Der Hochgepokert.com Aufsatzwettbewerb – Heute analysiert Sven Liefke die Krise!

Die Redaktion bedankt sich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Der 1. Hochgepokert.com Aufsatzwettbewerb war ein voller Erfolg. In den kommenden Tagen werden wir fünf Texte veröffentlichen. Der spannendste und interessanteste Artikel wird dann von Hochgepokert.com prämiert. Selbstverständlich wird die Jury auch Leserreaktionen und Kommentare bei der Bewertung berücksichtigen – Viel Vergnügen bei der Lektüre.

Friday, Bloody Friday um es mit Bono zu sagen – Ein Kommentar von Sven Liefke

Als „Blauer Sofa“ schauender Pokerspieler der gleichzeitig auch noch Geschichte und Deutsche Literatur studiert, fühlt man sich quasi gezwungen dem Aufruf zu folgen und seinen Senf zur aktuellen Entwicklung im internationalen Onlinepokermarkt abzugeben.

Wenn man diese betrachten will, bleibt einem keine andere Möglichkeit als zu den Wurzeln des Ganzen zurückzukehren – Back to the roots sozusagen. Es begann alles damit das ein kleiner unbedeutender „Average Joe“ namens Chris Moneymaker es schaffte sich mit nur $40 ein Ticket für das WSOP ME zu erspielen und es sage und schreibe auch noch zu gewinnen wagte. Dieses Ereignis führte dazu was man gemeinhin den Pokerboom nennt.

Ein Phänomen über das sich die Betreiber sämtlicher Online-Poker-Seiten auch noch heute die Hände reiben dürften, unabhängig davon, dass rund ein Dutzend dieser davon profitierenden Menschen heute vom FBI gejagt werden beziehungsweiße schon den vergitterten Fensterblick genießen dürfen. Es entstand eine Branche die Milliarden an Umsätzen produzierte und wo Geld fliest, gibt es immer Menschen die vom Kuchen mehr ab haben wollen als ihnen zusteht.

Somit begannen die üblichen Mechanismen unter den schwarzen Schafen der Finanzwelt: Geldwäsche, Steuerhinterziehung und Verstöße gegen den Wire Act. Alles Vergehen die den Tätern noch mehr Geld in die Tasche spülen als der durchschnittliche Pokerspieler an einem Abend beim NL500 in seinem Stammcasino lassen kann. Das positivste an diesem „Black Friday“ dürfte sein, dass die Angeklagten nicht aufgrund der Tatsache das sie Online-Poker anbieten angeklagt sind, sondern deswegen weil sie den Hals einfach nicht voll genug bekommen konnten. Doch was hat das für Konsequenzen für Online-Poker allgemein und Deutschland im besonderen?


Online-Poker wird nicht sterben, soviel steht fest. Allerdings wird es noch einen Moment dauern, bis wir zu den Verhältnissen zurückkehren, die wir bis dato kannten. Die europäischen Spieler beherrschen jetzt den Markt und somit lässt es sich vielleicht hoffen, dass die Major-Turniere am Wochenende auf Arbeitnehmer freundlichere Zeiten vorverlegt werden.

Eine Sunday Million die nicht erst um halb Elf Uhr abends, sondern schon um 16 Uhr zur Kaffeezeit beginnt, ist wohl für uns alle wünschenswert. Jedoch stellt sich die Frage, was passiert, wenn den amerikanischen Spielern es durch Gesetzesregulierungen wieder erlaubt wird, sich an den virtuellen Filz zu setzen?

Dreht die Welt sich dann wieder um 180° oder bleibt bei den Anbietern die Hoffnung bestehen das sich das alles in den nächsten paar Wochen selbst reguliert? Entwicklungen in dieser Richtung sind alle nur spekulativ und lassen sich mit keinerlei Sicherheit voraussagen zum jetzigen Zeitpunkt.

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In Bezug auf den Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland muss man allerdings sagen, dass das FBI sich keinen ungünstigeren Zeitpunkt hätte aussuchen können, um mit dieser Anklage um die Ecke zu kommen. Grade jetzt, wo die Zeichen auf Hoffnung standen, dass wir hier in Deutschland unserem Lieblingshobby völlig legal nachgehen dürfen, werden die größten Anbieter unseres Hobbys nun aufgrund staatsschädigender Tätigkeiten verklagt, was für die Gegner der Liberalisierung des Glücksspielmarktes (ich hasse es diesen Begriff in Verbindung mit Poker zu verwenden) natürlich ein gefundenes Fressen ist.

Unabhängig davon, dass das Pokerspiel an sich überhaupt nichts mit der Anklage zu tun hat, werden die deutschen Bürokraten hier wieder alles in einen Topf schmeißen und Poker als böses, böses Glückspiel verurteilen und sich in ihrer Meinung mal wieder bestätigt fühlen. Abgesehen davon kann man fast behaupten, dass wir froh sein können, dass Poker in der breiten Masse der Bevölkerung nicht den Stellenwert wie Fußball hat, sonst hätten sich die Boulevardmedien längst auf dieses Thema gestürzt und ein Franz Josef Wagner hätte uns schon wieder mit seinen geistigen Ergüssen zu diesem Thema gelangweilt, wie er es schon nach dem Überfall auf die EPT Berlin 2010 getan hat.

Somit bleibt mir nur zu sagen: sehen wir den kommenden Wochen ins Auge, es dürften für die Entwicklung des Marktes wohl die spannendsten werden seitdem Chris Moneymaker aus 40 Dollar 2,5 Millionen gemacht hat.

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