
Fantasy Games sind vor allem aus dem US-Sport bekannt. Fans stellen dabei virtuelle Mannschaften aus realen Athleten zusammen und erhalten Punkte für deren tatsächliche Leistungen. Dieses Prinzip lässt sich auch auf Pokerturniere übertragen. Statt Fußball-, Basketball- oder Football-Spielern werden Pokerprofis ausgewählt, deren Ergebnisse während einer Turnierserie in eine Gesamtwertung einfließen.
Besonders populär sind solche Formate während der World Series of Poker (WSOP). Die bekanntesten Poker Fantasy Leagues richten sich aufgrund ihrer hohen Einsätze allerdings vor allem an Profis. Ein prominentes Beispiel ist Daniel Negreanus $25k Fantasy Draft. Daneben existiert mit der ODB Fantasy League ein weiteres bekanntes Format.
Fantasy Poker muss jedoch nicht zwangsläufig um große Summen gespielt werden. Auch private Gruppen können eigene Wettbewerbe mit niedrigen Einsätzen oder komplett ohne Startgeld organisieren. Entscheidend ist nicht die Höhe des Einsatzes, sondern ein nachvollziehbares Punktesystem und eine möglichst kluge Zusammenstellung des Teams.
Wie funktioniert ein Poker Fantasy Draft?
Vor Beginn der Turnierserie erhält jeder Teilnehmer ein festgelegtes virtuelles Budget. Anschließend werden die verfügbaren Spieler in einer Auktion versteigert. Wer das höchste Gebot abgibt, nimmt den jeweiligen Profi in sein Team auf. Das Budget muss dabei auf mehrere Spieler verteilt werden.
Die ausgewählten Profis sammeln während der WSOP Punkte für ihre tatsächlichen Resultate. Je nach Regelwerk können unter anderem folgende Leistungen berücksichtigt werden:
Geldplatzierungen
Final-Table-Teilnahmen
Turniersiege und Bracelets
die Größe des Teilnehmerfeldes
die Höhe des Buy-ins
Platzierungen in der WSOP-Player-of-the-Year-Wertung
Am Ende gewinnt nicht zwangsläufig das Team mit dem größten Pokerstar. Entscheidend ist vielmehr, welche Zusammenstellung über die gesamte Serie das beste Verhältnis aus Preis, Turnieraktivität und erwarteter Punkteausbeute bietet.
Kleine Teilnehmerfelder können besonders wertvoll sein
Spezialisten für große No-Limit-Hold’em-Turniere wirken zunächst wie naheliegende Kandidaten. Für ein Fantasy-Team sind sie aber nicht automatisch die beste Wahl. In einem Turnier mit 2.000 Teilnehmern benötigt selbst ein herausragender Profi einen sehr erfolgreichen Lauf, um den Final Table zu erreichen.
Noch unwahrscheinlicher ist es, dass mehrere ausgewählte Spieler in solchen großen Feldern gleichzeitig eine starke WSOP absolvieren. Das sorgt für eine hohe Schwankungsbreite und macht die Punkteausbeute schwer kalkulierbar.
Interessanter können Spieler sein, die regelmäßig in kleineren Feldern antreten und dort einen deutlichen spielerischen Vorteil besitzen. Das trifft insbesondere auf Mixed-Game-Spezialisten zu. In Disziplinen wie H.O.R.S.E., Razz, Stud oder verschiedenen Draw-Varianten sind die Teilnehmerfelder häufig kleiner als bei No-Limit Hold’em. Gleichzeitig ist der Abstand zwischen erfahrenen Spezialisten und weniger routinierten Teilnehmern oft größer.
Auch Super-High-Roller-Turniere im No-Limit Hold’em können wertvoll sein. Die Felder sind überschaubar, während hohe Buy-ins und starke Ergebnisse je nach Fantasy-Regelwerk viele Punkte bringen können. Diese Entwicklung zeigt sich ebenfalls beim Rennen um den WSOP Player of the Year. Lange Zeit wurde die Wertung vor allem von Mixed-Game-Spielern geprägt. Inzwischen können auch High-Roller-Spezialisten eine wichtige Rolle spielen.
Nicht den besten Spieler, sondern den besten Preis suchen
Eine erfolgreiche Draft-Strategie ähnelt dem aus dem US-Sport bekannten „Moneyball“-Ansatz. Gesucht werden nicht einfach die größten Namen, sondern unterbewertete Spieler: Profis, deren erwartete Punkteausbeute deutlich über ihrem Preis im Draft liegt.
Ein Beispiel lieferte Martin Zamani. Alex und Kristen Foxen sicherten ihn sich in der ODB Fantasy League für lediglich $3. Zamani spielte anschließend eine starke Serie und mischte in der Player-of-the-Year-Wertung mit.
Auch David Peters für $3, Adrian Mateos für $12 und Kristen Foxen für $16 erwiesen sich in einem anderen Fantasy-Team als günstige Verpflichtungen. Alle drei zählen zu den stärksten Spielern ihrer Generation und gewannen während der Serie jeweils ein Bracelet.
