Eddy Scharf: „Die WSOP hat sich ungünstig entwickelt!“


Obwohl Eddy Scharf die WSOP 2011 im Gegensatz zu Phil Ivey nicht boykottiert, schmeckt dem lustigen Kölner die Suppe der Pokerweltmeisterschaft nicht mehr so wie früher: „ Es ist nicht mehr so, wie es einmal war, aber ich komme trotzdem noch hierher. Vor zehn Jahren zahlte man noch 10.000 Dollar und das gesamte Geld floss an die Spieler zurück. Mittlerweile gehen 6 % an die Veranstalter und ich stehe unter der Diktatur von ESPN!“

Der 57-jährige Eddy Scharf gibt selbst an, dass er nach Las Vegas komme, um in irgendeiner Form bei einem Turnier zu cashen: „Bis 2008 war ich noch als Pilot tätig, jetzt spiele ich Poker nur noch zum Spaß. Ich bereite mich auch nicht mehr auf die Events vor, da ich den Aufenthalt in Las Vegas als Urlaub ansehe.“

Eddy Scharf, welcher nach Matthias Rohnacher (1997 im $2.500 PLO) der zweite deutsche Braceletträger war, saß damals mit dem späteren Weltmeister Greg Raymer zweitweise an einem Tisch: „In den Jahren 2001 und 2003 konnte ich zwei Armbänder gewinnen, aber die stolze Summe von $275.000 für meinen 15. Platz im Main Event 2004 war definitiv mehr Geld. Natürlich willst du auch immer noch weiter kommen! Zwei Wochen nach dem Turnier konnte ich immer noch nicht richtig schlafen, denn die $275.000 waren im Vergleich zu den 5 Millionen, die Greg Raymer gewann, auf einmal doch nicht mehr so viel!“

Während viele von einer Top 15 Platzierung im Main Event nur träumen können, beschreibt Eddy weiter die spezielle Ansicht eines Spielers, dem Erfolg zwar geschmeckt hat, jedoch auch sauer aufgestoßen ist: „Im Main Event gibt es einfach zu viele Leute, sodass man selbst das Glück auf seiner Seite haben muss, um weit zu kommen! Selbst wenn du es ins Geld schaffst, gibt es da immer noch das Gefühl, ein Verlierer zu sein, sofern man nicht alles gewinnt!“

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Seit 2004 musste der charmante Ex-Pilot immer wieder Anpassungen sowohl an die vermehrte TV-Präsenz als auch an eine neue Generation von Spielern machen: „Die jungen Kids fahren einen wesentlich aggressiveren Stil. Sie wissen zwar, was sie tun, jedoch haben sie keinen Respekt für das Spiel! Das Motto: Wie gewonnen, so zeronnen!“

Seine Anicht spiegelt in gewisser Weise auch Phil Iveys Meinung gegenüber Online-Poker wider: „Wir sollten eigentlich etwas zurückbekommen, aber dies ist leider nicht so. Der einfache Grund liegt darin, dass wir Spieler nicht gemeinschaftlich organisiert sind. Jeder ist sich selbst der Nächste und verfolgt eigene Absichten! Mir persönlich ist der Wettkampfgedanke völlig egal. Wenn ich viel gewinne und keine Lust mehr habe zu spielen, dann mache ich einfach Urlaub!“

Nostalgisch nachtrauernd blickt Eddy, der schon seit 1975 nach Las Vegas kommt, auf die gute alte Zeit der WSOP zurück: „Früher kannte ich hier immer 30 bis 40 Leute, aber heutzutage kenne ich niemanden! Im Binion’s haben sie damals sehr viel für uns Spieler gemacht. Hier im Rio passiert gar nichts. Eigentlich könnte man vermuten, dass die TV-Berichterstattung den Pokerspielern einiges an Mehrwert bringt, jedoch erkenne ich davon nichts! Als ich im Jahr 2001 mein Bracelet gewann, bekam ich ein Jahr später ein gratis Hotelzimmer! Mittlerweile erhält man lediglich einen Essensgutschein im Wert von 10 Dollar, wenn man sich für ein 5.000 Dollar Turnier einkauft!“

Legendär war Eddys Interview mit Erich „Vollmann“ Kollmann und Henning Pohl (ab 8min 50sec) nach dem Erreichen des 4. Platzes beim $2.500 NLH 6-Max Event bei der letztjährigen WSOP

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