Österreichs Casino-Lizenzen laufen 2027 aus: Regierung verhandelt im Hintergrund über Milliarden

0
Österreich Glücksspiel-Lizenzen
Quelle: unsplash/Aidan Howe

In Österreich stehen in den kommenden Monaten entscheidende Weichenstellungen für den Glücksspielmarkt an. 2027 laufen die Lizenzen für die zwölf Inlandscasinos, die Lotterien und das damit verbundene Online-Gaming aus. Damit wird eine Neuvergabe notwendig, die nicht nur rechtlich, sondern auch finanziell hochsensibel ist.

Im Kern geht es um die Frage, ob Österreich sein staatliches Online-Glücksspielmonopol beibehält oder den Markt zumindest teilweise öffnet. In politischen Kreisen ist dabei von Summen die Rede, die bis in den Milliardenbereich reichen könnten.

Österreich gehört in der EU zu den letzten Monopol-Staaten

Österreich zählt innerhalb der EU zu den wenigen Ländern, die weiterhin ein staatliches Monopol im Online-Glücksspiel verteidigen. Dieses Monopol liegt bei der teilstaatlichen Casinos Austria AG (CASAG).

Die CASAG ist nach einem langjährigen Übernahmepoker inzwischen mehrheitlich in der Hand eines tschechischen Investors. In diesem Zusammenhang wird Karel Komarek als zentraler Name genannt. Damit hat sich die Eigentümerstruktur deutlich verändert, während das Monopol politisch weiterhin als strategisches Instrument behandelt wird.

Finanzministerium unter Zeitdruck, Behörde existiert nur auf dem Papier

Die aktuelle Regierung steht dabei unter erheblichem Zeitdruck. Im Koalitionspakt ist zwar die Einrichtung einer unabhängigen Glücksspielbehörde vorgesehen, die eine Ausschreibung übernehmen könnte. Faktisch existiert diese Behörde bisher jedoch nur als politische Absicht.

Das ist entscheidend, weil ohne eine funktionsfähige Behörde die Verantwortung für die Neuvergabe der Lizenzen direkt bei der Regierung bleiben könnte. Damit würde ein Prozess, der eigentlich unabhängig organisiert werden soll, erneut stark politisiert.

SPÖ will Monopol absichern und legt Gesetzesentwurf vor

In der Debatte zeichnet sich ein klarer Konflikt ab. Die SPÖ setzt auf den Erhalt des Monopols und hat bereits einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der das bestehende Modell weiter absichern soll.

Besonders brisant: Der Entwurf würde nicht nur das Monopol festschreiben, sondern gleichzeitig die aktuellen Steuereinnahmen um rund ein Drittel reduzieren. Damit wird das Thema automatisch zu einer Budgetfrage, vor allem in einer Phase, in der Österreich über Sparmaßnahmen und neue Einnahmequellen diskutiert.

Steuerprognosen: Monopol kostet, Öffnung bringt Milliarden

Für die Jahre 2026 bis 2031 stehen mehrere Szenarien im Raum. Im Status quo werden 901 Mio. Euro Steuereinnahmen aus dem Online-Gaming genannt. Mit dem SPÖ-Entwurf würden diese Einnahmen auf 600 Mio. Euro sinken.

Dem gegenüber stehen Modelle einer regulierten Marktöffnung. Eine Teilöffnung mit neun Anbietern wird mit einem Plus von über einer Milliarde Euro beziffert. Eine vollständige Liberalisierung mit 15 Lizenzen wird sogar mit 1,88 Mrd. Euro angegeben.

Damit wird klar: Die Entscheidung ist nicht nur eine Frage der Regulierung, sondern auch eine politische Grundsatzentscheidung über die zukünftige Finanzierungsbasis.

Spielerschutz als Argument, illegale Anbieter als Gegenpunkt

Der Erhalt des Monopols wird vor allem mit Spielerschutz begründet. Gleichzeitig wird in der Diskussion darauf verwiesen, dass starke Einschränkungen im legalen Markt dazu führen können, dass Spieler auf illegale Plattformen ausweichen.

Die Gegenposition lautet: Spielerschutz entsteht nicht durch Verknappung, sondern durch einen regulierten Markt, klare Kontrollen und konsequente Maßnahmen gegen Schwarzmarkt-Anbieter.

ÖVP und Neos zeigen sich offener für regulierte Öffnung

ÖVP und Neos gelten innerhalb der Regierung als offener für eine Marktöffnung. Im Regierungsprogramm ist nicht nur die Glücksspielbehörde vorgesehen, sondern auch ein stärkeres Vorgehen gegen illegales Glücksspiel.

Das spricht eher für ein Modell, das sich an regulierten Märkten in anderen EU-Ländern orientiert. Als Beispiele werden in der Debatte häufig Dänemark und Schweden genannt.

FAQ

Warum werden in Österreich neue Glücksspiel-Lizenzen nötig?

Weil 2027 die Lizenzen für Casinos, Lotterien und Online-Gaming auslaufen.

Wie viele Inlandscasinos sind betroffen?

Es geht um zwölf Inlandscasinos.

Wer hält aktuell das Online-Glücksspielmonopol?

Die Casinos Austria AG (CASAG).

Welche Steuerszenarien stehen im Raum?

Genannt werden 901 Mio. Euro (Status quo), 600 Mio. Euro (SPÖ-Entwurf) sowie bis zu 1,88 Mrd. Euro bei vollständiger Öffnung.

Welche Parteien gelten als offener für eine Liberalisierung?

Vor allem ÖVP und Neos.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein