
Bankroll Start: 5.000,- Euro, Aktuell: 23.064.70 Euro
Mit dem starken Comeback von Maria Sakkari, die ihr Spiel gegen Robin Montgomery noch drehte, ist der Bankroll um 512,- Euro gestiegen. Sie lag sogar mit 2:6 und 0:4 zurück, bevor sie sich am Ende mit 7:5 und 6:2 durchsetzte. Ausschlaggebend war vor allem die deutliche Verbesserung ihres Aufschlags. Im ersten Satz hatte sie beim zweiten Aufschlag lediglich einen von zwölf Punkten gewonnen.
Am Mittwoch geht es bei den US Open mit der zweiten Runde weiter. Dabei wartet auf die erst 18-jährige Österreicherin Lilli Tagger eine ganz große Herausforderung. Mit Amanda Anisimova, der Weltranglistenzehnten und letztjährigen US-Open-Finalistin, bekommt sie es mit einer äußerst schweren Gegnerin zu tun.
21:00 Uhr Lille Tagger – Amanda Anisimova
Mein Tipp: Lilli Tagger Quote 5.5 für 164.70 Euro
Nach ihrem 2:0-Auftaktsieg gegen Tamara Korpatsch muss vor allem die Konstanz bei der erst 18-jährigen Österreicherin deutlich besser werden. Gegen Korpatsch führte Lilli Tagger bereits mit 6:0 und 4:0 und hatte bei 40:15 sogar zwei weitere Breakbälle. Doch plötzlich kippte das Match. Korpatsch kämpfte sich zurück, gewann fünf Spiele in Folge und lag auf einmal mit 5:4 vorne. Bei 6:5 hatte die Deutsche sogar zwei Satzbälle.
Diese wehrte Tagger jedoch mit großer Nervenstärke ab und rettete sich ins Tiebreak. Dort lag die Österreicherin ebenfalls mit 1:4 zurück, ehe sie erneut eine beeindruckende Aufholjagd startete. Tagger gewann sechs Punkte in Folge und drehte den Tiebreak noch zum 7:4. Damit sicherte sie sich nach einem zwischenzeitlich völlig offenen zweiten Satz doch noch den 2:0-Sieg.
Am Mittwoch wird sie voraussichtlich auf einem der großen Plätze gegen Anisimova antreten müssen. Dort darf sie sich solche Leistungsschwankungen allerdings nicht erlauben. Die Qualität bei Lilli Tagger ist zweifellos vorhanden. Sie hat sehr viele Stärken und spielt zudem eine hervorragende Saison. Mit 30:17 Siegen, davon 24:8 auf ihrem Lieblingsbelag Hartplatz, auf dem sie in diesem Jahr bereits die Turniere in Prag und Fujairah gewinnen konnte, ist sie für diese Aufgabe bestens vorbereitet.
Ihre Form stimmt, und sie kann für Anisimova zu einer ganz unangenehmen Gegnerin werden, wenn sie ihre Nerven im Griff behält. Normalerweise ist genau das eine ihrer großen Stärken. Gegen Korpatsch war davon allerdings phasenweise wenig zu sehen. Trotz ihrer erst 18 Jahre gilt Tagger als nervenstark, und genau diese Mentalität hat sie bereits bis auf Platz 49 der Weltrangliste gebracht.
Für mich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie den Sprung in die Top 20 schafft. Spätestens in der kommenden Saison traue ich ihr auch den Sprung in die Top 10 zu. Das Potenzial für die ganz großen Plätze – bis hin zu den Top 3 – ist aus meiner Sicht ebenfalls vorhanden. Der Mittwoch wäre eine hervorragende Gelegenheit, dies auf der großen Bühne gegen eine Spielerin wie Anisimova zu zeigen.
Die ehemalige Junioren-US-Open-Siegerin Amanda Anisimova fühlt sich unter den lauten Bedingungen in Flushing Meadows sichtlich wohl. 2017 gewann sie als Juniorin das Turnier in New York und setzte sich im Finale mit 6:0 und 6:2 gegen Cori Gauff durch.
