Der Ivo Donev Blog: Der letzte Schrei im Poker – Deep Stack Turniere

Hallo alle miteinander,

heute habe ich mir gedacht, dass es einmal interessant wäre, für Turnierspieler etwas mehr Licht in die Zukunft der Pokerturniere zu werfen.Da ich viele Turniere spiele, beschäftigte ich mich ausgiebig mit deren Strukturen. Eigentlich sind die Turnier-Strukturen ausschlaggebend für die Erhöhung oder Reduzierung des Glücksfaktors.

Die Deep Stack Turniere werden bei vielen Pokerspielern immer beliebter und allmählich beherrschen diese Turniere die Szene. Das ist logisch, denn die meistens Spieler möchten Spaß bei Pokerturnieren haben und nicht bereits nach kurzer Zeit auszuscheiden!

FAZIT: Genug Starting Chips + Genug Level Zeit + langsame Blind-Steigerung = größerer Spielraum und mehr Freude beim Spiel!

Dadurch aber vermindern sich die Gewinnchancen für Gambler und es erhöhen sich die Gewinnchancen für gute und geduldige Spieler!

Mit anderen Worten ausgedrückt: Turnier-Poker ist ein Wettkampf zwischen der Materie (den Chips) und der Zeit (den Levels). Somit wird man in Poker-Turnieren bei zeitlich fortgeschrittenem Spiel allmählich immer mehr unter Druck gesetzt.

Ein vorbildliches Beispiel ist Casino Austria. Dort gibt es bei jedem CAPT Event einige günstige Deep Stack Turniere mit Buy-in von €500 oder €800 aber mit 20.000 Startingstack. Diese Struktur hatte man kürzlich eingeführt. Es wurde damit an Spieler mit kleiner Bankroll gedacht, die nicht beim Main Event €2000 investieren wollen oder können.

Jetzt habe ich auf Basis der Blind Steigerungen bei den größten Pokerturnieren unsere Epoche, nämlich des Main Events des WSOP (Buy in 10k), der EPT (Buy in meistens 5k) und der WPT (Buy in meistens 3,5k) einen Vergleich angestellt. Die meisten großen Turniere starten extrem Deep mit M=200.

Zum Erinnerung: M – bezeichnet das Verhältnis ihres Stacks in Bezug zur aktuellen Gesamtsumme der Blinds und Antes!

In diese Tabelle sind nur die Summen bei jedem Level von Small Blinds + Big Blinds + Antes eingegeben. Auf Basis dieser Zahlen ist in EXCEL folgende Grafik entstanden:

Die unteren Zahlen zeigen die Levels, auf der linken Seite der Grafik geben die Zahlen die Summe SB+BB+Ante an.

Noch einige Details: Bei der EPT und der WPT spielt man Tag 1 mit nur Ein-Stunden-Levels und ab Tag zwei bei der EPT Eine Stunde-und 15 Min. Levels; bei der WPT werden es ab Tag drei Eineinhalb-Stunden-Levels. Bei der WSOP beginnt man von Anfang an mit 2 Stunden Levels. Aus der Sicht der Blindsteigerung ist die Struktur der EPT am besten weil am flachsten, also die langsamste Level-Steigerung! Für die Spieler ist aber von wichtigster Bedeutung, nach wie langer Zeit man in der ,,All-in Gefahr“ Zone landet. Es ist eine hypothetische Rechnung, falls man keinen Pot spielt und wenn zu uns, falls wir in den Blinds sind, immer gefoldet wird. Jetzt aber schneidet die WSOP dankbar mit Zweistündigen Level am besten ab. Erst nach 18 Stunden Spielzeit landen wir als Short Stack in der ,,All in Gefahr“ Zone.

Die allgemeine Regel mit kleinen Ausnahmen: Umso teurer das Buy-in für ein Turnier ist, desto besser ist die Struktur. Natürlich gibt es in letzter Zeit immer mehr billige Turniere mit Superstrukturen.

Ein sehr wichtiger Punkt ist auch, wie viel Zeit der Veranstalter für die jeweiligen Turniere geplant hat. Bei 1 Tages Turnieren ist es fast unmöglich eine gute Deep Stack Struktur anzubieten. So ist es logisch dass die EPT eine gute Struktur anbietet kann, denn das Turnier dauert ja 6 Tage.

Jetzt möchte ich den TV-Liebling EPT mit den vier anderen ,,günstigen „Turnieren vergleichen.

