Der Ivo Donev Blog: „Interessante Hände von der IPT Slovenia“

Hallo alle miteinander!

Für mich ist Turnierpoker viel reicher und interessanter als Cash Game. Es kommen immer wieder neue und auch alte Situationen und man lernt einfach immer wieder etwas dazu. Meiner Meinung nach ist der Skill Faktor, besonders bei Deep Stack Turnieren, höher.


In Slowenien haben bei der Mini Italien Poker Tour 399 Spieler teilgenommen, davon waren circa 90% (!) Italiener.

20 000 Starting Stack – 1 Stunde Level – und ein 4 Tagesevent, bei so einem niedrigen Buy-in (400€) trifft man das sehr selten.

TELLS!

Irgendwann an Tag 2  war ich in späterer Position mit einem Paar 9h9d, ein ziemlich aggressiver Spieler rechts von mir raiste wie immer auf drei BB. Nun überlegte ich zu callen oder zu reraisen, dabei kontrollierte ich den Chipstack meines Gegners. Wir lagen beide über double Average, also hatte ich in dieser Situation mehrere Optionen. Plötzlich vibrierte das Handy meines Nachbarn links von mir, dem aktuellen Chipleader. Er reagierte nicht sondern blieb bewegungslos wie eine Statue. Warum nimmt er den Anruf nicht an. Da war doch was faul! Ich foldete meine beiden Neuner und der Chipleader ging mit der Präzision eines Gewehrschusses All-In.  Ein klassischer „Handy“ Tell.

Tag 3

Ich konnte meinen Stack schon sehr früh verdoppeln und führte mein Schiff ganz vorsichtig durch viele Minen Richtung Final Table. Am Tag 3 war ich Chipleader bei verbleibenden 24 Spielern.

Sehr schnell schmolz das Feld auf zwei Tische und ich bekam am Button Poket Jacks. Die Blinds waren 5000-10000/Ante 1000. Der Tisch foldete zu mir und ich raiste auf 24000 während sich im Small Blind die bildhübsche CECILIA PESCAGLINI befand, die mit meinem Angebot einverstanden war. Der Big Blind foldete, so stand ich dann im Heads Up gegen den Second Chipleader am Tisch. Flop: 4 8 8 Rainbow. Die ungläubige Dame feuerte eine Wette von 25000 in den Pot. Diese Bet hat mich beinahe erschrocken, was für eine Hand sollte ich ihr geben, wenn sie die 8 getroffen hat, hätte sie wahrscheinlich gecheckt. Entweder hatte sie die Vier getroffen oder ein Pocket Middlepair. Um die Lage direkt klarzustellen raiste ich kräftig  am Flop auf 85 000. Doch die Dame ließ das völlig kalt und machte den Call. Am Turn nun eine unangenehme Karte, das Ass. Sie checkte, um Pot Kontrolle zu betreiben, war mir das sehr recht. Der River brachte die Zwei, das Board immer noch Rainbow und sie feuerte 100 000 in die Mitte. Wegen ihrer Bet am Flop dachte ich: Sie hält ein Paar in ihren Händen, welches schwächer als meine Jacks ist und darum, Call. Leider zeigte sie A4, was ich nicht sehen wollte. CECILIA hatte einen tollen Lauf, und es war daher keine Überraschung, dass sie später den ersten Platz mit einem Preisgeld von 36 000 Euro für sich beanspruchen konnte.

Die hübsche Siegerin CECILIA PESCAGLINI



Eine Runde später erhielt ich am Button ein Paar: 9c9h. Der Tisch foldete erneut zu mir und ich wiederholte mein altes Lied; Raise auf 24000. Erneut callte CECILIA im Small Blind. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel schob der Big Blind (Marko della Monica – erfahrener langjähriger Pro) sein  Shortstack All-in. Es waren ca. 200 000, was nun? Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ca. 600 000 an Chips und begann tief nachzudenken. Die Pot-Odds waren ziemlich gut. Aber irgendwie hatte ich keine Lust, ein Drittel meines Chipstacks für einen eventuellen Coin-Flop zu riskieren. Nach langer Überlegung, verbunden mit Bauchschmerzen, hatte ich dann gefoldet wie auch die Dame im SB. Marko zeigte stolz A3. Dieser Fehler war im Nachhinein sehr teuer für mich.

Nach kurzer Zeit hatten wir endlich den Final Table mit neun Leuten erreicht.

Ich hatte etwa 480 000 Chips bei Blinds von 10000-20000/Ante 2000, was unter Average (circa 880 000) lag. In später Position bekam ich AhQs und raiste auf 45 000. Hinter mir brachte ein unbekannter junger Italiener mit rund 600 000 ein bedrohliches Raise auf 120 000, der Rest des Tisches foldete. Nun stand ich vor dem Dilemma.

a) Reraise All-in – In diesem Fall, wenn er callte – würden wir beide 5 Karten sehen und er verlöre den Positionsvorteil. Es war gut möglich, dass er mich in späterer Position mit einer schwächeren Hand als mein AhQs reraisen würde!

b) Call – großer Positionsvorteil für meinen Gegner, wenn ich aber nicht treffen würde, gäbe es Schwierigkeiten.

