
In Österreich sorgt ein geleakter Entwurf für ein neues Glücksspielgesetz derzeit für Aufsehen. Das Finanzministerium soll einen Gesetzesentwurf fertiggestellt haben, der das bisherige Online-Casino-Monopol beenden und mehrere Anbieter auf den Markt lassen könnte.
Offiziell beschlossen ist die Reform bislang nicht. Sollte das Gesetz jedoch in seiner aktuellen Form umgesetzt werden, würde Österreich sein bisheriges Modell grundlegend verändern.
Bislang hält Win2day, eine Marke der Österreichischen Lotterien und Tochtergesellschaft von Casinos Austria, die einzige Lizenz für Online-Casinospiele im Land. Laut dem geleakten Papier sollen künftig mehrere Betreiber Online-Glücksspiel anbieten dürfen. Das Lotteriegeschäft würde dagegen weiterhin unter dem staatlichen Monopol bleiben.
Lizenzvergabe offenbar an hohe Kosten geknüpft
Besonders brisant sind die Bedingungen, die potenzielle neue Anbieter erfüllen müssten.
Laut dem Wiener Glücksspielrechtsexperten Arthur Stadler sollen Betreiber nur dann eine Lizenz erhalten können, wenn sie offene österreichische Gerichtsentscheidungen anerkennen und ausstehende Steuerforderungen begleichen. Dies würde laut dem Bericht auch rückwirkende Steuerzahlungen für bereits vergangene Jahre umfassen.
Stadler warnt dabei vor möglicherweise sehr hohen finanziellen Belastungen. Obwohl der Entwurf keine feste Obergrenze für die Anzahl der Lizenzen vorsieht, könnten die Kosten kleinere Unternehmen faktisch vom Markt fernhalten.
Strenge Spielerschutz-Regeln geplant
Der geleakte Entwurf enthält außerdem zahlreiche neue Vorgaben zum Spielerschutz.
Spieler unter 26 Jahren sollen künftig höchstens 250 Euro pro Woche einzahlen dürfen. Für ältere Spieler ist eine Grenze von 1.680 Euro vorgesehen, die bei entsprechendem Nachweis der finanziellen Verhältnisse erhöht werden könnte.
Auch bei Einsätzen und Gewinnen sind deutliche Einschränkungen geplant. So soll der maximale Einsatz auf 2 Euro pro Spielrunde sinken. Gleichzeitig würden Höchstgewinne auf 2.000 Euro begrenzt. Jackpots sollen laut dem Entwurf komplett verboten werden.
Zusätzlich wären verpflichtende Spielpausen vorgesehen. Nach 90 Minuten ununterbrochenem Spiel müssten Spieler mindestens 15 Minuten pausieren. Geplant ist außerdem ein nationales Sperrsystem unter Aufsicht der Regulierungsbehörde.
Entscheidung noch vor dem Sommer?
Politisch ist die Reform noch nicht abgeschlossen. Der aktuelle Entwurf muss zunächst von den drei Regierungsparteien SPÖ, ÖVP und NEOS abgesegnet werden, bevor es zu einer Abstimmung im Parlament kommen kann.
Besonders bemerkenswert: Noch Anfang 2026 hatte das von der SPÖ geführte Finanzministerium laut dem Bericht eine Verlängerung des bisherigen Monopols vorgeschlagen. Nach Widerstand innerhalb der Koalition wurde dieser Kurs jedoch offenbar wieder verworfen.
Die derzeitige Online-Lizenz von Win2day läuft 2027 aus. Ob Österreich tatsächlich vor einer Öffnung des Online-Casino-Marktes steht, dürfte sich in den kommenden Wochen entscheiden. Der nun bekannt gewordene Gesetzesentwurf liefert jedenfalls erstmals konkrete Hinweise darauf, wie ein solches Modell aussehen könnte.









