Helmut Süßenbacher lebt nicht mehr – Eine Würdigung – Zweifelsfrei die „Numero Uno“

„I´ll never get out of this world alive“  – Hank Williams

Schlimm genug, wenn ein Mensch stirbt. Wenn eine Legende nicht mehr da ist, wo sie sein sollte, nämlich hier bei und unter uns, ist das noch viel trauriger. Helmut Süßenbacher war so eine Legende. Definitiv einer von uns! Ein Pokerspieler vor dem Herren und da ist er jetzt auch beim großen Floorman da oben. Helmut Süßenbacher war auch einer von denen, die niemals auf den fahrenden Zug aufspringen mussten, weil sie selbst die Lokomotive waren. Poker war nirgendwo im Österreich der 80er Jahre, wenn man von ein paar jugoslawisch dominierten Cafehäusern absieht. Helmut Süßenbacher war jedenfalls schon da und die verdienstvollen Casinos Austria an seiner Seite. Alle die dabei waren erinnern sich an die frühen 7 Card Stud Europameisterschaften und sie erinnern sich gerne. 

Ob der Titel „Pokerweltmeister“ nun in Anführungsstriche gesetzt gehört oder nicht, darüber mögen die Pokerhistoriker streiten. Die Inthronisation zum Nachtklubkönig war historisch zweifelsfrei belegt und über die von Journalisten gerne verwendete Phrase von der „schillerndsten Figur der Rotlichtszene“ hat der Süßenbacher bestenfalls zustimmend gelächelt. Ich erinnere mich da gerne an eine Szene im alten Euro Card Casino. An der Seite von den heutigen Montesino-Bossen Otto Göschl und Gerald Riener durfte ich den Manager geben. Damals war gerade großer Wirbel im Milieu und Helmut Süßenbacher in entsprechenden juristischen Turbulenzen, was ihn aber selbstverständlich nicht daran hinderte, uns zu besuchen. Gespielt wurde eine hohe Seven Card Stud Partie, ein junger nervöser Dealer im Dienst, der viel gehört hatte, von dem selbstverständlich so gut wie nichts wahr war. Antes, force bet und ein „complete“ von Süßenbacher. Ungewöhnlicherweise folden auch tatsächlich alle. Im Pot somit nach heutigem Geld gerade mal an die zweihundert Euro. Der junge Dealer nimmt die Chips und will sie ordnungsgemäß zustellen, wird aber von einem strengen Stimme mit dem charakteristischen Kärntner Akzent unterbrochen: „Was tust du da?“. „Sie haben gewonnen, ich stelle den Pot zu.“ Süßenbacher scheinbar verärgert: „Das soll ein Pot sein? Sehe ich so aus, als ob ich dieses Geld brauche?“. Der Dealer sichtlich noch nervöser: „Ich stelle nur den Pot zu. Sie haben doch gewonnen.“ Süßenbacher wiederum: „Das war nicht meine Frage. Ich will von dir wissen, ob du persönlich der Meinung bist, dass ich jemand bin, der diesen Pot jetzt unbedingt braucht?“ – Und gerade, als ich helfend einspringen wollte setzte Süßenbacher ein lächelndes: „Ist schon gut mein Junge“ hinterher und schob persönlich alle Chips in das Chiptray des Dealers. Quasi 100% potsize als Trinkgeld. Im Fachjargon „Dealerpot“ genannt und den gab es in dieser Nacht noch öfters für das Personal, weil er sehr großzügig sein konnte der Herr Süßenbacher. 

Die zweite Anekdote, die ich schon als selbsternannter Pokerchronist erzählen möchte handelt bei der bereits erwähnten „Europa-Meisterschaft 7 Card Stud“. Von der Casino Austria veranstaltet und über mehr als ein Jahrzehnt das mit Abstand größte und höchstdotierte Pokerturnier Europas. Heutzutage unvorstellbar von der Struktur, aber seinerzeit bis in die 90er Jahre hinein quasi ganz normal. Grundsätzlich gab es mal ein Buy in von umgerechnet €2000. Damit war man berechtigt an den Qualifikationstagen Cashgame zu spielen. Klingt unglaublich zugegeben, war aber so. Das kleinste Limit hatte ein Buy-in von zirka €600, aber es gab auch große Tische und am größten von allen selbstverständlich Helmut Süßenbacher. Um sich für das „Finale“ zu qualifizieren musste man am Cashgame-Tisch so viele Pots wie möglich gewinnen. Die beiden „Tisch-Sieger“ waren qualifiziert für das Finale. Wobei es keine Rolle spielte, ob man nun im Minus war, oder ordentlich im Plus. Jeder Turnierspieler, wenn man von „Turnierspieler“ schreiben darf, hatte eine Art Karteikärtchen und jeder gewonnen Pot wurde vom Dealer notiert. Ein junger Brite mit indischem Akzent schien das Kleingedruckte nicht wirklich gelesen zu haben und mokierte sich am laufenden Band darüber, dass ihm das Finale wohl verwehrt bleiben würde mit seinem staubtrockenen Spielstil zwar im Plus, aber gegen Süßenbacher mit vierundzwanzig gewonnen Pots ohne jede Chance. Zugegeben der „Pokerweltmeister“ war den Gegenwert eines luxuriösen Mittelklassewagen im Minus (wenn man beim Autohändler geschickt verhandelt), aber das schien ihn nicht zu irritieren. Irgendwann kam dann der sogenannte Saalchef herbei geeilt, um den indischen Briten zu beruhigen, der sich partout nicht dem ausgeschriebenen Turnierschema beugen wollte. Leider ohne großen Erfolg und irgendwann wurde es dem Süßenbacher zu bunt und in einem Kauderwelsch aus einigem Deutsch, wenig Englisch, viel Kärntnerisch und einem italienischen da capo sagte er Folgendes: „Du verstehst nicht. This is not das Geld. This is Poker. Und look hier…“ umständlich nahm er dem Dealer das Karteikärtchen weg und wiederholte: „Look hier mein Freund. Süßenbacher  Numero Uno!“.

Und damit möchte ich diesen Versuch einer Würdigung auch schließen. Mit Helmut Süßenbacher ist tatsächlich eine „Numero Uno“ gestorben. Jemand, der viel beigetragen hat dazu, dass Poker in Österreich so ist, wie es heute ist. Eine dieser spannenden Gestalten, denen wir alle dankbar sein sollten, weil es eben diese spannenden Gestalten sind, die uns unser liebstes aller Kartenspiele erst ermöglicht haben. Als Kärntner war das Casino Velden natürlich ein wichtiger Bezug für ihn und Helmut Süßenbacher wiederum ein wichtiger Gast. Ich weiß, dass er dort viele Freunde hat und ich weiß, dass es dort viele gibt, die sein Andenken ehren werden. Ich glaube kaum, dass sich die Verantwortlichen um Pokermanager Gerald Golker viele Gedanken um einen Vorschlag eines kleinen Wiener Pokerkolumnisten wie ich einer bin, machen werden. – Allerdings am 14.Juli startet die CAPT Velden. Vielleicht finden sich ein paar Spieler mehr und intervenieren bei den wichtigen Leuten dort. Es müsste sich doch ein Raum, oder sonst ein Plätzchen finden lassen. Es muss ja nicht gleich ein ganzer Flügel sein, den man nach ihm benennt. Jedenfalls hätte sich Helmut Süßenbacher dieses Andenken im Casino allemal verdient. Und gefreut hätte es ihn auch. – Da bin ich mir ganz sicher.

Götz Schrage .

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