In dieser Tabelle sind wieder zwei Komponenten wichtig:

a) In welchem Level erreicht man die Zone ,,All-in Gefahr“? Ich sage, wenn mein M unter circa 10 fällt.

b)  Wie viel Zeit habe ich mit meinem Spiel, bis ich in dieser Zone lande?

Für die Online Spieler habe ich folgende Turniere in Excel eingegeben: Deep Stack beim Casino Austria (Buy in 500€ und 800€, 30 bzw. 40min Levels), die EPT (Buy in circa 5000€), und die drei bekannten Online-Turniere win2day, Big Sunday (109€) (Big Sunday win2day und CAPT Qualifikation haben fast die gleiche Struktur), Sunday Storm (11$) und Sunday Million(215$, 15 min Levels).

Aus der Grafik erkennt man, dass win2day, Big Sunday (15 und 20min Levels) und Sunday Storm (10 min Levels) die flachste Struktur haben, wobei win2day eine bessere Level-Zeit hat und ein klar schwächeres Turnierfeld. Sogar die CAPT Deep Stack Struktur, die auf der Grafik als sehr steil ab Level 16 ausschaut, hat man über fünf Stunden Zeit, bevor man in der ,,All in Gefar“ Zone landet. Man muss in Betracht ziehen, dass man bei Online-Turnieren im Schnitt mehr Hände zeitmässig bekommt als im Vergleich bei Live Turnieren! In diesem Fall kann man damit rechnen, dass man im Online-Turnier in 15 min. so viele Hände bekommt, wie im live Turnier in rund einer Stunde.

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Hier ein frisches Beispiel zum Beweis, dass bei Online Turnieren viel looser als bei Live Turnieren gespielt wird:

Ich spielte am 17. Januar, wie so oft am Dienstag, das CAPT Qualifikation auf win2day. Wir waren schon in Level 6, und von den gestarteten 44 Spieler (es gab sechs Preise) waren fast nur die Hälfte noch im Spiel. Nach einigen schlechten Entscheidungen und Bad Beats kam mein magerer Stack in die ,,All in Gefar“  Zone (M war weniger als 6). Ich bekamm am Button die Phill Helmuth Lieblings-Hand, zwei schwarze neuner 9c9s. An meinem Tisch gab es immer ein oder mehrere Limper. In diesem Pot war nur ein Limper, und ich dachte einen guten Pot zu pushen. Falls ich auf ,,Standart“ 450 raiste, was fast 25% von meinem Stack bedeutete und jemand mich all-in reraiste, gab es keinen Weg mehr zurück. Also gedacht getan, ich pushte all-in für 2.019 und bekamm nur einen Call vom  Small Blind, von  „feliceko“. Aber sehen sie selbst, was passiert war:

Nach dem Showdown war ich erstaunt, mit welcher Hand mein Gegner einen so ein großen Teil von seinem Stack riskiert hatte.Von einer Seite her war es OK, dass er gegen mein Paar 99 nur 4 hoch vorweisen konnte,von der anderen Seite aber hatte das Ergebnis mir nicht gefallen. Ob er mit Absicht oder aus Versehen gecallt hat, ist nicht entscheidend, viel wichtiger ist, dass ich solche ,,seltsamen“ Situationen online oft erlebe. Und Live? Hm, ehrlich gesagt diese Spielweise sah ich nur bei blutigen Anfängern und das auch ganz selten. Ah, so nebenbei, der ,,feliceko“ hat schlussendlich unter den besten vier Spielern landen können. Somit qualifizierte er sich für das Mein Event bei der CAPT Seefeld. Trotzdem war es mein bitteres Ende, herzliche Glückwünsch ,,feliceko“!

Für demnächst habe ich geplant, die Deep Stack Turniere in Seefeld zu spielen. Hoffentlich erlebe ich interessante Situationen, über die ich in meinem nächte Blog berichten werde.

NL Holdem ist eine Mode und ein leicht zu erlernendes aber sehr schwer zu beherrschendes Spiel. Ich glaube, viele neue Spieler denken nach ein paar Tagen: ,,Wow, ich kann NL Holdem spielen, es ist so einfach“. Das ist sehr trügerisch:  Man kann das Spiel in ein paar Tagen lernen, aber um es zu beherrschen braucht man viele viele Jahre!

Euer Ivo,,The Chessmaster“

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