Star-Anwalt und High Stakes Player Tom Goldstein zu 6 Jahren Haft verurteilt!

Tom Goldstein vor Gericht

Koffer voller Geld, millionenschwere Geschäftsleute, Hollywood Stars und ein Katz- und Maus-Spiel mit den Steuer- und Zollbehörden. Der Stoff aus dem die Geschichte um Tom Goldstein gesponnen ist, könnte mehrere Hollywood-Blockbuster füllen. Die Saga um den Top-Anwalt und mysteriösen High Stakes Poker Player Tom Goldstein ist seit Freitag vorerst an einem Schlusspunkt angelangt. Da wurde der US-Amerikaner laut Bloomberg Law zu 6 Jahren Haft, plus 5 Jahren Bewährung unter Aufsicht und $3,1 Millionen Schadensersatz verurteilt. – Natürlich hat der 56-Jährige mit seinen Star-Anwälten vor, dagegen Einspruch eingelegt, vorerst führt jedoch kein Weg mehr an die Pokertische, sondern erst einmal in ein Staatsgefängnis.

Der mysteriöse High Stakes Player „Thomas“

In 12 von 16 Punkten schuldig gesprochen

Nach den im Februar erhobenen Anklagepunkten auf Steuer- und Hypothekenbetrug, wurde der 44-fache Oberste-Gerichtshof-Anwalt zu 6 Jahren Haft verurteilt. Zuvor hatte die US-Bezirksrichterin Lydia Kay Griggsby seine Kaution aufgehoben, und in damit in Gewahrsam genommen. Die Verkündung nahm Goldstein im Gericht mit hinter dem Rücken gefesselten Händen entgegen, seine Eltern waren unter den Zuschauern im Gerichtsaal.

6 Jahre Freiheitsstrafe gehen über den vorgeschlagenen 5-Jahre-Deal hinaus

Die 6 Jahre Freiheitsstrafe plus 5 Jahre in denen sich Goldstein regelmäßig bei der Polizei melden muss, gehen über die 5 Jahre hinaus, die die Staatsanwaltschaft Goldstein zuvor in einem Deal angeboten hatte, den er ablehnte.

Die Staatsanwaltschaft hatte das Höchstmaß an 8 Jahren Freiheitsstrafe gefordert, Goldstein hatte dagegen beantragt, entweder eine längere Bewährungsstrafe mit Auflagen oder teilweise Hausarrest zu erhalten, damit er sich wegen seiner Spielsucht einer psychologischen Behandlung unterziehen könne.

In 12 der 16 Anklagepunkte war Tom Goldstein schuldig gesprochen worden: In einem Punkt wegen Steuerhinterzieheung, jeweils in einem Vergehen wegen vorsätzlicher ausgelassener Steuerzahlung in vier Jahren, in drei Punkten wegen falscher Angaben in Kreditanträgen, und in vier von acht Anklagepunkten der Beihilfe zur Erstellung falscher Steuererklärungen.

Neuauflage des Prozesses und Vertagung wurden abgelehnt

Das von Goldstein beabsichtigte Neuaufrollen des Prozesses wurde von der Richterin Griggsby im Juni abgelehnt, da es in diesem Fall „keine knappe Entscheidung“ geben würde, und auch die Geschworenen nie angezeigt hätten, dass sie Schwierigkeiten haben würden ein Urteil zu fällen.

Über 15 Verhandlungstage hatten die Geschworenen Beweise und Aussagen im Gericht in Greenbelt, Maryland, vorgelegt bekommen. U.a. gab es auch einen Auftritt von „Spiderman“ Tobey Maguire, dem Tom Goldstein bei der Eintreibung von $7,8 Millionen Pokerschulden beim legendären Andy Beal behilflich war. Anderthalb Tage sagte Goldstein selber vor der Jury aus.

Bei der Festlegung des Strafmaßes berücksichtigten die Richter die Umstände der Straftat, die laut Staatsanwaltschaft vorsätzlich und systematisch gewesen sei. U.a. habe Goldstein bewusst Kreditgeber angelogen, als er erfahren hatte, dass gegen ihn ermittelt wird. Zivilrechtliche Sanktionen gegen ihn hätte er als „zu vernachlässigende Kosten des laufenden Geschäfts“ betrachtet. – Auf der anderen Seite hätte Goldstein mildernde Umstände zu erwarten, da er nicht vorbestraft war. Als Ersttäter könne man ihn laut Staatsanwaltschaft bei den wiederholten Betrugsvorgängen jedoch nicht wirklich einstufen.

