sollte aber nicht lange anhalten. Zunächst war es im Turniersaal so düster, dass ich wirklich Mühe hatte, meine Karten zu erkennen, was allerdings den Vorteil hatte, dass auch niemand hinter mir meine Karten sehen konnte. Doch die wahre Katastrophe waren die Dealer. Abgesehen von ein paar jungen, die extrem unerfahren waren, dealten in Baden-Baden vor allem Croupiers der ganz alten Garde. Diese hatten vor Jahren in der HoChblüte der Casinos zwischen 10.000 und 20.000 Mark verdient und müssen nun plötzlich mit einem 1.500 Euro Job auskommen und die letzten paar Jahre bis zur Rente auf einem Abstellgleis verbringen. Dementsprechend motiviert gehen die dann auch zu Werke.

Man merkt einfach, dass sie das Turnier so schnell wir möglich durchpeitschen wollen. Teilweise erinnerten sie in ihrer Eile fast an Jahrmarktssprecher. Ein Beispiel: Ich raise einen Spieler auf 1800 und nachdem dieser ganze drei Sekunden nachgedacht hatte, wandte sich die Dealerin an ihn: „1800 bis zu Ihnen mein Herr“ Er erwiderte: „Ich weiß, ich überlege gerade.“ Darauf sie wieder mit hochgezogenen Augenbrauen: „1800 bis zu Ihnen mein Herr, bringen Sie den Einsatz?“. Das war natürlich kein Einzelfall.  Kurze Zeit später wurde es noch absurder: Ein Spieler setzte mich All In und ich stand somit vor einer doch recht wichtigen Entscheidung, von der immerhin mein Turnierleben abhing. Ich bin ja nun keiner der lange überlegt und da sagt sie doch glatt nach ca. 30 sec „Time!“ ! Ich sag „Dürfen Sie denn als Dealerin überhaupt Time annoncieren ?“ Dealerin „Floorman !!!“ Also genauso in der Reihenfolge – ohne Antwort und Erklärung. „Wenn Sie Probleme haben, dann fragen wir halt den Floorman“. Ich :“Nein nein, ich hab keine Probleme, mich wundert das nur – normalerweise verlangt doch ein Mitspieler nach Time und nicht der Dealer“ Während Sie sich noch die Uhr zurechtlegt hab ich mich dann auch schon entschieden. Ich habe mich dann aber dem Zeitdruck gebeugt und mich relativ zügig aus dem Turnier verabschiedet.

Beim Cash Game wurde es dann richtig lustig und ich fühlte mich an die ganz alten Zeiten in deutschen Casinos zurückversetzt. Die Dealer übersahen praktisch ständig die Winninghands und schoben den falschen Spielern den Pot zu. Doch am besten war die Raketabelle. Während alle anderen Casinos ihren Rake gesenkt haben, wurde der in Baden-Baden nämlich erhöht. Doch das wirklich Witzige daran sind die Schritte. Bei einem Pot ab 200 Euro zahlt man zum Beispiel 10 Euro und ab 400 Euro dann 20 Euro, immer 5 Prozent bis maximal 50 Euro. Wir Spieler haben sogar angefangen herum zu scherzen, ob es nicht klüger wäre, die Pots bei 390 Euro zu halten und so Geld zu sparen. Besonders nervig am Raken dort ist, dass manche Dealer am Ende jeder Hand anfangen, die Chips in kleinen Türmchen auzubauen, um sie besser zählen zu können. Jeden einzelnen Euro… Und als ob das alleine noch nicht lange genug dauern würde, sind sie dabei alles andere als flink. Im Schnitt habe ich dort wohl ungefähr acht Hände pro Stunde gespielt. Besonders wenn man in Brand ist, kann einen das fast in den Wahnsinn treiben… Doch nicht nur mich hat das gestört, auch ein bekannter, deutscher Pokerspieler war ordentlich am Tilten und hat den Dealern versprochen, sie via seinem Blog berühmt zu machen. Auch Bobby G saß am Tisch war ausgesprochen unzufrieden. Vor allem da er kurze Zeit vorher noch in Stuttgart gespielt hatte und dort der Rake bei maximal 20 Euro begrenzt war. Da beide Casinos eigentlich zusammen gehören, sollte man meinen, dass er auch in Baden-Baden niedriger sein müsste. Als er dies den Dealer dort mitteilte, erfuhren wir, dass der Rake erst vor wenigen Wochen erhöht worden ist und Baden-Baden somit das teuerste Casino in Deutschland ist.

Baden-Baden ist für mich einfach ein weiteres Beispiel dafür, wie stiefmütteRlich Poker von den Spielbanken teileweise behandelt wird. Das Schlimme ist ja: Man könnte daraus wirklich was machen. Das Casino ist so schön und so groß, dass man dort unglaubliche Turniere aufziehen könnte. Doch nichts passiert, das ist Wahnsinn. Vor allem hätten die sogar einen eigenen Flughafen und Hotels ohne Ende. Seit Jahren kommen die richtig reichen Russen alle nach Baden-Baden, schließlich lesen sie in der Schule alle „Der Spieler“ von Fjodor Dostojewski und wollen nun Roulettenburg mit eigenen Augen sehen. Auch wenn das ein gutes Buch ist, sieht mich das Casino Baden-Baden so schnell nicht mehr wieder…

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