Das Balkan-Open Desaster – Gartenbach ist schuld – Die Chefin und ihre kleine Poker-Nischenseite

Ein wirklich schwieriger Text. Gleich mit der ganzen Welt möchte ich mich anlegen und muss doch gleichzeitig aufpassen, dass mich die ganze Welt dann noch mitspielen lässt. Schuld ist Udo Gartenbach und das Concord Card Casino Lugner-City. In umgekehrter Reihenfolge und graduell mit unterschiedlicher Schuldschwere. Das Balkan Open mit den Stargästen Besim Hot und Dragan Galic war ein Desaster, dafür gefällt mir Udos Song „Ich war noch niemals ITM“ umso besser. All das hängt irgendwie zusammen. Ist quasi Teil der großen Verschwörung und ich mittendrinn. Warum, wieso und auf welche satanische Art und Weise das alles zusammenhängt, wird in diese Kolumne präzise erklärt. Möge die Übung gelingen!

Eigentlich liebe ich das Concord Card Casino Lugner-City, als wäre es mein eigenes und wenn die Männer in den schwarzen Anzügen so weiter arbeiten, kann ich es mir wahrscheinlich auch bald mit dem Weihnachtsgeld von Hochgepokert kaufen. Es ist dort wirklich schön, wirklich sauber und gepflegt, die Dealer sind gut, die Kellner freundlich und man bekommt tatsächlich was man bestellt hat. Sogar die Security arbeitet perfekt. Eigentlich fast verpflichtend mein Lieblingscasino, wäre da nicht diese massive Untüchtigkeit, die mich als alten Casinohasen in den Wahnsinn treibt. Mit großem Getöse und über Monate bei Facebook angekündigt hätte letzte Woche die „Balkan Open“ stattfinden sollen. Eine amüsante Idee am perfekten Ort im perfekten Bezirk, draußen jenseits des Wiener Gürtels, wo man problemlos mit serbisch oder türkisch auskommt und deutsch maximal als erste lebende Fremdsprache gilt. Selbstverständlich war ich am ersten Tag gestellt zum €80 Sideevent. Neben mir bei der Registrierung ein Inder, ein Jude und zwei verlorene Österreicher. Wir kaufen unsere Tickets, weil wir uns das Unvorstellbare nicht vorstellen können. „€10.000 steht fett am Flyer und ein dezentes „estimated“ verziert das große Geld. An der Bar stehen estimated drei weitere Interessenten. Aus rein dienstlichen Gründen lausche ich der Unterhaltung. Der eine Junge glaubt an den Weihnachtsmann und die keineswegs garantierten €10 000, der zweite ist so wie ich und will einfach Turnier spielen und der dritte glaubt an gar nichts mehr. Eine Spezies aus dem Hades der Casinoevolution, quasi einer der Geister, die man rief und mit denen man sich jetzt auch rumschlagen muss. Da ich diese unbekannte und wildlebende  Art an der Bar entdeckt habe erlaube ich mir die etymologisch abgeleitete Namensgebung und nenne ihn den „Homo Elendos Lugnerus“ aus der Familie der habichtartigen Casinogeier. Präzise steuern sie auf die Turnierkadaver von gescheiterten Events zu in der Hoffnung auf einen Cashgame-Gutschein.  – Dragan Galic kommt. Der Inder geht. Der Jude schämt sich und will keinesfalls mit einem Gutschein gedemütigt werden. Dragan geht auch rasch wieder. Ich will so einen Gutschein aus journalistischer Neugier und bekomme keinen. Immer wenn einer der wichtigen Männer in den dunklen Anzügen in meiner Nähe ist rufe ich halblaut „zahlen“, weil ich will, dass jemand meinen Kaffee bezahlt. Ein wenig korrupt möchte ich sein, um die Kolumne nicht schreiben zu müssen.

Apropos – was für eine bösartige und doch moralisch fundierte Überleitung zu unserem Mitbewerber, der schon lange keine Konkurrenz mehr ist, sondern einfach nur noch „auch da“. Natürlich abgesehen von solchen Lichtgestalten wie Udo Gartenbach. Ich kann lachen, und Lachen ist gesund. Ergo ist Udo gesund und ich versäume keiner seine Kolumnen. Jetzt singt er sogar noch und das ist schon fast wieder rezeptpflichtig. Trotzdem ist Gartenbach schuld, dass ich dann auch über andere Artikel stolpere. Kürzlich las ich folgenden spannenden Artikel mit spannender Headline: „Angst vor dem Overlay? Die Concord Million II wird zum Re-Entry Event“. Donnerwetter dachte ich mir. Kritische, mutige Zeilen und schlüssige Fragen. Höchst unüblich auf einer Seite, die sonst nur weltweit zum Bashing freigegebenes kritisiert und nicht einmal da als Erster, weil ja doch noch irgendwer irgendwie beleidigt sein könnte und man um ein Gratis-Ticket oder Gott behüte eine zu recht gefürchtete „Exklusiv-Live Coverage“ umfallen könnte. Nun der Ausflug in den Mut und der Sidestep zum aufrechten Journalismus war nur ein kurzer bei unserem Mitbewerber, der keiner mehr ist im eigentlichen Sinne. Schon in den Kommentaren wurde schneller zurück gerudert als es der siegreiche deutsche Ruderachter in London vermocht hätte.  – In meiner Sucht habe ich am nächsten Tag wieder auf „Ich war noch niemals ITM“ geklickt. Wenn es hoffentlich bald eine CD von Udo Gartenbach gibt, werde ich sie zum Subskriptionspreis bestellen. Der verhängnisvolle Blick auf die anderen Texte im vorbeilesen und da ist sie wieder die Firma, wie ich sie kenne und wie ihr die Leser reihenweise davonlaufen, weil sie schlauer sind als die „Chefin“. Unter „Concord Million II – Heiße Diskussionen um den Re-Entry“ wurde wieder auf den Modus Propaganda gewechselt. Bis zum Anschlag dort wo niemals Licht hin scheint und wo das Geld zuhause ist. – Genau daran musste ich denken in diesem Moment an der Bar der Lugner-City zwischen dem Juden und dem Cashgame-Gutschein Hunter. Bitte kauft mich, ich bin auch käuflich war mein Gedanke, aber er wurde nicht erfüllt und deswegen schreibe ich jetzt weiter an dieser Kolumne. Und wer daran schuld ist? Glasklar Udo: „Ich war noch niemals ITM. Ich war noch niemals vorn dabei. Ging nie zum Cashout-Schalter in zerissenen Jeans. Ich war noch nie am letzten Tisch. Ich bin ein riesengroßer Fisch“. – Chapeau!

