Der deutsche Automatenkönig Paul Gauselmann ist tot!

Paul Gauselmann (GER)

Der Merkur Gründer Paul Gauselmann ist am Freitag im Alter von 91 Jahren im Krankenhaus Lübbecke verstorben. Der Spielautomatenpionier hatte die weltweit die Glücksspielbranche und auch regional den Altkreis Lübbecke mit dort über 2.000 Beschäftigten und zahlreichen Investitionen in Kultur und Infrastruktur maßgeblich geprägt.

Paul Gauselmann Merkur

Merkur-Gründer mit 91 Jahren verstorben

Wie sein Unternehmen, die Merkur Group, mitteilte, ist ihr Gründer kurz vor seinem 92. Geburtstag gestorben. Paul Gauselmann hinterlässt seine Ehefrau Karin, vier Söhne, neun Enkel und sieben Urenkel, außerdem einen internationalen Konzern mit etwa 15.200 Beschäftigten. Der am am 26. August 1934 in Borghorst bei Münster geborene Gauselmann hatte aus einem 1-Mann-Unternehmen den Marktführer im Spielsektor gemacht. Laut eigener Aussage war die Zeit des Zweiten Weltkriegs, die er als Kind in Münster erlebt hatte, ausschlaggebend dafür, dass er seine Leidenschaft fürs Spielen entdeckte. Er hatte die Erfahrung gemacht, dass zwischen Bombenangriffen Spiele den Menschen geholfen hätten ihr Angst zu besiegen und für Ablenkung zu sorgen.

Seine Ausbildung zum Fernmelderevisor, einem Kommunikationstechniker, schloss der Westfale als Klassenbester ab. Dabei zeigte sich schnell, dass er er Geräte nicht nur warten, sondern auch weiterentwickeln wollte. Sein erstes Patent sollte eine Wählscheibe für Wurlitzer-Musikboxen werden, über 300 weitere sollten folgen. Als Techniker der Firma Harting führte ihn sein Weg ins ostwestfälische Espelkamp, wo er bereits mit 26 Jahren Leiter der Entwicklungsabteilung für (Musik-)Automaten wurde.

Daneben stellte er bereits eigene Musikboxen auf und ging schließlich 7 Jahre später mit 30 Jahren in die Selbstständigkeit. Mit 15 Angestellten betrieb er an etwa 300 Standorten Musikautomaten. Dabei zeigte sich bereits ganz klar seine Philosophie, nicht darauf zu warten, dass sich ein Markt entwickelt, sondern zu versuchen, diesen selber zu entwickeln.

Aufgang der Merkur Spielotheken Sonne 1974

Ab 1970 gesellten sich zu den Musikboxen auch Spielautomaten. 1974 eröffnete Gauselmann dann in Delmenhorst seine erste eigene „Casino Merkur-Spielothek“. Der große Durchbruch kam schließlich als er im Alter von 43 Jahren 1977 seinen ersten eigenen Glücksspielautomaten entwickelte, den „Merkur B“. Der Erfolg des Geräts brachte weitere technische Entwicklungen, Spiele und Automaten mit sich, die bereits alle Gauselmanns Markenzeichen zierte – die lachende Merkur-Sonne.

Gauselmann Spielautomat "Merkur B"
„Merkur B“

Der Erfolg seiner Automaten ging über die Grenzen des Landes und auch des Kontinents hinaus. 1998 durfte Gauselmann als erster europäischer Automatenhersteller seine Geräte auch im US-Bundesstaat Nevada aufstellen. Seitdem lachen einen auch beim Las Vegas Besuch die vertrauten Merkur-Sonnen an.

Gauselmann Automaten-Imperium wird zum Merkur Casino- und Wettimperium

Von nun an waren die Spielfelder des Espelkampers vielfältig. Neben den selbstproduzierten Glücksspielgeräten, eröffnete er Spielstätten, kaufte sich bei Spielbanken ein, oder kaufte diese komplett, wie 2021 die WestSpiel-Casinos. Sportwetten- und Online-Angebote sollten ein weiteres großes Standbein der international expandierenden Unternehmensgruppe werden. Im vergangenen Jahr erzielte sie einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro. Die Unternemensgruppe sollte bis 2024 seinen eigenen Namen tragen, ehe die Gauselmann Gruppe zur Merkur Group und die Gauselmann AG zur Merkur.com AG wurde. Bis zum 1. Oktober 2024 bekleidete er 90-jährig das Amt des Vorstandssprechers. Auch nachdem Gauselmann nach 67 Jahren quasi in den Ruhestand gegangen war, arbeitete er noch zwei Tage in der Woche am Firmensitz in Espelkamp.

Fluch und Segen – Gauselmann als Inbegriff des Automaten-Glücksspiels

Paul Gauselmanns Interesse galt nicht nur der Technik und der Entwicklung von Glücksspielautomaten, sondern auch den Arbeitsbedingungen, der Lobby und dem Image der gesamten Automatenbranche. Früh engagierte er sich in Branchenverbänden, nach Angaben der Merkur Group über 38 Jahre hinweg, davon 28 als Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie.

In dieser Funktion war er immer wieder in den politischen Regulierungsprozess der Glücksspielbranche eingebunden. Hier konnte er sowohl Anliegen der Branche in Neuregelungen einfließen lassen, musste aber auch gegen (neue) Gesetzgebungen kämpfen. Als Name und Gesicht der Branche schlugen ihm Bewunderung auf der einen Seite, und Kritik auf der anderen entgegen.

