
Beim Finaltisch des WSOP Main Events 2026 erhalten die Spieler wieder unbegrenzt Zeit für ihre Entscheidungen. Nachdem die World Series of Poker während des laufenden Turniers erstmals eine Shot Clock eingeführt hatte, nehmen die Verantwortlichen diese Regelung für die Entscheidung um den Weltmeistertitel zurück.
Das $10.000 No-Limit Hold’em Main Event war in seiner 57-jährigen Geschichte zuvor noch nie mit einer festen Bedenkzeit gespielt worden. Auch zu Beginn der diesjährigen Ausgabe gab es keine zeitliche Begrenzung. Das änderte sich nach einer umstrittenen Hand an Tag 6: Loren Klein ließ sich rund 15 Minuten Zeit, während er auf einen weiteren Preisgeldsprung hoffte.
Die WSOP reagierte darauf und setzte ab Tag 7 eine Shot Clock beziehungsweise Action Clock ein. Die Regelung blieb auch an den Tagen 7 und 8 bestehen, bis das Teilnehmerfeld auf die letzten neun Spieler reduziert war. Dass die Anpassung mitten im wichtigsten Pokerturnier des Jahres erfolgte, sorgte innerhalb der Community für deutliche Kritik.
WSOP beruft sich auf das offizielle Regelwerk
Regeltechnisch war die Einführung jedoch gedeckt. In Abschnitt 80 der offiziellen WSOP-Turnierregeln wird dem Veranstalter das Recht eingeräumt, nach eigenem Ermessen zu jedem Zeitpunkt eines Turniers eine für das gesamte Event geltende Shot Clock einzuführen.
Nach Gesprächen mit den verbliebenen Spielern und dem Turnierpersonal entschieden sich die Verantwortlichen nun allerdings gegen eine Fortsetzung am Finaltisch. Die neun Finalisten müssen ihre Entscheidungen damit grundsätzlich nicht innerhalb einer vorgegebenen Zeit treffen.
Vollständig ausgeschlossen ist eine zeitliche Begrenzung dennoch nicht. Spieler dürfen weiterhin die Clock verlangen, wenn ein Gegner ihrer Ansicht nach unangemessen lange für eine Aktion benötigt. Auch die Turnierleitung kann eingreifen, möchte davon nach eigenen Angaben jedoch nur in Ausnahmefällen und unter Wahrung ihrer Neutralität Gebrauch machen.
Sollten wiederholte oder besonders starke Verzögerungen den Spielfluss beeinträchtigen, behält sich die WSOP außerdem vor, die Shot Clock doch noch einzuführen. Ziel sei es, den Spielern eine möglichst natürliche Turnierumgebung zu bieten und ihnen bei den wichtigsten Entscheidungen des Events ausreichend Bedenkzeit zu lassen.
Weniger Anreiz zum Verzögern am Finaltisch
Shot Clocks sollen vor allem taktisches Verzögern verhindern. Dieses sogenannte Stalling tritt besonders häufig auf, wenn noch an mehreren Tischen gespielt wird und ein Preisgeldsprung unmittelbar bevorsteht. Ein Spieler kann in einer solchen Situation versuchen, möglichst wenig Hände zu spielen, während er darauf hofft, dass an einem anderen Tisch ein Teilnehmer ausscheidet.
An einem einzigen Finaltisch fällt dieser Anreiz weitgehend weg. Solange ein Spieler selbst an der Reihe ist, kann die Hand nicht fortgesetzt werden und kein anderer Teilnehmer ausscheiden. Dennoch behalten andere große Turnierserien ihre Zeitbegrenzungen üblicherweise bis zum Ende bei. Sowohl die European Poker Tour als auch die PokerGO Tour spielen ihre Finaltische mit Shot Clocks.
Eine feste Bedenkzeit kann für die Spieler gerade bei einem derart bedeutenden Finale problematisch werden. Wer bereits zu Beginn mehrfach schwierige Entscheidungen treffen muss, verbraucht möglicherweise früh seine zusätzlichen Time-Bank-Karten. In späteren Situationen, in denen deutlich größere Geldbeträge auf dem Spiel stehen, fehlt dann unter Umständen die notwendige zusätzliche Zeit.
Beim WSOP Main Event geht es um $10 Millionen für den Sieger. Auch auf dem Weg zum Titel warten Preisgeldsprünge in sechs- und siebenstelliger Höhe. Die Entscheidung, den Finalisten für solche Situationen mehr Zeit zu geben, ist deshalb zumindest nachvollziehbar.
Mehr Raum für Dramatik bei der ESPN-Übertragung
Offiziell begründete die WSOP ihre Entscheidung ausschließlich mit den sportlichen Rahmenbedingungen. Dennoch könnte auch die Fernsehübertragung eine Rolle spielen. Erstmals seit der Trennung im Jahr 2021 wird das Main Event wieder bei ESPN gezeigt.
Die WSOP möchte mit der Rückkehr offenbar wieder ein breiteres Publikum erreichen, nachdem Pokerübertragungen in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Nischenprodukt geworden sind. Gerade am Finaltisch entsteht ein großer Teil der Spannung durch schwierige Entscheidungen, bei denen Millionenbeträge auf dem Spiel stehen. Eine Shot Clock von beispielsweise 30 Sekunden kann diese Momente deutlich verkürzen.
Finaltisch vom 3. bis 5. August in Las Vegas
Die neun Finalisten kehren vom 3. bis 5. August ins Horseshoe Las Vegas zurück, um den neuen Weltmeister auszuspielen. Alle verbliebenen Teilnehmer haben bereits mindestens $1.000.000 sicher.
Angeführt wird der Finaltisch vom erst 22 Jahre alten Lucas Jumalon, der 194.000.000 Chips mitbringt. Dahinter folgen Rami Hammoud und Jamie Shaevel. Zu den erfolgreichsten noch vertretenen Spielern zählen der Kanadier Greg Mueller mit drei WSOP-Bracelets und der US-Amerikaner Michael Gagliano mit vier Bracelets.
Am Ende wartet auf den neuen Main-Event-Champion neben dem prestigeträchtigsten Titel im Turnierpoker ein Preisgeld von $10.000.000. Für die Entscheidungen auf dem Weg dorthin setzt die WSOP zunächst wieder auf das Urteilsvermögen der Spieler und der Turnierleitung – und nicht auf eine permanent mitlaufende Uhr.