Aus Sicherheitsgründen hatte ich mich für den Call entschieden um den Flop zu sehen, auch weil ich dem Italiener keinen Range zuordnen konnte, womit er mich reraisen würde. Am Flop KcQd8s Rainbow,  checkte ich brav zu dem Preflop-Aggressor, und er gab mir den Check Behind. Hm? Hatte er da ein Paar Jacks oder Tens und hatte er bei diesem Flop Angst wegen den Overcards? Der Turn: 7s , welche den Flushdraw in Pik brachte. Der Pot war fast 290.000 groß und mein Gegner checkte sogar in Position. Angriff in diesem Moment war meine Pflicht. Mein erster Instinkt sag All-in für 360.000, was ein leichter Overbet war. Nun dachte ich: Ich werde schlau spielen und um noch größere Stärke zu zeigen brachte ich einen großen Teil meines Stacks in die Mitte, ca. 200.000 mit der Absicht: ,,Hey, bluff mich nicht, weil ich Pot-Committet bin!“

Ich erwartete natürlich einen Fold. Was für ein Schock: Wie aus der Pistole geschossen ging er All-In. Wow, da stand ich nun da wie ein begossener Pudel. Mit meiner großen Wette hatte ich ihm zwar signalisiert, dass ich committed war, jedoch begann ich nach diesem Schuss nachzudenken, was er für eine Hand haben könnte.

Mögliche Hände die er als Slowplay spielen konnte:

AA, AK, KK, QQ

Diese Hände machen mich komplett kalt. Wenn ich nun foldete mit meinen 160k left,  hätte ich immer noch eine Chance, in einem guten Spot All-In zu kommen, dachte ich. So stellte ich ihm die Frage: What do you have? Er sagte locker: I have a big hand, Sir, I will show you, no problem. Mit einer schweren Last auf den Schultern, hatte ich schlussendlich gefoldet. Und er zeigte mir wie versprochen etwas, was mich komplett aus der Spur warf, nämlich AQ off. Nach diesem riesigen Fehler wurde ich in der nächsten Hand, als ich mit As8s erfolglos versuchte die Blinds und Antes mit einem Al-in einzustreichen, aus dem Turnier gebustet. Schlussendlich hatte ich für den neunten Platz nach drei Tagen Kampf exakt 2090 Euro erhalten. Ein Kollege meinte ironisch: „Ivo, du hast nach drei Tagen hartem Kampf das Buy-In für das Main Event herausgeholt, während ich das selbe in drei Stunden bei einem One-Table-Satellite erreicht habe.“

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Das Main Event – 2200€ Buy in, 284 Spieler, erster Preiss 150.000€

Die Struktur? Wunderbar, so ungefähr wie bei der Mini IPT, nur mit 25.000 Startingstack. Ich konnte bis Level 5 mein Stack auf circa 67 000 aufbauen und war unter den Top drei Chipleadern. Dann passierte dies:

Level 5 150/300 und Ante 25. Ich saß am Button mit AsKs. Links von mir war ein extrem looser junger Italiener, der oft squeezte. UTG+1, der Second Chipleader (circa 60 000) eröffnete auf 775, alle foldeten zu mir, und ich stand vor dem bekannten Dilemma zu reraisen oder nur callen. Ich callte und es war keine Überraschung, dass der Small Blind auf 2750 reraiste. Nach kurzer Überlegung callte der Second Chipleader. Jetzt war die Situation extrem heiß. Im Pot lagen schon über 6000 und ich hatte keine Ahnung mit welcher Hand der UTG Raiser callte. Sollte ich nur callen oder kräftig reraisen um den Pot sofort einzustreichen? Ich dachte ich habe einen guten Stack und es wäre nicht schlecht, in Position den Flop zu sehen.

Der Flop war weich gesagt ein MONSTER: Ac7s2s (Top Paar mit Nuts Flush Draw), ich und der Second Chipleader waren irgendwie in dieses Board verliebt und hatten uns hoch geschaukelt, bis es nicht mehr ging. Leider war er mit seinem Set 22 vorne und das gewünschte Pik war nicht in Sicht. So wurde ich zum Short Stack und schied bald aus.

Im Nachhinein wurde mir klar, dass wenn ich mit meinem Monster AsKs preflop kräftig reraiste, den Pot sicher hätte gewinnen können, um dann als Chipleader das Turnier fortzusetzen….

Fazit: Turnier Poker ist manchmal brutal: Oft sieht man bei irgendwelchen Situationen zwei vernünftige Wege zur Fortsetzung aber im Nachhinein wird klar, dass nur ein Weg richtig war!

In meinem nächsten Blog werde ich über interessante Situationen von der Bodensee Championship berichten und wie ich mein Ticket beim Supersattelite für die Poker EM gewonnen habe. Bis bald

Euer Ivo,,The Chess Master“

P.S. Falls jemandem mein Blog nicht gefallen sollte, bitte ich einfach darum, diesen nicht mehr zu lesen oder wertungsfreie Kritik zu üben und die ,,anonymen“(!) und massiv respektlosen Kommentare zu unterlassen!

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