Psychotische Zeilen – Hodenlose Pokerspieler – Patrick Partouche und mein verlorener Stolz

Da ist sie wieder diese unheilvolle Stimme in meinem Kopf. Und obwohl ich sie höre und obwohl ich weiß, das sie recht hat, schreibe ich was ich glaube schreiben zu müssen. Kaum einer wird mich verstehen und die wenigen, die mich verstehen werden den wohl den Kopf schütteln und dabei abschätzig die Mundwinkel nach unten ziehen. Was will der böse Mann aus Wien? Warum will er uns das nehmen, was uns gehört? Und wann sorgt Benjamin Kang endlich wieder für Ordnung bei Hochgepokert.com? Die ganze Pokerwelt ist erzürnt über den bornierten Patrick Partouche und sie ist ausnahmsweise mal zu recht erzürnt. Wer monatelang von fünf Millionen garantierten Euros schwadroniert, muss dann auch zahlen. Daran gibt es keinen Zweifel und da fühle ich mich in wohliger Eintracht mit der geschätzten Community. Zum Unterschied aber vom Rest der Pokerwelt ekeln mich Overlays und garantierte Preisgelder prinzipiell an. Bin ich nun Pokerspieler oder Clochard? Und wenn ich Geld brauche, will ich es mir von einem Mann ohne Ehre wie Patrick Partouche schenken lassen, oder doch lieber Papierkörbe in Peepshows ausleeren? Wozu gibt es denn parfümierte Gummihandschuhe. Den Dreck von der Seele kann man nicht so leicht wegwaschen und wer mir was schenken will, muss zweifelsfrei Klasse haben. – Bewerbungen bitte an die Redaktion. 

Den wenigen da draußen an den Internetgeräten, die so überhaupt nicht wissen, worüber ich mich echauffiere, empfehle ich die wie immer exzellente Berichterstattung unserer News-Redaktion. In der kürzesten aller Kurzzusammenfassungen, französische Casinogruppe garantiert großkotziges Preisgeld. Aus der ganzen Welt reisen Spieler an und trotzdem reicht es dann „nur“ zu €4.200.000 und somit müsste der Veranstalter zweifelsfrei die fehlenden €800 000 dazupacken aus eigener Tasche. Stattdessen wird getrickst, gelogen, es werden Spuren verwischt und ein wahrscheinlich unschuldiger Marketingdirektor wird als Bauernopfer abserviert. Alleine für die herablassende Art und den Satz: „I know to write, if you don´t know to read its your problem“ könnte man Patrick Partouche schon ins Gesicht spucken und wer sich vor den drei schwulen Bodyguards fürchtet ist selber schuld. Nur wer sich mit den Hunden ins Nest darf sich über Flöhe nicht wundern oder so ähnlich. Charakterdefizite gehören doch bei reichen Bonzen zur Grundausstattung. Die schlaueren verstecken sie besser und Patrick Partouche greift zum Mikrophon, weil er glaubt schlauer zu sein, als die anderen. Was definitiv nicht stimmt, auch wenn sie jetzt – wie es scheint – zurückrudern, obwohl die Partouche-Gruppe auf der Insel der Lauterkeit garantiert keinen Landeplatz mehr finden wird.  – Genug vom menschlichen Unrat. Kommen wir zurück zu uns Pokerspielern. 

Der große Kölner Philosoph und Bruchpilot Eddy Scharf hat uns in seinen berühmten Wiener Thesen quasi die komplette Hodenlosigkeit unterstellt. Und selbstverständlich hat Eddy Scharf recht. Der moderne Pokerspieler an sich lässt sich willenlos filetieren und ausnehmen. Jeder gefüllte  Truthahn leistet mehr Widerstand und übersteigt die Wehrhaftigkeit von klassischen eierlosen Zockern. Solange Casinobesitzer nicht versuchen bei €32-Pots €34-Rake zu versenken, wird es keinerlei Proteste geben und sogar für den Fall findet sich noch einer, der die zwei Euro aus eigener Tasche bezahlt. Hauptsache der Floorman markiert die Treuekarte fürs Stundenspiel pünktlich. Die einzige Rache, die bleibt ist das Overlay. Quasi der Triumph des Teilzeitsüchtigen über den Vollzeitausbeuter. Es gibt sie tatsächlich diese Overlay-Jäger mit den kleinen Notizbüchern und den nekischen Turnierkalendern. Dann wird kalkuliert und gerechnet. Fahre ich nach Wiener Neustadt, bleibe ich im Montesino? Muss man in Eisenstadt vielleicht extra was drauflegen und finde ich in Bratislava ein Casino, wo ich ein Pokerkäppchen aus 100% Polyester bekomme, wenn ich willenlos dreihundert Mal den Jackpot-Einer abgedrückt habe? – Ein richtiger Pokerspieler spielt dort wo die hübschesten Kellnerinnen arbeiten und nirgendwo anders. Er lässt sich nicht passiv filetieren, um dann einmal ein paar Taler retourniert zu bekommen, sollte sich irgendwer irgendwo verkalkuliert haben und dann auch zahlen, was zu zahlen ist. 

In Cannes gab es den temporären Wortbruch, dann hat wohl einer der niedrigen Patrouche-Chargen  kalkuliert und irgendwann kam man dann zum Schluss, dass es in dem Fall kein Entrinnen gibt und man zahlt jetzt wohl, was immer zu zahlen war. Sicher nicht, weil man ein schlechtes Gewissen gehabt hätte, oder weil man sich dem eigenen Wort verpflichtet gefühlt hätte. Irgendwer hat wohl den potentiellen Schaden des Schurkenstreiches ausgerechnet und dann hat man einsichtslos klein beigegeben. Wir Pokerspieler haben den Schaden aber schon und der lässt sich nicht mehr so leicht aus unseren Köpfen eliminieren. Früher hatten wir einen hohen Coolheitsfaktor. Irgendwo zwischen Stuntman, Linksaußen und Autotestpilot. Das Unglück begann mit dem Online-Bonus für gespielte Hände, steigerte sich zum Rakeback und endet bei den Overlay-Jägern. Früher war ich so verdammt stolz Pokerspieler zu sein. Ich habe das den Leuten erzählt, bevor sie mich überhaupt gefragt haben- In your face!  Wenn mich heute jemand fragt, was ich so treibe, antworte ich „Journalist“ und manchmal setze ich ein „Putzmann in der Peepshow“ hinterher. Aber nur an Tagen, an denen ich ein klein wenig imponieren möchte. 

Götz Schrage 

PS: Update: Gestern Nacht spielte ich mit sieben Serben Dealers Choice. Es war lang nach Mitternacht und es kam dieser strebsame serbische Dealer an unseren Tisch. „Meine Herren, bitte nur deutsch sprechen“ und sieben serbische Augenpaare blickten leicht irritiert. Mir gegenüber saß einer, den ich seit zwanzig Jahren kenne und der sich seit zwanzig Jahren mit der selben Tönung die  Haare färbt. „Bist du auch irgendwie Jugo. Ist egal“. „Ist egal“ antwortete ich und hatte mein Stolz wieder  zurück. Genau darum geht es als Pokerspieler und um nichts anderes. 

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