Ray Bitar – Opfer der Justiz oder eiskalter Betrüger?


Ray Bitar reiste am vergangenen Montag nach New York, um sich der Justiz zu stellen. Das er festgenommen wird, war ihm klar. Das es eine neue Anklageschrift gegen ihn gibt, nicht. Bitar streitet alle Vorwürfe ab. Ein Schneeballsystem gab es nicht. Die Rückzahlung der Spielergelder war stets möglich. Der Deal mit PokerStars ist so gut wie Perfekt. Die Justiz sieht das jedoch anders.

Wie wir bereits berichteten, stellte sich Ray Bitar am Montagmorgen den amerikanischen Behörden. Ob es freiwillig war sei einmal dahingestellt, denn laut einem Bericht der Associated Press hatten die amerikanischen Behörden mit der irischen Regierung zusammengearbeitet und wären bereit gewesen Bitar auszuliefern, falls er sich nicht selbst gestellt hätte. Agenten überwachten ihn bereits während dem Flug zum John F. Kennedy International Airport nach New York, wo er unverzüglich verhaftet wurde.

Das Department of Justice veröffentlichte eine neue Anklageschrift gegen den ehemaligen Full Tilt CEO. Damit hat er nicht gerechnet. Justiz Assistant Arlo Devlin-Brow erklärte: „Die ursprünglichen Vorwürfen gegen Ray Bitar hätten nur wenige Jahre Gefängnis zur Folge gehabt.“ Doch mit den neuen Anklagepunkten „würde seine Strafe in Jahrzehnten“ gemessen werden. Das wären insgesamt 145 Jahre bei einem Schuldspruch in allen Bereichen.

Obwohl sich Bitar freiwillig stellte, bat Devlin-Brow das Gericht, eine Freilassung auf Kaution zu verweigern. Durch die neue Anklage sei die Fluchtgefahr zu groß, so das Argument der Staatsanwaltschaft. Richter Freeman prüfte die Sachlage und entschied, Bitar gegen eine Kaution von 2,4 Millionen Dollar auf freien Fuß zu setzen. $1.000.000 davon müsste Bar entrichtet werden.

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In der neuen Anklage wird speziell auf das Unternehmen Full Tilt Poker nach dem Black Friday eingegangen. Laut der Staatsanwaltschaft ermutigte er Spieler ausserhalb der USA, weitere oder neue Einzahlungen vorzunehmen und versichterte ihnen, dass ihr Geld in sicheren Händen sei. Weiter heisst es: „Full Tilt Poker war völlig abhängig von neuen Einzahlungen der Spieler, um Rückzahlungen vorzunehmen und die betrieblichen Aufwendungen zu decken.“ Des Weiteren bekräftige das DOJ ihren bisherigen Standpunkt, dass FTP nichts weiter als ein „globales Ponzi-Schema“ war. Bitar bestreitet alle Vorwürfe.

In der Anklageschrift wurde der Finanzbericht aufgegriffen. Dieser wurde im Juni 2011, zwei Monate nach dem Black Friday, erstellt. Darin geht hervor, dass FTP nur $2.100.000 an Mitteln zur Verfügung stehen hatte und dies bei ausstehenden Zahlungen von $29.100.000. Diese Summe ergab sich, obwohl die wöchentlichen Spielereinzahlungen acht bis neun Millionen Dollar betrugen.

Nachdem Ray Bitar gestern vor Gericht erschienen ist, gab er den Medien ein vorbereitetes Statement. Er bekräftigte nochmals sein Engagement die betroffenen Spieler auszuzahlen: „Ich glaube, wir sind fast am Ende eines sehr langen Weges. Ich habe hart an möglichen Lösungen gearbeitet, um die Gelder der Spieler zurückzuzahlen. Meine heutige Rückkehr ist ein Teil dieses Prozesses.“ Obwohl es zu einer kurzen, direkten Entschuldigung an die Spieler kommt, beteuert er, dass „sich Full Tilt nie einer Position befunden haben sollte, in der es nicht Möglich war, die Spielerkonten auszuzahlen.“

In einer Email an die Pocket Kings Mitarbeiter bestätigt der ehemalige FTP CEO, dass es laufende Gespräche mit dem einstigen Erzrivalen PokerStars gibt, um die Übernahme dingfest zu machen und in Folge daraus die Spieler ausbezahlt werden. Immer wieder betont Bitar, dass die Rückzahlungen „oberste Priorität“ für ihn haben. Weiter heisst es: „Wie die ganze Zeit schon, ist es für uns das wichtigste, alles mögliche zu tun, dass das passiert (die Auszahlung der Spielergelder). Hoffentlich geht unser Deal mit PokerStars in naher Zukunft über die Bühne, damit unser Ziel Realität wird… Wir haben uns mit PokerStars arrangiert, um alle Juli Gehälter zu garantieren. Sie sollten daher keine Bedenken haben während dieser Zeit zu arbeiten. Danach erwarten wir, dass Ihre Arbeitsverträge von dem Käufer übernommen werden.“

Zweifel an der Übernahme von PokerStars gab es die ganze Zeit und dies von allen Seiten. Das ist das erste offizielle Statement zu dem Deal, von einem der Hauptverantwortlichen. Man darf zuversichtlich sein, dass der Stein so langsam ins Rollen kommt.

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