Als führende Kraft der deutschen Automatenhersteller war er auch das Synonym dafür, dass Glücksspiel in der Mitte der Gesellschaft angekommen war. Was auf der einen Seite ökonomischen Erfolg und Arbeitsplätze in dem umstrittenen Wirtschaftszweig mit sich brachte, bedeute auf der anderen auch viele bittere Einzelschicksale von Spielsüchtigen, die jetzt an allen Orten mit den verschiedensten Formen von Glücksspiel in Kontakt kamen.

Diesen Spagat zwischen Heils- und Unheilsbringer musste Paul Gauselmann Zeit seines Lebens machen.

TV-Doku über Paul Gauselmann

Sponsor, Mäzen, Förderer

2016 brachte Paul Gauselmann sämtliche Unternehmensanteile in die Gauselmann-Familienstiftung ein. Damit ist gewährleistet, dass die Merkur Group auch nach seinem Tod in einer Hand bleibt. Seit 2024 hat sein Sohn Michael den Vorsitz im Vorstand und Aufsichtsrat.

Über die Paul-und-Karin-Gauselmann Stiftung förderte Paul Gauselmann mit seiner Frau Karin etliche Sportmaßnahmen, Kulturprojekte, soziale und medizinische Einrichtungen, und war auch als Unterstützer mit der Merkur-Sonne auf dem ein oder anderen Sport-Trikot zu sehen, wie dem vom Handball-Bundesligisten TuS-N-Lübbecke. Nach eigenen Angaben hatte die Gauselmann-Stiftung bis zum Beginn des Jahres 2025 insgesamt rund 5 Millionen Euro an circa 2.500 Projekte, Vereine und Privatpersonen während ihres 25-jährigen Bestehens ausgeschüttet.

Auch der Autor dieses Artikels wurde im Rahmen seiner sportlichen Tätigkeiten von der Gauselmann-Stiftung unterstützt, u.a. mit einer €500-Spende an die Jugendabteilung des lokalen Sportvereins.

Die von seiner Frau Karin und Sohn Armin geleitete Stiftung spendete 2019 zum 85. Geburtstag von Paul Gauselmann 85.000 „Bäume fürs Leben“, Laubbäume die in ganz Deutschland als Zeichen im Kampf gegen den Klimawandel gepflanzt wurden.

Die Verbundenheit zur Region, dem Altkreis Lübbecke, zeigte sich auch in der Finanzierung von zwei Kitas in Espelkamp für rund 6 Millionen Euro oder Zuwendungen für die Städte seiner beiden Hauptstandorte Espelkamp und Lübbecke in Höhe von 8,7 bzw. 5 Millionen Euro.

Für sein unternehmerisches und gesellschaftliches Engagement erhielt Paul Gauselmann 2003 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Die Städte Lübbecke und Espelkamp ernannten ihn jeweils 2004 zu ihrem Ehrenbürger. Bis zuletzt lebte der Geschäftsmann, der beruflich weniger auf Glück als auf Arbeit setzte, in der Region Espelkamp.

Abschied von Paul Gauselmann auf dem Schloss Benkhausen

Ein Stück lokalen Kulturgutes rettete Paul Gauselmann 2010 vor dem Verfall, als er das 500 Jahre alte Schloss Benkhausen kaufte. Er ließ es umfassend restaurieren und richtete dort ein Schulungs- und Veranstaltungszentrum samt Hotel ein. Außerdem ist es unter der Leitung von Sohn Armin jetzt die Heimat des Deutschen Automatenmuseums mit der Sammlung Gauselmann. Dort kann man vom „Merkur B“ aus dem Jahre 1977 bis hin zu den neuesten Jackpot-Maschinen anschaulich die Entwicklung sehen, die die Gauselmann-Automaten genommen haben, dank des Erfindergeistes und Mutes ihres Namensgebers.

Deutsches Automatenmuseum Schloss Benkhausen (Foto: Esp1982)
Deutsches Automatenmuseum Schloss Benkhausen (Foto: Esp1982)

Für all diejenigen, die sich von Paul Gauselmann verabschieden, ihre Trauer bekunden oder der Familie Beileid aussprechen möchten, liegt im Foyer des Herrenhauses täglich von 7 bis 19 Uhr ein Kondolenzbuch aus. Darüberhinaus ist an der Paul-Gauselmann-Statue im Innenhof eine Gedenkstätte eingerichtet worden, an der Blumen oder Gestecke niedergelegt werden können. Am Brunnen werden außerdem einige Lieblingslieder des Verstorbenen abgespielt wie „My Way“ von Frank Sinatra, „So schön war die Zeit“ von Freddy Quinn oder „Wo meine Sonne scheint“ von Catarina Valente, was Paul Gauselmann zeitlebens begleitet hat.

Schloss Benkhausen mit Unternehmerfamilie Gauselmann - Enkeltochter Sonja, die Söhne Armin, Michael und Karsten (sitzend) sowie das Ehepaar Karin und Paul Gauselmann (Foto: Gauselmann AG)
Schloss Benkhausen mit Unternehmerfamilie Gauselmann – Enkeltochter Sonja, die Söhne Armin, Michael und Karsten (sitzend) sowie das Ehepaar Karin und Paul Gauselmann (Foto: Gauselmann AG)