Er holt seinen 5. WM-Titel mit Shotclock … aber (noch) nicht im Poker

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Magnus Carlsen

Die Mindgamer schauen derzeit nach Samarkand in Usbekistan, wo in zwei Turnieren jeweils $60.000 aus dem $350.000 Preispool auf den Sieger warten. Nichts allzu Großes wenn man auf die Preispools der internationalen Pokerturniere schaut. Eigentlich – wäre das Turnier nicht die Weltmeisterschaft, die Sportart Schach und der große Superstar der Szene, Magnus Carlsen, auf dem Weg zu seinem 5. Schnellschach und 7. Blitzschach Titel. Die Entscheidung um den ersten fiel bereits gestern nach 3 Spieltagen…

13 Partien, verteilt über 3 Spieltage, lagen bei der offenen Schnellschach-Weltmeisterschaft vor den Teilnehmer*innen, die zur Teilnahme mindestens eine ELO-Zahl von 2.500 oder einen nationalen Titel vorweisen mussten. Schnellschach ist zwischen dem normalen Schach (meist 2h Bedenkzeit für die ersten 40 Züge) und dem Blitzschach (meist 5 Minuten Bedenkzeit für die gesamte Partie) beheimatet und erlaubt den Spieler*innen 15 Minuten Bedenkzeit für die ganze Partie. Die besten deutschen Chancen wurden dem Vizeweltmeister des Vorjahres, Vincent Keymer, zugerechnet. Aber auch wenn die komplette internationale Elite am Start war, auf jemand anders als Sieger als Magnus Carlsen, aus dem unibet Poker Team, wollte so richtig niemand setzen.

Schach Weltmeister Magnus Carlsen (SWE)

Der Norweger, der in den letzten Jahren immer mehr seine Liebe zum Poker entdeckt hat, startete mit 4,5 Punkten aus 5 Partien (Sieg=1 Punkt, Remis=9,5 Punkte, Niederlage=0 Punkte) überragend in das Turnier. Nachdem er mit diesem Zwischenergebnis Tag 1 abgeschlossen hatte, waren Medien, Zuschauer und Spieler überrascht, dass nach Tag 2 Carlsen nur 7/9 Punkte aufweisen konnte und damit punktgleich mit Vladimir Fedoseev (SLO) und Yangyi Yu (CHN).

Fedoseev, Yu und Carlsen punktgleich vor dem Finaltag

Am Finaltag zeigte der 33-jährige Titelverteidiger jedoch klar, warum kein Weg an ihm vorbei führt und gewann mit 10/13 Punkten seinen 5. Schnellschach-WM- und insgesamt 17. Weltmeistertitel (5 im Schach, 5 im Schnellschach, 6 im Blitzschach, 1 im Chess960). Zweiter wurde der Slowene Fedoseev mit 9,5/13, Dritter der Chinese Yu mit 9/13. Vincent Kaymer belegte am Ende außerhalb der 35 ITM-Ränge Platz 45 mit 7,5/13, trotz eines starken Remis gegen Carlsen. 

Schnellschachweltmeiser 2023: Magnus Carlsen (NOR) – Foto: FIDE
Offene Schnellschach Weltmeisterschaft Endstand – Ränge 1-20 (35 ITM)

Nachdem Carlsen nach 5 Weltmeisterschaften im Schach, den prestigeträchtigsten Titel dieser Sportart niedergelegt und nicht mehr verteidigt hatte, sind die  Saisonhöhepunkte klar die Weltmeisterschaften im Schnellschach und im Blitzschach, die derzeit zusammen in Usbekistan ausgetragen werden. Ein 7. Blitzschach-Titel kann also noch gut hinzukommen. – Hinzukommen kann in Zukunft auch ein neuer Fokus auf Poker. Ausgerechnet während der Schachweltmeisterschaft zwischen Ding Liren und Jan Nepomnjaschtschi war Magnus Carlsen in Pokerturnieren der EPT Monte Carlo zu sehen, wo er sich im Main Event als 63. von 1.089 Starter*innen einen The Hendon Mob Eintrag holte.

Magnus Carlsen (NOR)

Wer denkt, dass im Schach im Vergleich zum Poker immer alles gesittet und ohne Kontroversen verläuft, sah sich schon in den ersten Tagen der FIDE Rapid & Blitz World Championship getäuscht. Zum einen wurde Spielerkritik laut, dass Magnus Carlsen einen separaten Rückzugsraum hätte, und in diesem einen Laptop zur Verfügung stehen habe. Der eigene Ruheraum für Carlsen ist von der FIDE zur Verfügung gestellt worden, da sonst Zuschauer und Presse Carlsen auf Schritt und Tritt belagert hätten. Das Vorhandensein eines Laptops, was verboten wäre, wurde jedoch von Carlsen und FIDE zurückgewiesen.

Skandale … nicht nur im Poker!

Und auch andere Spieler*innen hatten ihre Skandale. So wurde erhielt z.B. die niederlänsiche Schachspielerin Anna-Maria Kazarian eine Geldstrafe und die Warnung von der Weltmeisterschaft ausgeschlossen zu werden, wenn sie die sportlichen Burberry Schuhe, die sie zu Bluse und Kleid trug nicht gegen andere wechseln würde. – Man muss dazu anmerken, dass viele männliche Kontrahenten in Freizeitschuhen oder im Hoodie zu den Partien antraten:

Auch das Regelwerk der Weltmeisterschaft stand in der Kritik. So ist festgeschrieben, dass bei einem Tie-Breaker (also bei Gleichstand zwischen Spielern), diese eine Art Playoff spielen, sollten es mehr als zwei sein. Bei den Damen ist für diesen Fall geregelt, dass nur die beiden nach einem Koeffizenten bestplatzierten aus der Gruppe der punktgleichen Spielerinnen gegeneinander spielen. Und genau zu diesem Fall kam es bei der Entscheidung um die Damen Schnellschach-WM: Am Ende des Turniers waren hier Anastasia Bodnaruk (RUS), Humpy Koneru (IND) und Tingjie Lei (CHN) mit 8,5 Punkten gleichauf. Aufgrund der veralteten Regelung bei den Damen spielten jedoch nur Bodnaruk und Koneru den Tie-Breaker um den Schnellschach WM-Titel der Frauen, den die Russin im Stechen gewann. Damit ist sie die erste International Meisterin (IM), die den Großmeisterinnen (GM) einen WM-Titel vor der Nase wegschnappte.

Schnellschachweltmeisterin 2023: Anastasia Bodnaruk (RUS) – