Leaving Las Vegas – Die Cardrooms sterben weg!

Las Vegas. Das Zocker Paradies. Gambling Schmelztiegel mitten in der Wüste,  Pokerzentrum der vergangenen Jahrzehnte, Pilgerstätte für Kartenenthusiasten und Heimat unzähliger Cardrooms. Kaum eine Stadt hielt in den letzten Jahren die Poker Fahnen so hoch wie „Sin City“, kaum eine Stadt, deren Namen im Zusammenhang mit „Poker Mekka“ öfter fiel, an deren Pokerbegeisterung sich mehr der oft beschriebene Pokerboom ablesen ließ. Doch das Hoch scheint vorbei. Die Casinos folden ihre Cardrooms. Ein Trend, der in Vegas schleichend aber beständig die Runde macht.


Zur gleichen Zeit, als am 15. April 2011 US Bundesagenten die Räumlichkeiten der drei größten Online Pokerräume stürmten und ein normaler Freitag als „Black Friday“ in die Pokergeschichte einging, feierte das legendäre „Tropicana“ in Las Vegas die Neueröffnung seines Pokerrooms. Während Agenten Computer und Unterlagen beschlagnahmten und die Internetseiten schlossen, feierte in der fernen Wüste Nevadas die Führung des Tropicana Casinos ihr geplantes Comeback an die Spitze der größten Casinos des Las Vegas Strip. Doch nur eineinhalb Jahre Später tauscht das „Tropicana“ den grünen Filz ihrer Pokertische, gegen die funkelnden Farben von Slot Machines. Der Cardroom wurde letzten September geschlossen und durch Spielautomaten ersetzt.

 

Eine aus pokertechnischer Sicht traurige Geschichte. Und der Tropicana-Poker-Fall ist nur einer von vielen und ähnlichen Vegas-Cardroom-Schicksalen. Allein in den letzten zwei Jahren haben Acht Cardrooms ihre Türen geschlossen. Seit dem behördlichen Schlag gegen Internet Gambling scheinen sich viele der Casinos von ihren Pokerräumen zu distanzieren. War es vor wenigen Jahren noch Gang und Gebe, Texas Hold’em als das Zugpferd der „neuen“ Pokerbewegung zu inszenieren und darüber Stammspieler zu gewinnen, scheint man neuerdings dem abnehmenden Pokerboom zu folgen und auf lukrativere Spiele umzusatteln. Längst wird wieder auf Slot Machines und Roulette gesetzt. Poker war zwar nie so lukrativ wie andere Casino Games, doch durch den Pokerboom Anfang 2000 waren die Pokerspieler Hauptzielgruppe für die großen Casinos um Stammspieler zu generieren.

„Ich denke, die Faszination für Poker lässt nach“, so William Thompson, der Autor des Buches „Gambling in America“ gegenüber der australischen Zeitung „Sydney Morning Herald“. Mit dieser Meinung ist er nicht allein und dieser Trend scheint sich fortzusetzen, schaut man sich beispielsweise die Teilnehmerzahlen des WSOP Main Events an, an dem 2006 noch fast 9.000 Spieler teilnahmen, während in den Folgejahren nur ein einziges Mal die 7.000er-Grenze überschritten wurde. Nach dem Black Friday verlor Poker zusätzlich viel Ansehen in der Öffentlichkeit. Gefeierte Pokerhelden wurden schnell wieder in die Ecke der schummrigen Hinterzimmer Partien oder der illegalen Online Grinder gesteckt. Viele der Vegas Casinos zogen daraus ihre Schlüsse und vertrauen neuerdings bei der Gewinnmaximierung lieber wieder auf einarmige Baditen als auf kartengebende Dealer.

Im Moment scheint es so, als verschiebe sich das Pokerzentrum der Welt, das viele Jahre in der Wüste lag, in Richtung anderer Standorte wie etwa Macau und Vegas wird wieder zu „Slot Machines Heaven“. Doch letztendlich werden die 6 Wochen geballte Pokeraction im Sommer, wenn wieder Tausende nach Vegas stürmen um Teil der größten Turnierserie der Welt zu sein zeigen, wie es um die ehemalige Pokerhauptstadt der Welt tatsächlich bestellt ist.

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