
In der Causa rund um die Casinos Austria AG hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Anklage gegen Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache erhoben. Im Zentrum stehen Vorwürfe im Zusammenhang mit der Bestellung des FPÖ-nahen Managers Peter Sidlo in den Vorstand der teilstaatlichen Glücksspielgesellschaft. Neben Strache sind auch zwei Verantwortliche des Glücksspielkonzerns Novomatic angeklagt.
Vorwurf der Vorteilsannahme
Die WKStA wirft Strache Vorteilsannahme zur Beeinflussung vor. Den beiden Novomatic-Verantwortlichen wird Vorteilszuwendung zur Beeinflussung, auch als „Anfüttern“ bezeichnet, angelastet. Der Strafrahmen beträgt in beiden Fällen bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe.
Laut Staatsanwaltschaft soll Strache die Bestellung eines Kandidaten zum Vorstandsmitglied der Casinos Austria AG gefordert haben, dessen berufliche Qualifikation keine entscheidende Rolle gespielt habe. Maßgeblich sei vielmehr die parteipolitische Nähe zu Strache und zur FPÖ gewesen.
Im Gegenzug soll sich Strache bereit erklärt haben, in einer künftigen Funktion als Amtsträger politische Entscheidungen im Sinne der Novomatic-Gruppe zu beeinflussen. Genannt werden unter anderem mögliche Gesetzesinitiativen im Bereich Glücksspiel und Sportwetten, Abstimmungen im Ministerrat oder Verhandlungstätigkeiten im Rahmen der Regierungspolitik.
Ein Strafantrag sowie ein Antrag auf Verhängung einer Verbandsgeldbuße gegen Novomatic wurden beim Landesgericht für Strafsachen Wien eingebracht.
Hintergrund: Bestellung von Peter Sidlo
Konkret geht es um die 2019 erfolgte Bestellung des FPÖ-nahen Managers Peter Sidlo zum Finanzvorstand der Casinos Austria AG. Eine anonyme Anzeige hatte seinerzeit von Absprachen zwischen FPÖ und ÖVP sowie zwischen FPÖ und Novomatic berichtet.
Bereits im Jänner 2025 hatte die WKStA Ermittlungen gegen mehrere Beteiligte eingestellt. Gegen Strache und Novomatic-Verantwortliche wurde jedoch weiter ermittelt – nun mündet das Verfahren in einer Anklage.
Prozessverschiebung wegen weiterer Anklage
Strache hätte ursprünglich bereits in der kommenden Woche in einem anderen Verfahren vor Gericht erscheinen sollen. Dort geht es um einen Untreuevorwurf im Zusammenhang mit einer Lebensversicherung, die von der Wiener FPÖ für ihn abgeschlossen worden war.
Diese Verhandlung wurde nun verschoben. Grund ist der Zuständigkeitswechsel infolge des neuen Strafantrags. Nach der Strafprozessordnung müssen mehrere Anklagen gegen dieselbe Person gemeinsam verhandelt werden.
Kritik von Verteidigung und Novomatic
Straches Anwältin Gunilla Prohart äußerte sich überrascht über das Vorgehen der WKStA. Ein 186 Seiten umfassender Strafantrag für ein Delikt mit vergleichsweise niedriger Strafdrohung sei ungewöhnlich. Sie verwies darauf, dass das Verfahren ursprünglich eingestellt werden sollte und nur aufgrund einer Weisung weitergeführt worden sei. Prohart rechnet mit einem Freispruch.
Auch Novomatic zeigte sich verwundert über die Anklage. Nach Angaben des Unternehmens habe es keine neuen Beweismittel oder zusätzlichen Einvernahmen gegeben, die den Schritt erklärten. Der Konzern betont, sämtliche Vorwürfe von Beginn an zurückgewiesen zu haben und verweist darauf, dass zahlreiche ursprüngliche Anschuldigungen bereits rechtskräftig eingestellt worden seien.
FAQ
Ihm wird Vorteilsannahme zur Beeinflussung im Zusammenhang mit der Bestellung eines Vorstandsmitglieds der Casinos Austria AG vorgeworfen.
Zwei Verantwortliche des Glücksspielkonzerns Novomatic sowie das Unternehmen selbst im Rahmen eines Antrags auf Verbandsgeldbuße.
Um die Bestellung des FPÖ-nahen Managers Peter Sidlo in den Vorstand der Casinos Austria AG im Jahr 2019.
Bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe.









