WSOP Interview mit Thorsten Schäfer

Wie bereits in in einer vorherigen News angekündigt haben wir uns nach dem 10K Pot Limit Hold’em Championship Event mit Thorsten Schäfer unterhalten. Thorsten erzählt ein wenig über die wohl größte Achterbahnfahrt in seiner Pokerkarriere.

Thorsten, herzlichen Glückwunsch zu deinem 17. Platz beim 10k Pot-Limit Hold’em Championship Event. Könntest du unseren Lesern einen kurzen Überblick über den Turnierverlauf geben (Schlüsselhände, besondere Konfrontationen, schwierige Entscheidungen etc.)?

Das Turnier war glaube ich die größte Achterbahnfahrt, die ich bisher erlebt habe. Der Anfang war einfach perfekt: Ich konnte sehr viele Hände spielen und meinen Startstack vervierfachen. Dann kams zu einer Schlüsselhand gegen den Japaner Masa Kagawa: ich raise Kc Qs, floppe die Nuts auf Ah Jc Tc und bette, er callt. Auf die 3c am Turn bette ich nochmal, er geht all-in, ich calle und er zeigt A3o ohne Flushdraw. Am River kommt natürlich die 3 und ich verliere einen riesigen Pot. In der Folge hab ich dann versucht, wieder Chips aufzubauen und es gelang auch. Doch als ich wieder bei etwa 120k angelangt war, kam die nächste Hand: ich habe Asse, der eben genannte Japaner Damen und wir kommen preflop all-in – doch auch hier gewinnt er den Pot, so dass ich am Ende des Tages nur 33000 Chips eintüten konnte. Am nächsten Tag lief es dann erst ähnlich: Hoch auf 120k, Flip verloren und runter auf 35k, doch dann konnte ich 2 große Flips gegen Eric Seidel gewinnen und den Tag mit soliden 250.000 abschliessen.

Am dritten Tag ging die Achterbahn weiter. Ich grinde mich auf 320k hoch, bis es zu folgender Schlüsselhand kommt: Ich raise mit 99 vom Cutoff, Jennifer Tilly callt am Button (ich habe sie vorher gebluff-4-bettet, so dass sie hier niemals stark sein wird) und Nicolas Levy squeezt vom Big Blind. Bei einem Stack von 30BB entscheide ich mich zum All-In und laufe in die Kings von Levy. Wir hatten fast gleich viel Chips, doch mir blieben noch 30k, also genau 3bb. Meine darauffolgenden Hände waren dummerweise jeweils in den untersten 10%, dass ich nicht pushen konnte. Daher wartete ich auf mein Schicksal im BB, wo ich dann any2 callen musste. Glücklicherweise kam es zu einem Multiway pot (3 Gegner blieben dabei) und ich hatte eine Hand mit etwas Potential: K2s in Herz. Dann floppe ich auch noch Flushdraw und Overcard, Tilly bettet und alle anderen folden, so dass wir HU den Showdown sehen. Ich gewinne gegen ihre Tens durch einen King am Turn und kann vervierfachen. Danach ging es weiter hoch auf  250k – also meinem Startstack des dritten Tages. In meiner Bustout Hand raise ich KQs vom CO, DeWitt 3-bettet im BB und ich gehe all-in mit 20BB, renne aber in AK und konnte leider nicht aussucken.

Inwiefern unterscheidet sich diese Disziplin von No Limit Hold’em? Glaubst du Pros wie du haben hier noch eine größere Edge?

Der mit Abstand größte Unterschied ist meines Erachtens das Fehlen der Ante, was das Spiel insgesamt etwas tighter macht. Persönlich bevorzuge ich eher NLH Turniere, zum einen da ich gerne Antes im Pot habe, die eine zu tighte Spielweise bestrafen. Zum anderen kann ich in NL Turnieren oft enormen Druck durch Overbets ausüben, was im PLH eben nicht geht.

Der Schweizer Kollege Anton Allemann hat in einer netten $200/$400 Partie u. a. gegen Tom Dwan gespielt. Wirst du neben den geplanten Turnieren auch die High Stakes Cash-Game Action in Vegas wahrnehmen?

Mein aktueller Plan ist es erstmal, so viele Turniere wie möglich zu spielen. Falls ich irgendwann aber so genervt von Turnier-Poker bin, kann es auch gut sein, dass ich die ein oder andere Partie Cashgame spielen gehe.

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Verkaufst du eigentlich bei manchen Events auch Anteile oder swappst du mit anderen Spielern?

Für die meisten Turniere bin ich durch Pokerstrategy gestaked, so dass ich da weder verkaufen noch verswappen kann. Bei Turnieren, die ich auf mich selbst spielen kann, nutze ich aber die Möglichkeiten die Varianz zu reduzieren gerne.

Mit welchen Jungs und in welchem Hotel bist du eigentlich in Vegas unterwegs?

Ich bin im Vdara, wo auch z.B. Manig Löser und Konstantin Bücherl sind und viele andere Deutsche gebucht haben, die aber erst später anreisen. Bisher hab ich noch nicht viel gemacht in Vegas, da ich die ganze Zeit im Rio grinden war, aber es gab schon eine legendäre Beer Pong Session mit Marvin Rettenmeier, die wir sicherlich wiederholen werden…

Welchem deutschsprachigen Spieler würdest du –nach dir– am meisten ein Bracelet gönnen?

Ehrlich gesagt möchte ich da keinen einzelnen Namen herauspicken: Es gibt so viele sehr gute, deutsche Turnierspieler, die alle ein Bracelet verdient hätten. Mit vielen bin ich dazu noch befreundet, so dass ich einfach hoffe, dass einer von uns das Ding holt😉

Welche Turniere wirst du als nächstes Spielen?

Das nächste Turnier startet heute um 12:00 Ortszeit und ist ein $1.5k 6-max NLH. Danach werde ich eigentlich so gut wie alle NLH Events spielen – sofern ein Deep Run in einem anderen Event mich nicht daran hindert 😉


Vielen Dank dafür, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Wir von Hochgepokert.com wünschen dir viel Erfolg und das nötige Glück in den richtigen Situationen!

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