Die mittlerweile 25-Jährige spielt auch in diesem Jahr eine gute Saison mit 21:11 Siegen, davon 16:8 auf Hartplatz. Hartplatz und Rasen gehören zu ihren bevorzugten Belägen. Ihr kompromissloses „Alles-oder-nichts“-Spiel, verbunden mit enormem Druck von der Grundlinie, macht sie auch bei den US Open zu einer ernsthaften Außenseiterin auf den Titel.
Taggers Chance liegt für mich nicht darin, Anisimova in einem reinen Power-Tennis-Match zu überbieten. Genau das wäre vermutlich der falsche Ansatz. Anisimova kommt über enormes Tempo von der Grundlinie und hat gerade gegen Krueger gezeigt, wie schnell sie ein Match übernehmen kann. Sie gewann 6:1, 6:3 und schlug dabei 25 Winner.
Wo Lille Tagger Anisimova wehtun kann
1. Anisimovas Rhythmus stören
Tagger sollte versuchen, nicht permanent im gleichen Tempo mit Anisimova zu spielen. Variationen bei Höhe, Länge und Tempo können wichtig sein. Wenn sie Anisimova ständig dieselben Bälle gibt, wird die Amerikanerin wahrscheinlich den ersten Schlag übernehmen.
2. Die Rückhandseite attackieren
Anisimovas Rückhand ist zwar eine ihrer größten Waffen, aber Tagger sollte trotzdem versuchen, sie immer wieder in Bewegung zu bringen und nicht zu viele einfache Bälle in ihre bevorzugte Schlagzone zu spielen. Entscheidend ist weniger wo der Ball landet als wie unbequem die Position für Anisimova ist.
3. Anisimova laufen lassen
Das ist meiner Meinung nach ein ganz wichtiger Punkt. Anisimova liebt es, den Ball früh zu nehmen und Druck zu machen. Tagger muss deshalb versuchen, die Amerikanerin aus ihrer komfortablen Position zu bewegen. Besonders wichtig: nicht zu viele kurze Bälle.
4. Auf ihre Chancen beim Aufschlag gehen
Tagger wird vermutlich nicht viele Breakchancen bekommen. Wenn sie welche bekommt, muss sie sie nutzen. Gleichzeitig muss ihr eigener Aufschlag stabil sein. Anisimova darf nicht ständig mit dem ersten oder zweiten Return sofort die Initiative übernehmen.
5. Das Match mental lange offenhalten
Hier sehe ich vielleicht Taggers größte Chance. Sie ist erst 18, aber bereits Nummer 49 der Welt und hat in dieser Saison gezeigt, dass sie auch auf Hartplatz sehr stark ist. Gegen Korpatsch hat sie zweimal große Rückstände im zweiten Satz bzw. Tiebreak gedreht. Genau diese Fähigkeit kann gegen Anisimova enorm wertvoll sein.
Der entscheidende Punkt
Anisimova ist natürlich klarer Favorit – sie ist Nummer 10 der Welt und erreichte im vergangenen Jahr das US-Open-Finale. Außerdem hat sie in Runde eins mit 6:1, 6:3 einen sehr überzeugenden Eindruck hinterlassen.
Aber: Tagger muss nicht besser spielen als Anisimova. Sie muss Anisimova aus ihrem Wohlfühlbereich bringen.
Wenn Tagger ihr eigenes Spiel durchzieht, wenig Fehler macht und vor allem nicht wieder solche Konzentrationslöcher wie gegen Korpatsch hat, sehe ich durchaus die Möglichkeit, dass sie Anisimova zumindest in einen engen Satz zwingt. Und wenn sie den ersten Satz gewinnt oder lange offen hält, kann der Druck plötzlich auf der Favoritin liegen.
Taggers Chance liegt in ihrer Variabilität, ihrer Beinarbeit und ihrer mentalen Stärke. Sie darf Anisimova nicht das schnelle, geradlinige Power-Tennis geben, das die Amerikanerin liebt. Je länger Tagger die Ballwechsel offenhält und je häufiger sie Anisimova aus ihrer idealen Schlagposition bringt, desto größer wird ihre Chance auf die Überraschung.
Die hohe Quote von 5.50 ist in meinen Augen viel zu hoch und ein Versuch wert.









