
Große Pokerturniere leben von Superlativen – riesige Felder, gewaltige Preispools, Rekordzahlen. Beim der World Series Of Poker Paradise wurde in diesem Jahr genau das erreicht: Das $25.000 Super Main Event sammelte beeindruckende $72 Millionen ein und stellte damit einen neuen Rekord für ein Turnier außerhalb des WSOP Main Events in Las Vegas auf.
Ein zentraler Faktor dabei: Re-Entries. Und genau hier beginnt die Diskussion.
Wenn ein Buy-in nicht das Ende ist
Offiziell lag die Garantie des Turniers bei $60 Millionen – bereits eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Dass am Ende sogar $72 Millionen zusammenkamen, lag weniger an einer Explosion neuer Spieler, sondern vor allem daran, dass viele Teilnehmer mehrfach nachkauften.
Branchenkenner Kevin Mathers veröffentlichte dazu eine aufschlussreiche Zahl:
Im Schnitt kaufte sich jeder Teilnehmer 2,7 Mal ins Turnier ein. Rechnet man das herunter, bedeutet das, dass nur rund 1.070 unterschiedliche Spieler tatsächlich am Start waren.
Das wirft eine grundsätzliche Frage auf:
Wächst Poker – oder nur die Zahl der Buy-ins?
Kritik aus der Community – nicht aus Neid
Die Kritik am Re-Entry-Modell kam dabei nicht von außen, sondern direkt aus der aktiven Pokerszene. Spieler wie Nadya Magnus äußerten offen ihre Enttäuschung über die Struktur. Auch Mustapha Kanit, der selbst mehrere Re-Entries nutzte, sprach das Thema an.
Der Kern der Kritik:
Unbegrenzte Re-Entries verschieben das Risiko. Wer über ein großes Budget verfügt, kann aggressive Lines spielen, Fehler machen – und einfach erneut kaufen. Für Spieler mit nur einem oder zwei Versuchen fühlt sich das Feld dadurch oft ungleich an.
Zwischen Fairness und Chance
Gleichzeitig gibt es auch Stimmen, die genau darin einen Vorteil sehen. Matt Salsberg, Drehbuchautor und ehemaliger WPT Player of the Year, brachte es differenziert auf den Punkt: Er verzichtete bewusst auf das Turnier – spürte aber dennoch FOMO, als er den Livestream verfolgte.
Sein Argument:
Das Re-Entry-Format ermögliche Comebacks und „Spin-ups“, die es in klassischen Freezeouts kaum gibt. Ein einzelner guter Lauf könne selbst nach mehreren Fehlstarts alles verändern.
Auch Bob Mather, Ehemann von Lexy Gavin-Mather, die es deep im Turnier machte, sieht Re-Entries weniger als Problem, sondern als Option: Niemand müsse sie nutzen – aber jeder könne.

Wer nutzt das System wirklich?
Dass vor allem Spieler mit sehr tiefen Bankrolls das Modell maximal ausschöpfen, ist kein Geheimnis. Ein prominentes Beispiel ist Daniel Negreanu, der offen darüber sprach, wie selbstverständlich mehrere Re-Entries auf diesem Level seien.
„Für manche ist das faktisch ein $300.000-Turnier“, erklärte er. Er selbst habe zehn Buy-ins investiert – und sei damit noch nicht einmal an der Spitze gewesen. Andere Spieler hätten noch häufiger nachgelegt.
Damit wird klar:
Re-Entries sind kein Nebeneffekt, sondern integraler Bestandteil der Turnierökonomie auf diesem Niveau.
Die unbequeme Wahrheit
Ohne Re-Entries wäre der $72-Millionen-Preispool schlicht nicht möglich gewesen. Sponsoren, Medien und Veranstalter feiern solche Zahlen – und aus ihrer Sicht zurecht. Für viele Spieler jedoch bleibt ein ambivalentes Gefühl zurück.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob Re-Entries „gut“ oder „schlecht“ sind, sondern:
Für wen ist dieses Format eigentlich gemacht?
Fest steht: Solange Turniere dieser Größenordnung wirtschaftlich nur mit mehrfachen Buy-ins funktionieren, wird sich daran wenig ändern. Und die Wahrscheinlichkeit, dass das Super Main Event im nächsten Jahr kleiner ausfällt, ist – unabhängig von der Garantie – äußerst gering.