Goldsteins Worte zur Urteilsverkündung

„Es steht außer Frage, dass ich Menschen zutiefst enttäuscht habe, dass ich mich nicht an Standards gehalten habe, an die ich als Anwalt und prominenter Anwalt gehalten werden sollte, dass ich Menschen echten Schmerz zugefügt habe, dass ich das Vertrauen von Menschen verraten habe, die mich wirklich geliebt haben“, sagte Goldstein.

Staatsanwältin attestiert Goldstein falsches Spiel

Kelly Hayes, US-Staatsanwältin für den Bezirk Maryland erklärte: „Thomas Goldstein baute eine herausragende juristische Karriere auf, indem er argumentierte, dass die Rechtsstaatlichkeit wichtig sei. Doch, wie die Beweise vor Gericht zeigten, entschied er sich wiederholt, genau dieses Prinzip zu seinem eigenen finanziellen Vorteil zu verletzen.“ – Diejenigen, die das System absichtlich betrügen und für den eigenen finanziellen Gewinn lügen würden, würden immer zur Rechenschaft gezogen, stellte Hayes klar.

Goldstein und seine Verteidigung wollen in die Berufung gehen

Dass die Festnahme Goldsteins durch die Aufhebung der Kaution wirklich ein vorläufiger Schlusspunkt unter dem Poker-Schauspiel sein könnte, ist zu bezweifeln. Denn bereits am Mittwoch stellten Goldsteins Anwälte, zu denen auch die ehemalige US-Generalstaatsanwältin Elizabeth Prelogar gehört, den Antrag auf Entlassung, bis über die Berufung entschieden sei. Gegen die von Richterin Griggsby getroffene Entscheidung werde Goldstein im Eilverfahren beim Vierten Bundesberufungsgericht Berufung einlegen.

Tom Goldstein

Zu den geheimgehaltenen Gegnern gehörten u.a. Spiderman Tobey Macguire und Jungleman Dan Cates

„Spiderman“ Tobey Maguire

Lange war nicht klar, gegen wen Tom Goldstein die horrenden Summen im Heads-Up gewonnen hatte, doch im Gegensatz zu den „erzählten gewinnen“ seines guten Freundes Dan Bilzerian, gab es die finanziellen Pokererfolge von Tom Goldstein wirklich. Zu seinen lange in den Akten geheimgehaltenen Gegnern zählten u.a. die Hollywood-Stars Tobey Maguire oder Kevin Hart.

$50 Millionen Gewinn aus privaten Heads-Up Matches

Von den Milliardären Alec Gores und Andy Beal soll Goldstein allein $77 Millionen gewonnen haben, von den nicht näher bekannten asiatischen High Stakes Gamblern „Chairman“ und „Tango“ weitere $23 Millionen. Zu den größten Verlusten von Tom Goldstein gehörten $14 Millionen, die er gegen den Amerikanischen Immobilien-Mogul Bob Safai verlor. Zu Goldsteins Gegnern in den privaten Runden gehörten auch der Tech-Investor Chamath Palihapitiya und auch Poker-Ikone Daniel „Jungleman“ Cates.

Gecoacht wurde Tom Goldstein von Andrew Robl und Keith Gipson.

QuelleBloomberg Law
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Jan Schwarz

Jan Schwarz hat in Bamberg, Hannover und an der DJH in Aarhus (DK) Journalistik studiert. Er schreibt seit drei Jahrzehnten für Tageszeitungen, Sportmagazine und Sportagenturen. Vor allem seine Recherchearbeit zeichnet ihn aus. Seit 2006 war er für fast alle gängigen Pokermedien im Einsatz, u. a. als Chefredakteur von „donkmag“ und „Pokerblatt“. Am Pokertisch war und ist er rund um den Globus an den Turniertischen zu finden. Im WSOPE Main Event 2008 in London war er als 42. bester deutschsprachiger Teilnehmer. – Neben Poker verfolgt der sportbegeisterte Redakteur vor allem Motorsport, Radsport, Tennis und Politik. Außerdem ist er im Bereich Trading Cards und Collectibles ein wandelnder Almanach.