Black Friday: Ist Poker tatsächlich ein Glücksspiel?

The Prosecutors, the Bankers, and the Suicide BusinessThe Prosecutors, the Bankers, and the Suicide Business“ – Der Black Friday war wohl einer der schlimmsten Tage für die Online Poker Industrie. Es wird noch lange dauern, bis sich die Lage beruhigt hat und der Rechtsstreit dauert immer noch an. Das US-Justizministerium hat die Fristen für die Verantwortlichen bei den Poker Rooms einmal mehr verlängert und bisher sind Chad Elie und John Campos die Einzigen der Angeklagten, die Stellung bezogen haben.

Die beiden US-Amerikaner gelten als mutmaßliche Drahtzieher und werden verantwortlich gemacht, den US-Spielern ermöglicht zu haben, bei Poker Rooms ein- und auszuzahlen. John Campos und Chad Elie gingen jedoch in die Offensive und reichten Ende September eine Klageabweisung ein.

Eines ihrer Argumente ist die ‚Tatsache‘, dass Poker überhaupt kein Glücksspiel ist und sie somit nicht gegen den Unlawful Internet Gambling Enforcement Act (UIGEA) oder den Illegal Gambling Business Act (IGBA) verstoßen haben.

PokerStars und Full Tilt Poker sind keine ‚illegalen Glücksspiel Betriebe‘ im Sinne des IGBA, weil sie überhaupt kein Glücksspiel anbieten“, so die Stellungnahme, die die beiden Bankiers beim Department of Justice einreichten.

Die Staatsanwälte („federal prosecutors“ ) beim DoJ haben sich nun zur Klageabweisung gemeldet und widersprechen den Finanzdienstleistern in allen Punkten. Ob Poker nun ein Geschicklichkeitsspiel ist oder nicht, sei nicht von Belang, denn der UIGEA wurde dahingehen abgeändert. Anstelle von „hauptsächlich eine Sache des Zufalls“ ist nur noch die Rede von „eine Sache das Zufalls“. Des weiteren halten die Staatsanwälte an den Anklagepunkten wie Geldwäsche und Finanzbetrug fest.

Chad Elie und John Campos waren die Verantwortlichen bei der SunFirst Bank in St. George (US-Bundesstaat Utah). Über diese Bank liefen viele Transaktionen zwischen Spielern und Poker Rooms. Insgesamt sollen es über $200 Millionen für PokerStars und Full Tilt Poker gewesen sein. Doch das Finanzinstitut entwickelte sich zu einem Desaster, vergleichbar mit einem ‚finanziellen Selbstmord‘.

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Wie nun bekannt wurde, bereicherte sich Chad Elie persönlich und soll mehrere Millionen für sich abgezwackt haben. PokerStars Gründer Isai Scheinberg zog ihn zur Verantwortung und konnte ihn dazu bringen, einen Anteil wieder zurückzugeben.

Die Rechnung ging dennoch nicht auf, denn die Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC) meldete sich im November 2010 zu Wort und stoppte das Business. Elie versuchte noch zwei neue Banken im US-Bundesstaat Illinois zu gründen, doch das FDIC griff auch dort ein.

Für Full Tilt Poker war es besonders hart. Um die Kunden nicht zu verlieren, gewährte man den Spielern einen Kredit, der zu den rund $128 Millionen an Phantomgeld führte. Kombiniert mit den Zahlungen an die Anteilseigner, war dies letztendlich der finanzieller Todesstoß für FTP.

Für die SunFirst Bank folgte das Ende im Übrigen gerade erst letzte Woche. Das Utah Department of Financial Institutions (Anm. unter der Aufsicht des FDIC) meldete am Freitag den Konkurs der Bank an. Kurios ist auch, dass die SunFirst nicht nur wegen Chad Elie und John Campos Verbindungen zur Pokerwelt hatte und für negative Schlagzeilen sorgte.

Im Februar 2011 wurde bekannt, dass Millionenbetrüger Jeremy Johnson reichlich erschwindelte Gelder über die SunFirst fließen ließ. Johnson soll über $275 Millionen ergaunert haben und einige Millionen an den High Stakes Tischen der Online Rooms verzockt haben.

Der Rechtsstreit zwischen dem US-Justizministerium und den Angeklagten wird sich noch in die Länge ziehen. Während John Campos und Chad Elie recht aktiv sind, scheinen sich die anderen erst warm zu machen. Unter anderem hat Chris Ferguson nun erst einen Rechtsvertreter ernannt.

Am Rande sei noch erwähnt, dass das DoJ die Fristen für die Poker Rooms, ihre Ansprüche sowie Antworten auf die Beschlagnahmungen im Rahmen des Black Friday geltend zu machen einmal mehr verlängert hat. So soll sich unter anderem Full Tilt Poker bis zum 14. November melden und wir dürfen gespannt sein, ob bis dahin auch der Deal mit der Groupe Bernard Tapie über die Bühne gegangen ist. Laurent Tapie hatte zumindest Anfang November angekündigt, dass es maximal 15 Tage dauern soll.

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