Leon Tsoukernik wird zornig – Cash Kings – Der Missdeal und die Drohung des Chirurgen

„First time in my life I got aces and you fuck up the game!“

Menschen machen Fehler und Dealer machen noch ein paar Fehler mehr. Jeder, der mal in einem Casino gearbeitet hat kennt das. Ein ruhiger Tisch, alles geht seinen gewohnten Gang. Dann fällt eine scheinbar harmlose Karte anders, als sie fallen sollte, wird zu früh, oder wahlweise zu spät geöffnet, oder sonst geschieht etwas, was so nicht geschehen sollte und der Sturm der Entrüstung bricht aus und weht alles weg, was nicht rechtzeitig an der Bar ist. Besonders brisant und für den unbeteiligten Zuseher amüsant in der Kombination, Casino-Boss als Opfer und desperater Dealer als vermeintlicher Täter. Da können die Hände schon schnell mal ein wenig feucht werden. Da droht ungeliebte „Einser-Schicht“ auf Lebenszeit und nur zu Weihnachten und Neujahr gibt’s den Nachtdienst als Zugabe obendrauf.

Leo Tsoukernik ist Manager und Besitzer des Kings Casinos. Mit seiner seriösen und grundsätzlich ruhigen Ausstrahlung würde man ihm auch sofort den medizinischer Leiter der neurochirurgischen Abteilung der Universitätsklinik Kaliningrad abnehmen (und vielleicht ist er das auch in seiner kargen Freizeit). Leon Tsoukernik spielt auch gerne und wenn es die Gäste wollen – und die wollen es – wird auch gepokert. Im Rahmen dieses wie immer höchst amüsanten „Cash Kings“ Wochenende passierte allerdings Folgendes. Jan Peter Jachtmann, Oberboss des besten Pokerblatts aller Zeiten, verließ für einen kurzen Moment den Tisch. Ob er einen Cocktail holen, oder die hochgradig hübschen Cocktailmädchen aus der Nähe betrachten wollte, ist nicht überliefert. Fix ist Jan Peter Jachtmann hatte den Button und jeder der den „Hamburger Jung“ nur ein klein wenig kennt weiß, der Button wird gespielt auch wenn er dafür die nur mit einem nassen T Shirt bekleidete Miss World vom Schoß schubsen müsste.

Jetzt nahm das Verhängnis seinen bitteren Kartenverlauf. Der Dealer tat grundsätzlich das, wofür er hoffentlich gut bezahlt wird, allerdings mit einer Einschränkung. Keine Karten für Jan Peter am Button. Die verbriefte Bestellung wurde ignoriert. Aus den Augen, aus dem Dealersinn. Kings-Boss Leon Tsoukernik durfte sich (kurzfristig) über die Asse freuen. Ein listiges limpen in früher Position wohl in der Hoffnung, den ganzen Tisch – und wenn es irgendwie möglich wäre die ganze Welt – mit einem Checkraise in die Falle zu locken. Ob der Plan aufgegangen wäre, wir werden es nie erfahren, weil just in dem Moment kam die Reklamation. „Wieso habe ich keine Karten? Ich habe es extra gesagt. Noch dazu am Button“. Große Aufregung, weitere Reklamation und irgendwann war er dann da der GKU (größtmögliche Karten Unfall). Die Austeilung wurde für null und nichtig erklärt, die Hände wurden eingezogen und Leon Tsoukernik wurde zum „Leon Zornig“. Die Annahme weitere Karten wurde (kurzfristig) verweigert. Dafür gibt es ein neues Juwel für unseren Hochgepokert.com Zitatenschatz: „First time in my life I got aces and you fuck up the game“.

„Seat open“, „Seat open“ – in meiner Karriere habe ich in solchen Situationen schon oft vitale Tische brechen sehen, nach so kleinen Turbulenzen. Und wenn ich den Blick von Leon Tsoukernik richtig interpretiere, wird aus dem unglücklichen Dealer auch kein großer Floorman mehr im Kings Casino. Jan Peter Jachtmann hingegen wird ganz sicher wieder eingeladen. Grundsätzlich absolut im Recht und unschuldig in die Rolle des Assen-Vernichters gedrängt. Abgesehen davon, dass man Pocket Rockets auch mal verlieren kann (mir ist das zuletzt 1997 in St.Pölten passiert) werden sich die Wogen glätten und was gestern noch wie die große Katastrophe erschien, mutiert zu einer der kleinen netten Pokergeschichten, die uns noch lange amüsieren werden. Apropos „Pokergeschichte“ und „Neurochirurg“, da fällt mir doch noch ein netter Abschluss ein. In den 90er Jahren spielte ich an den höchsten Tischen Wiens regelmäßig mit einem Unfallchirurgen. An und für sich ein ruhiger und kultivierter Mensch, der aber bezüglich des Kartenpersonals höchst emotional reagieren konnte. Diesem Chirurgen allerdings verdankt die Pokerwelt eine der amüsantesten und bemerkenswertesten Drohungen. Zwischen zusammengebissen Zähnen und gerade laut genug im Vortrag, dass man es als interessierter Zuhörer gerade noch verstehen konnte: „Du solltest auch immer ein kleines Schild um Hals tragen mit dem Aufdruck: „Egal in welchem Zustand, bitte niemals ins Krankenhaus Xxxxxxx einliefern“. Weil wenn du Seuchenvogel hilflos vor mir auf dem Tisch liegst, weiß ich nicht, ob ich den hippokratischen Eid nicht kurzfristig vergesse.“

Selbstverständlich war das nur ein Scherz und ebenso selbstverständlich hat sich Jan Peter Jachtmann quasi in der Minute wieder zurück an den Pokertisch gesetzt. Weiters ist Leon Tsoukernik bald wieder eingefallen, dass es doch nicht zum allerersten Mal die Asse bekommen hatte und am Ende war Friede und Freude zurückgekehrt. Nur Eierkuchen gab es keinen, dafür wurde der reichhaltige Weinkeller wieder aufs Neue geplündert. Mir persönlich hat die ganze Show wieder exzellent gefallen. Ich liebe das Format „Cash Kings“ weil es so wunderbar trashig und authentisch ist. Der Tabletalk ist immer spannend anzuhören und wenn mein Freund Christoph Haller dabei noch gewinnt ist das Ganze ein gelungenes Event. – In diesem Sinne hoffen wir Fans der Show auf mehr und auf mehr Sprüche sowieso. Irgendwann gibt es dann hoffentlich die Kings Sprüche T Shirt Kollektion. Da melde ich mich dann gleich mal für: „First time in my life I got aces and you fuck up the game!“ in XXLarge bitte. Vielen Dank.

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