Dass solche Spieler dennoch vergleichsweise preiswert erhältlich sein können, liegt möglicherweise an ihrer Spezialisierung auf No Limit Hold’em. Werden sie überwiegend als Spieler großer Teilnehmerfelder betrachtet, kann ihr Fantasy-Wert unterschätzt werden. Wer jedoch regelmäßig kleinere High-Roller-Events spielt, bekommt zusätzliche Chancen auf Final Tables, Bracelets und wertvolle Ranglistenpunkte.
Das verfügbare Budget sollte nicht nur in Stars fließen
Bei einem Auktions-Draft besteht die Gefahr, zu viel Geld für einen oder zwei besonders bekannte Profis auszugeben. Dadurch bleibt für die übrigen Plätze nur ein kleiner Teil des Budgets übrig. Ein einzelner Star kann zwar viele Punkte sammeln, eine Verletzung, ein vorzeitiges Ende der Serie oder eine schwache Turnierphase können das gesamte Team jedoch erheblich zurückwerfen.
Eine ausgewogenere Strategie verbindet daher unterschiedliche Spielertypen:
etablierte Punktesammler mit einem umfangreichen WSOP-Programm
Mixed-Game-Spezialisten mit guten Chancen in kleineren Feldern
High-Roller-Spieler, die regelmäßig an teuren Turnieren teilnehmen
günstigere Kandidaten, deren Qualität im Draft unterschätzt wird
flexible Allrounder, die in mehreren Pokervarianten konkurrenzfähig sind
Der Name eines Spielers sollte dabei niemals isoliert betrachtet werden. Sein Preis entscheidet maßgeblich darüber, ob er tatsächlich eine gute Verpflichtung ist.
Motivation und Turnierpensum sind entscheidend
Pokerkönnen allein reicht für eine erfolgreiche Fantasy-Auswahl nicht aus. Ein Spieler kann zu den besten der Welt gehören und trotzdem nur wenige Punkte sammeln, wenn er kaum Turniere bestreitet.
Phil Ivey gilt beispielsweise als einer der größten Pokerspieler aller Zeiten. Für einen Fantasy Draft ist er dennoch mit einem gewissen Risiko verbunden. Finden parallel attraktive Cash Games statt, könnte er einen Teil des Turnierprogramms auslassen.
Spieler wie Benny Glaser, Shaun Deeb, Daniel Negreanu und Josh Arieh sind häufig besser planbar. Bracelets, Ranglistenpunkte und ihre langfristige WSOP-Bilanz besitzen für sie einen hohen Stellenwert. Entsprechend groß ist in der Regel ihre Bereitschaft, zahlreiche Events zu spielen.
Vor dem Draft sollte deshalb geprüft werden:
Wie lange bleibt der Spieler in Las Vegas?
Welche und wie viele Turniere plant er?
Spielt er mehrere Pokervarianten?
Nimmt er auch an kleineren oder weniger prestigeträchtigen Events teil?
Wie wichtig sind ihm Bracelets und die Player-of-the-Year-Wertung?
Besteht die Gefahr, dass er Turniere zugunsten von Cash Games auslässt?
Je mehr Events ein Profi bestreitet, desto mehr Chancen besitzt er, Punkte zu sammeln. Volumen ersetzt zwar keine Qualität, ist in einer mehrwöchigen Fantasy League aber ein zentraler Faktor.
Sich selbst zu wählen, bleibt eine Ausnahme
Bei den großen Fantasy Leagues können aktive Profis auch auf sich selbst bieten. Das kann besonders attraktiv sein, weil sie ihr eigenes Turnierprogramm, ihre Motivation und ihre bevorzugten Varianten genauer kennen als jeder andere.
Alex und Kristen Foxen gewannen die ODB Fantasy League, während Daniel Negreanu seinen eigenen $25k Fantasy Draft für sich entschied. Sie hatten sich jeweils selbst ausgewählt und gewannen während der WSOP auch jeweils ein Bracelet.

Für die meisten Teilnehmer ist eine solche Konstellation allerdings nicht relevant. Private Fantasy Games werden überwiegend von Pokerfans gespielt, die selbst nicht an der kompletten WSOP teilnehmen. Die Beispiele zeigen dennoch, wie wichtig eine realistische Einschätzung von Motivation, Turnierplan und Erfolgschancen ist.
Die wichtigsten Grundregeln für ein starkes Fantasy-Team
Ein gutes Poker-Fantasy-Team entsteht nicht durch das Sammeln möglichst vieler berühmter Namen. Erfolgreicher ist eine Auswahl, die Preis, Können, Turnierplan und erwartete Punkte miteinander verbindet.
Besonders vielversprechend sind Profis, die in kleineren Feldern einen großen Vorteil besitzen, mehrere Varianten beherrschen und während der gesamten Serie ein hohes Volumen spielen. Dazu kommen gezielt ausgewählte No-Limit-Hold’em- und High-Roller-Spezialisten, sofern sie im Draft zu einem angemessenen Preis erhältlich sind.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Wer ist der beste Pokerspieler? Für einen Fantasy Draft muss vielmehr geklärt werden: Welcher Spieler wird gemessen an seinem Preis voraussichtlich die meisten Punkte sammeln?









