Keine Rezension und das 24 Stunden zu spät – PokerStars.de sucht das PokerAss

Ja, ich weiß, es ist 24 Stunden zu spät. Definitiv! Und vielleicht sind da draußen an den Internet-Empfängern dieser Welt auch gar nicht so viele Leser, die sich für das Format „PokerStars.de sucht das PokerAss“ ernsthaft interessieren. Aber was kratzt das einen großen Geist. Ich habe meine eigenen Probleme und einen echten originären Gedanken zur neuen Pokercasting-Show anzubieten. Abgesehen davon wäre ich dem geschätzten Kreis der wenigen Leser dankbar für die wohl wichtigste aller Informationen: Wer zur Hölle wurde denn diesmal nach Hause geschickt, wenn nicht der unsägliche Bennie?!

Genau soweit habe ich die Sendung nämlich verfolgt. Weiter weiß ich gar nichts und ich kenne auch niemanden, der zugibt, mehr zu wissen. Bin mir zwar ganz sicher, dass Dutzende meiner Freunde und Bekannten gebannt vor dem Fernsehgerät saßen, nur es ist scheinbar nicht schicklich Castingshows anzusehen und nicht jeder hat so ein gutes Alibi. Ich konsumiere solche Formate dienstlich und amüsiere mich dabei dienstlich und königlich. Ein schönes Leben und Geld gibt es auch noch dafür.


An Grammatik, Frauen und Rechtschreibung verzweifle ich routiniert und grandios. Da kenne ich mich mit dem Scheitern aus. An der Technik scheitere und verzweifle ich höchst selten. Ich vermeide, was geht, lebe mein Leben ohne CD- und DVD-Player. Besitze weder Ipod, Führerschein noch sonstigen Schnickschnack und was man nicht hat, muss man auch nicht verstehen. Für Hochgepokert.com versuche ich mich zu ändern und fröne dem Fortschritt.


Um „PokerStars sucht das PokerAss“ vernünftig rezensieren zu können, habe ich mich in die Tiefen der Programmierung gewagt und versucht mit einem Leihgerät mitzuschneiden. Leider endet die Aufnahme abrupt. Bennie als gescheiterter Sänger und Quotenbringer bleibt dabei, weil Sophia Thomalla den „Welpenschutz“ als moralische Kategorie ausruft und dann steht Natalie vor der gestrengen Jury und Thomas Lamatsch sagt: „Natalie ich weiß ehrlich nicht was ich dir sagen soll. Du warst …“ – und dann ist es vorbei mit Show und Herrlichkeit und meine Aufnahme endet. Bitte um sachdienliche Hinweise. Danke.

Los Angeles – zehn Kandidaten noch dabei und jeder will sie haben die 100 000 Euro. Ruhm und Ehre gibt es dann im Paket dazu. Sandra Naujoks diesmal im Make-up deutlich dezenter und hübsch wie immer, Thomas Lamatsch pädagogisch bemüht und dezent verzweifelt und Sophia Thomalla, von der ich inzwischen weiß, dass sie mit dem Rammstein-Sänger liiert sein soll. Selbstverständlich ändert das nichts für mich. Aber ich trauere der Zeit nach, als junge Mädchen noch Tierärztin, Archäologin oder Chefsekretärin werden wollten. Moderatorin ist ein gruseliger Beruf und erinnert ein wenig an Nadja Abd El Farrag und Konsortinnen.


Apropos gruselig. Wieder ganz vorne dabei war Lautsprecher Jens. Quasi der perfekte Real-Soap-Kandidat für Themen jeglicher Art. Getragen auf einer Welle von körpereigenem Naturkoks – wie ich hoffe – agiert Jens wie aufgezogen vor jeder Kamera, und wie man fürchten muss auch abseits. Somit eine Bedrohung für den Berufsstand der fleißigen, betreuenden Fernsehredakteur. Ein Jens braucht keine Texte und keine Anweisungen. Licht an, Kamera an und er haut sie raus Sprüche wie: „Netter Kerl, hat eine Rolex an.“ Damit meint er Zimmergenossen Thomas, den Ex Lehmann Brother Banker und auch immer für einen Spruch gut.

