Kritik an Österreichs Glücksspielreform: Branche warnt vor wachsendem Schwarzmarkt

Austria, Flag
Bild: pixabay/Juergen_Sieber

Die geplante Glücksspielreform in Österreich sorgt bereits vor ihrer möglichen Umsetzung für scharfe Kritik aus der Branche. Besonders deutlich äußert sich Monika Racek, Branchensprecherin des Fachverbands Sport und Freizeitbetriebe der Wirtschaftskammer Österreich.

Aus ihrer Sicht löst der aktuelle Gesetzesentwurf zentrale Probleme des Marktes nicht. Stattdessen könnte er sogar dazu beitragen, dass der illegale Online-Glücksspielmarkt weiter wächst.

Glücksspielmonopol im Mittelpunkt der Kritik

Der Entwurf des Finanzministeriums sieht weiterhin ein Monopol im Glücksspielbereich vor. Dieses Modell wird derzeit vor allem mit der Casinos Austria verbunden.

Genau dieses Monopol sei jedoch einer der Gründe dafür, dass viele Spieler auf internationale Online-Plattformen ausweichen. Laut Racek findet ein großer Teil des Online-Glücksspiels bereits außerhalb des regulierten Marktes statt. Spieler würden häufig keine attraktiven legalen Angebote finden und deshalb auf internationale Anbieter ausweichen.

Nur ein Teil der Spieler nutzt legale Angebote

Nach Einschätzung der Branche liegt die sogenannte Kanalisierungsrate in Österreich aktuell nur bei etwa 29 bis 37 Prozent. Das bedeutet, dass ein großer Teil der Spieler Angebote außerhalb des regulierten Marktes nutzt.

In Märkten mit mehreren Lizenzen könnten laut Racek hingegen bis zu 90 Prozent der Spieler auf regulierte Plattformen gelenkt werden. Der Schwarzmarkt bringe jedoch mehrere Probleme mit sich. Spieler hätten dort keinen verlässlichen Spielerschutz, außerdem entgingen dem Staat wichtige Steuereinnahmen.

Österreich mit Monopol europaweit fast allein

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Stellung Österreichs innerhalb der EU. Nach Angaben der Branche existiert ein staatliches Glücksspielmonopol in Europa nur noch in zwei Ländern: Österreich und Polen.

Gleichzeitig soll der illegale Online-Glücksspielmarkt bereits ein Volumen von bis zu €650 Millionen erreicht haben. Sollte das Monopolmodell bestehen bleiben, könnte der Anteil laut Racek langfristig weiter wachsen und innerhalb eines Jahrzehnts über 80 Prozent des Online-Marktes erreichen.

Kritik auch am Automatenspiel der Bundesländer

Neben dem Online-Markt sieht Racek auch Probleme bei geplanten Änderungen im Bereich der sogenannten Landesausspielungen. Dabei handelt es sich um Automatenspiele außerhalb von Casinos, die von den Bundesländern reguliert werden.

Das bestehende System gelte international als Beispiel für funktionierenden Spielerschutz. Trotzdem sieht der Gesetzesentwurf zusätzliche Einschränkungen vor. Diese könnten laut Branche dazu führen, dass Betreiber ihre Konzessionen zurückgeben müssten.

Arbeitsplätze und Steuereinnahmen könnten sinken

Ein mögliches Ende der Automaten außerhalb von Casinos hätte laut Branche auch wirtschaftliche Folgen. Racek warnt, dass dadurch über €100 Millionen an Steuereinnahmen pro Jahr verloren gehen könnten. Zusätzlich könnten etwa 1.500 Arbeitsplätze betroffen sein. Gleichzeitig könnten Spieler vermehrt auf illegale Angebote ausweichen.

Reform steht noch am Anfang

Der Gesetzesentwurf wurde vom Finanzministerium ausgearbeitet und befindet sich derzeit noch in politischen Abstimmungen. Die Regierung plant, die Novelle des Glücksspielgesetzes im Laufe des Frühjahrs 2026 ins Parlament einzubringen.

Nach der parlamentarischen Behandlung könnte das Gesetz noch im ersten Halbjahr 2026 beschlossen werden. Anschließend sollen neue Glücksspiel-Lizenzen für die kommenden 15 Jahre vergeben werden, da mehrere Konzessionen im Jahr 2027 auslaufen. Damit gelten die kommenden Monate als entscheidend für die zukünftige Struktur des österreichischen Glücksspielmarktes.

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Matthias Friess

Matthias ist ein erfahrener Pokerautor mit einem tiefen Verständnis für Live und Online Poker. Er verfolgt internationale Turniere und analysiert aktuelle Trends der Pokerszene mit einem geschulten Blick. Seine Artikel bieten strategische Einblicke und fundiertes Wissen für Anfänger und Profis. Durch enge Kontakte zur Community bleibt er stets nah an den wichtigsten Entwicklungen. Zudem hat er erfolgreich an Live Poker Turnieren in deutschen Spielbanken teilgenommen und bringt dadurch wertvolle eigene Spielerfahrung ein.