
Das illegale Glücksspiel in Österreich erreicht laut einer neuen Analyse ein erhebliches wirtschaftliches Ausmaß. Einer aktuellen Erhebung zufolge soll der nicht lizenzierte Markt ein Volumen von bis zu einer halben Milliarde Euro haben. Damit entfällt ein Großteil der Glücksspielnachfrage auf Angebote außerhalb des staatlich regulierten Systems.
Die Untersuchung sorgt branchenweit für Aufmerksamkeit und hat eine erneute Debatte über Regulierung, Spielerschutz und Wettbewerb ausgelöst.
Regulus-Analyse sieht Schwarzmarkt dominieren
Die Studie stammt vom internationalen Beratungsunternehmen Regulus Partners und wurde im Auftrag des Sportwettenanbieters Tipico erstellt. Demnach liegt das Volumen des illegalen Glücksspielmarkts in Österreich zwischen 435 und 616 Millionen Euro. In der oberen Schätzung entspricht das bis zu 71 Prozent des gesamten Marktes.
Nach Einschätzung der Studienautoren kann das bestehende Glücksspielmonopol lediglich zwischen 29 und 37 Prozent der Nachfrage binden. Der verbleibende Anteil entfällt auf Anbieter mit ausländischer EU-Lizenz sowie auf vollständig unregulierte Plattformen.
Monopol und Steuerlast als Treiber genannt
Als Gründe für den hohen Schwarzmarktanteil nennt die Analyse vor allem die monopolistische Struktur des österreichischen Glücksspielmarkts und die vergleichsweise hohe steuerliche Belastung. Diese Faktoren führten dazu, dass Spieler auf alternative Angebote ausweichen.
Regulus geht davon aus, dass der Anteil des illegalen Marktes künftig weiter steigen könnte, sofern sich an den regulatorischen Rahmenbedingungen nichts ändert.
Branche warnt vor fehlendem Spielerschutz
Auch aus der Branche kommen deutliche Warnungen. Monika Racek, Managerin bei Admiral Casinos und Branchensprecherin, verweist darauf, dass nach aktuellen Schätzungen mehr als die Hälfte der Spieler im unregulierten Markt aktiv sei. Ein wirksamer Spielerschutz könne jedoch nur innerhalb eines regulierten Umfelds gewährleistet werden.
Damit rückt neben fiskalischen Fragen auch der Schutz der Spieler erneut in den Fokus der Diskussion.
Regierung setzt auf Sperrmaßnahmen
Die österreichische Bundesregierung plant, den illegalen Markt unter anderem durch IP-Blocking und Zahlungsblockaden einzudämmen. Solche Maßnahmen sollen den Zugang zu nicht lizenzierten Webseiten sowie Geldflüsse zu diesen Anbietern unterbinden.
Kritik kommt unter anderem vom Anbieter Lottoland. Dort wird argumentiert, dass solche Sperren international betrachtet nur begrenzte Wirkung zeigen und vor allem Anbieter mit EU-Lizenzen treffen würden, während vollständig unregulierte Plattformen weniger betroffen seien.
Diskussion über Marktöffnung hält an
Parallel dazu wird erneut über eine Öffnung des Marktes mit zusätzlichen Lizenzen diskutiert. Befürworter sehen darin die Möglichkeit, mehr Spieler in den regulierten Bereich zu lenken und gleichzeitig höhere Steuereinnahmen zu erzielen.
Lottoland geht davon aus, dass bei einem Festhalten am Monopol und konsequentem Blocking Anbieter mit ausländischer Lizenz bis 2030 vom österreichischen Markt verschwinden könnten. In diesem Szenario würden auch deren Steuerzahlungen wegfallen, während Spieler verstärkt auf Anbieter außerhalb Europas ausweichen könnten.
Abweichende Einschätzung von Casinos Austria
Der Monopolist Casinos Austria bewertet die Lage anders. Das Unternehmen geht von einem deutlich geringeren Schwarzmarktanteil aus und sieht die Plattform Win2Day bei der Kanalisierung von über 50 Prozent der Nachfrage.
Regulus weist jedoch darauf hin, dass die Erfassung illegaler Märkte naturgemäß schwierig ist. Die Schätzungen basieren laut Studie auf Ausgabenniveaus, Internetverkehrsanalysen, internationalen Vergleichswerten und Kanalisierungsraten in anderen Monopolmärkten.
FAQ
Die Schätzung liegt zwischen 435 und 616 Millionen Euro.
Das Beratungsunternehmen Regulus im Auftrag von Tipico.
Bis zu 71 Prozent des gesamten Glücksspielmarkts.
Das staatliche Monopol und eine hohe Steuerlast.
IP-Blocking und Sperren von Zahlungswegen.
Es gilt international als nur begrenzt wirksam.
Mehr Lizenzen zur besseren Kanalisierung und höherem Spielerschutz.
Ja, Casinos Austria geht von einem deutlich kleineren Schwarzmarkt aus.