Diesmal unmittelbar nach der Ankunft in Los Angeles. Alle Kandidaten in echter Freude über die Stadt der Engel und Thomas im zweigeteilten Originalton: „Ich war noch niemals in Los Angeles.“ Und nach einer kleinen dramaturgischen Pause: „Ich bin einmal auf dem Weg nach Hawai hier umgestiegen.“ Für diesen biographischen Slowroll gäbe es in der Gegend, wo ich aufgewachsen bin, gleich mal die Faust in die Fresse.

Gar nicht so eine schlechte Gegend, wenn ich darüber ernsthaft nachdenke. Aber zurück zu Kandidat Thomas. Sollte der gewinnen, werde ich wohl Kollegen Lamatsch und die sonst so verehrte Sandra Naujoks bei Facebook gnadenlos löschen müssen. Quasi als Strafe und lebenslang. Sophia Thomalla habe ich gar nicht und schick auch keine Freundschaftsanfrage, sonst habe ich dann noch ihren peinlich gröllenden Freund mit den Hosenträgern und dem eingeölten Oberkörper an der Backe. Um Gottes Willen.


Erwähnenswert noch „Burlesque-Model“ Anna-Maria, die laut Insert in einer „offenen Beziehung“ lebt und wahrscheinlich laut Drehbuch mindestens einem der Kandidaten das Herz brechen muss. Und überhaupt, wenn jetzt nicht bald endlich angefangen wird zu heulen, gehe ich zurück zu Kai Pflaume (wenn es den überhaupt noch gibt).


Man hat sich so daran gewöhnt an die tränenreichen Geständnisse, an gespielte und echte Nervenzusammenbrüche und an Jury-Mitglieder, die mit Text und Tränen kämpfen und meist beide Schlachten verlieren. Und dann ist sie da, die Castingshow-Gänsehaut, um die es eigentlich geht. Da ist definitiv noch Luft nach oben und die abgebrühten Kameramänner werden routiniert draufhalten, sobald sich da emotional etwas tut. Ich bin jedenfalls gerüstet und die Taschentücher sind in Reichweite.

Angekündigt waren sie ja bereits in der ersten Sendung: Die sogenannten Challenges, die man bestehen muss als Kandidat, wenn man zum PokerAss des Jahres werden will. Ralph Möller als prominenter Schirmherr eines Quad-Rennens. Das sind diese ekeligen, vierräderigen Motorräder – oder Autos ohne Dach -, die laut und stinkend durch die Natur brettern. So gesehen passt Ralph Möller stimmig ins Arrangement.

Zwei schöne Bilder gab es sinnbildlich für das ganze Format. Einmal Thomas Lamtsch im Zieleinlauf und als Jurypräsident bereit den Sieger zu küren und keiner kam. Nicht einer der Kandidaten hat das Ziel erreicht – oder wollte niemand den Preis gewinnen und mit Ralph Möller im Helicopter fliegen?

Und das Zweite war eine kleine Kollision der stillen Johanna und dem lauten Jens. Gut, dass niemandem etwas passiert ist, aber seit dem „Kampf“ Zidane/Materazzi habe ich von keinem TV-Ereignis mehr Zeitlupen und Superzeitlupen gesehen.

Zusammenfassend: Das nächste Mal werde ich meinen Dienst als Rezensent ernster nehmen und mir die Show bis zur letzten Sekunde live ansehen. Mittwochs spiele ich halt immer mit den dümmsten Limit-Spielern von Wien und irgendwann muss ich ja beginnen mit der Altersvorsorgen. Trotzdem geht Dienst vor und ich entschuldige mich für diesen fragmentarischen Text. Nächste Woche liefere ich auch am Donnerstag. Schon alleine, weil ich es Chefredakteur Sosna versprochen haben. In diesem Sinne, noch fünf Mal schlafen und dann gibt es eine neue Folge von „Pokerstars.de sucht das PokerAss“. Ich freue mich darauf.

G. Schrage

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