
Die Debatte über die Zukunft des Online-Glücksspiels in Österreich nimmt weiter Fahrt auf. Während Teile der Politik über eine Öffnung des Marktes diskutieren, verteidigt der Glücksspielkonzern Casinos Austria das bestehende System mit Nachdruck. Aus Sicht des Unternehmens ist das staatlich kontrollierte Monopol ein wichtiger Bestandteil des Spielerschutzes – und keineswegs der Grund dafür, dass viele Spieler auf nicht lizenzierte Angebote ausweichen.
Tausende illegale Glücksspielseiten im Netz
Nach Angaben des Konzerns sind mehr als 2.000 illegale Glücksspielseiten täglich erreichbar. Diese Plattformen konkurrieren mit dem einzigen legalen Online-Anbieter des Landes, Win2Day.
Casinos Austria sieht darin jedoch kein Argument für eine Marktöffnung. Statt zusätzliche Lizenzen zu vergeben, müsse der Staat konsequenter gegen illegale Betreiber vorgehen. Als zentrale Instrumente nennt das Unternehmen IP-Blocking – also das Sperren von Webseiten – sowie Zahlungsblocking, bei dem Geldtransaktionen zu illegalen Plattformen unterbunden werden.
Österreich als Ausnahme in Europa
Innerhalb der Europäischen Union ist Österreich mit seinem Modell inzwischen eine Ausnahme. Nur noch zwei EU-Staaten verfügen über ein Online-Glücksspielmonopol.
Trotzdem warnt Casinos-Austria-Chef Erwin Van Lambaart davor, die Situation mit anderen Märkten zu vergleichen. Beispiele wie Schweden, die Niederlande oder Deutschland würden zeigen, dass auch liberalisierte Systeme weiterhin mit illegalen Anbietern kämpfen. Glücksspiel könne nicht wie gewöhnliche Konsumgüter behandelt werden, argumentiert Van Lambaart – anders als bei Autos oder Kaffee gehe es hier um ein besonders sensibles Angebot.
Kritisch äußerte sich der Manager auch zu Stimmen aus der Suchtforschung, etwa vom Anton-Proksch-Institut, die sich für mehr Wettbewerb ausgesprochen haben. Eine größere Zahl an Anbietern würde zwangsläufig mehr Werbung, intensiveren Wettbewerb und aggressivere Bonusangebote bedeuten – Entwicklungen, die aus seiner Sicht den Spielerschutz schwächen könnten.
Zukunft der Spielbanken steht zur Debatte
Parallel zur Online-Diskussion steht auch die Zukunft der landbasierten Casinos auf der politischen Agenda. In Österreich müssen die Lizenzen für 12 Casinos neu ausgeschrieben werden.
Casinos Austria schlägt vor, die Standorte in einem oder zwei Paketen zu vergeben. Dadurch soll verhindert werden, dass Interessenten sich nur die wirtschaftlich attraktivsten Spielbanken sichern und weniger profitable Häuser außen vor bleiben. Der Konzern selbst hat bereits signalisiert, sich erneut um alle Standorte bewerben zu wollen.
Regierung sucht nach einer Lösung
Die politische Entscheidung über die Zukunft des österreichischen Glücksspielmarktes steht noch aus. Innerhalb der Regierung gibt es unterschiedliche Positionen: ÖVP und Neos zeigen sich eher offen für eine Liberalisierung, während die SPÖ am bestehenden Monopol festhalten möchte.
Die Zeit drängt jedoch. Die Ausschreibung der Lizenzen gilt bereits als überfällig, weshalb die aktuellen Genehmigungen vorerst verlängert werden müssen. Zusätzlich plant die Regierung die Einrichtung einer unabhängigen Glücksspielbehörde, deren Aufbau noch einige Zeit in Anspruch nehmen dürfte.
Erste Ergebnisse der politischen Verhandlungen werden bis Ende März erwartet. Spätestens im Sommer soll feststehen, in welche Richtung sich der österreichische Glücksspielmarkt künftig entwickelt.









