Lederer und Ferguson – Gierige Vergangenheit und schäbige Zukunft – Wenn ich mal bei Günter Jauch sitze

„That’s right, Dude, they peed on your fucking rug“ – The Big Lebowski

Howard Lederer wird in die Geschichte  eingehen als dümmster und gierigster Pokerspieler aller Zeiten. Den Titel nimmt ihm keiner mehr. Chris „Jesus“ Ferguson wäre zwar zugegeben ein möglicher Kandidat, allerdings fehlt es dem an der entscheidenden Erfahrungen. Howard Lederer war schon im Gefängnis und er wird es bald wieder sein und das ist auch gut so. Und Chris „Jesus“ Ferguson kann seine tuntigen Zaubertricks aus der Abteilung  – – Hut trifft unschuldiges Gemüse  – zukünftig am bunten Abend in Leavenworth oder San Quentin zum besten geben. Ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll mich zu ärgern. So unendlich viel zu besitzen und so unendlich gierig zu sein, alles wieder zu riskieren. Den beiden hat sicher an nichts mehr gefehlt in diesem Leben. Schnelle Autos, schicke Villen und funkelnde Kreditkarten. Aber wer zwanzig Millionen hat braucht unbedingt fünfzig und schnell muss es gehen wie im Rausch des weißen Pulvers. Mehr, mehr, immer mehr und mehr, weil dann ist man König der Welt und nimmt sich, was sich ein König glaubt nehmen zu dürfen. Alles.

Full Tilt und kein Ende der schlechten Nachrichten. Da meint man, man wüsste schon alles und dann offenbart sich eine weitere schmutzige Wendung. Anfänglich war noch Platz für romantische Interpretationen der Faktenlage. Ein gesundes weltweit operierendes Unternehmen gerät in Schwierigkeiten und schuld sind einmal mehr die engstirnigen amerikanischen Behörden. Dabei wurde der Full Tilt-Karren wohlmöglich nur wegen überhöhter Geschwindigkeit angehalten. Dumm halt, wenn der Fahrer auf Drogen ist. Der Beifahrer Papiertüten mit gestohlene Millionen am Schoß hält und die zwei halbwarmen Leichen im Kofferraum verschnürt liegen. Allerdings fragt man sich, waren Lederer und Ferguson tatsächlich so naiv und dachten, das könne gut gehen auf die Dauer? Oder hatten sie komplett aufgehört zu denken und einfach alles genommen, was sie nur irgendwie nehmen konnten? Wie soll man im Nachhinein von all den Schlachten und „Battles“ an den großen Tischen bewerten? Und wer soll den Schaden am weltweiten Image von Online-Poker bezahlen, wenn die Betrüger von Full Tilt Poker nicht mal die finanziellen Mittel haben die Spielerguthaben von Wuppertal und Wattenscheid Süd auszubezahlen?

Howard Lederer und Chris „Jesus“ Ferguson waren immer aufdringlich nah dran an den Spielern. Ich war dabei und es hatte schon was von Gänsehaut. Alle  klatschen, johlen und stampfen mit den Füßen und die Idole marschieren ein wie die Helden von heute. Ein ekeliges Gefühl und gerade mal ein Jahr her. Da wurden Autogramme geschrieben, Schultern geklopft und jeder wollte sich quasi mit jedem fotografieren lassen. Ganz ehrlich, ich war damals absoluter Howard Lederer Fan. Der ist ein wenig so wie ich, dachte ich mir. Das passt und Respekt hat er allemal verdient der Howard. Jetzt bin ich fast froh, dass es kein gemeinsames Foto gibt. Man hat ja schließlich einen Ruf zu verlieren und trotz aller Toleranz, man betrügt nicht die Kids, die einem zujubeln und man steckt sich auch nicht deren Geld ein, wo man ihnen per Rake ohnedies genug wegnimmt auf den Micro-Limits. Doppelt Pfui Teufel und möge die Strafe gewaltig sein. Dabei hätten sie ja noch ihre Chance gehabt. In der USA kann man ja Deals machen mit den Behörden. Die Position des Kronzeugen ist bereits mit diesem dreckigen Bankier besetzte, also bliebe nur noch der Weg nach vorne für Lederer und Ferguson. Alles Geld zurückzahlen, was veruntreut wurde. Die Strafe auch noch abdrücken und dann versuchen wieder nach oben zu kommen. Howard kann bei mir als Dealer anfangen und ein Quartier besorge ich ihm auch. Man muss ja irgendwie zusammenhalten.

Dabei haben die beiden uns immer erfolgreich das Gefühl vermittelt, Full Tilt sei so eine Art Online-Casino von Spielern und für Spielern. Ich erinnere mich an ein Interview mit Ferguson. Damals habe ich sinngemäß gefragt wegen seiner sympathisch bescheiden wirkenden $10 000 Challenge (soweit ich mich erinnere, ging es darum aus $10 eben $10 000 zu machen über kleine Sit and Goes.). Jedenfalls wollte ich es genau wissen, ob er denn wirklich alle Hände selber spielen würde. „Sure“ antwortet Ferguson. Klar spiele er alle Hände selber bei der Challenge, auch auf den kleinen Turnieren selbstverständlich. Und dann der Satz: „Alles andere wäre ja Betrug“. – Wo bitte geht es zum nächsten Kotzkübel?

Eines noch, hat man ein Bracelet für immer und kann einem ein WSOP-Titel auch wieder aberkannt werden? Nach dem enormen Schaden, den Ferguson und Lederer mitverursacht haben wohl eine berechtigte Frage und für mich habe ich das längst entschieden. Sollte ich jemals bei Günter Jauch am Stuhl sitzen und die Frage lautet: „Wer gewann das Main Event der WSOP 2000?“ werde ich auf T.J. Cloutier beharren. Ganz egal, ob der Telefonjoker mir das erlaubt und das Publikum mit 98% für Chris „Jesus“ Ferguson votiert. – Vielleicht sehen sich Lederer und Ferguson das auch an. Ich hoffe der Fernseher hat eine Bilddiagonale von 24cm und ist fix an die Wand montiert. Gleich neben dem ebenfalls fix montierten Ablagebrett und schräg gegenüber von der rundum einsichtigen Toilette.

Götz Schrage

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