Nächster Tag, Main Event der „Balkan Open“ mit estimated €20 000 Preisgeld. Bei der Registratur estimated niemand außer meiner Wenigkeit. Ich will den Titel und ich will,dass das Turnier startet. Noch mehr Männer in dunklen Anzügen und mit wichtigen Gesichtern beraten sich wie das passieren konnte, was immer passieren wird wenn man alles falsch macht. Im 15. Wiener Bezirk kein Balkan Open zusammen zu bringen ist ähnlich dämlich, wie am Strand von der Copacabana keine Mädchen mit langen Beinen zu finden, die ein klein wenig tanzen können. –  Legenden werden gestrickt von wegen das Montesino sei schuld mit seinem 100k Garantierten Preisgeld. Logisch, wenn am anderen Ende von Wien ein großes Turnier stattfindet, stellt man den Betrieb ein. Besim Hot soll später kommen. Ich werde da sein. Besim ist eine Granate und jeden Umweg wert und hat das wirklich nicht verdient. Ich nütze die Zeit und besuche einen dieser kleinen Pokerklubs. Ein Kellerlokal, ein steiler Abstieg und drei volle Turniertische plus Warteliste. Würde nur die Großmutter von Dragan Galic kommen, müssten sie acht Tische auf die Straße stellen ohne Garantiesumme und wenn sie Besim Hot in weiblicher Begleitung ankündigen könnten, wäre es ratsam gleich das Viertel abzustellen. Im Pokerklub sind sie mit dem Herzen dabei. Im Concord Lugner-City tragen sie perfekt gebügelte Hemden. In der Nacht gewinnt immer Herz gegen Hemd. Deswegen bin ich ja noch dabei.

Zwei Stunden später komme ich wieder. Ich bin halt genau in dem Herzen ein treuer Concordianer und ich werde es immer sein. Irgendwas Nettes will ich noch schreiben. Vielleicht Besim Hot zu einem inoffiziellen Heads-up Triathlon um die Balkan Open herausfordern. Armdrücken (gewinnt Besim), Limit Holdem (gewinne ich) und dann das Finale unter der Gelddusche. Zu viert wird am Omaha-Tisch gespielt. Besim winkt mir mit seiner herzlichen Art zu. Ich nähere mich und werde vom ersten schwarzen Anzug mit gebügeltem Hemd aufgehalten. „Bitte nicht den Omaha-Tisch stören. Auf keinen Fall.“  Ich erkläre mein Anliegen und betone, dass ich mich dreimal angemeldet habe. Ferner versichere ich, dass sich Besim freuen wird mich zu sehen. „Bitte jetzt nicht den Tisch zerstören, weil nur dieser Tisch kann jetzt noch die Balkan Open retten“. Ungläubig wiederhole ich die Worte in meinem Kopf und denke an die kleine Kirche in der Meiselstraße. Vielleicht sollten die Männer in den schwarzen Anzügen am Heimweg ein kleines Kerzlein anzünden, dass niemand auf die Idee kommt das schönste Casino zu kaufen und mich zum Chef macht. Der Jude an der Bar um den sich niemand gekümmert hat,  könnte sich das mit links leisten. Aber der wird das nicht machen und ich würde das auch nicht machen. Ich ziehe weiter ins Gürtel Poker Casino fünf Minuten zu Fuß. Voller Tisch und ein Stückchen Balkan Open wie es sein soll. Sogar der Chinese kommt aus Sarajewo und flucht wie ein Jugo fluchen muss. Nebenan vor dem Cafe Gül steht eine wunderschöne Frau mit elendslangen Beinen. Ich grüße die Security und gehe nach Hause. Schließlich bin ich Journalist und ein Journalist muss schreiben, was er schreiben muss und nicht dass, was er glaubt, was den wichtigen Leuten gefällt. 

Götz Schrage

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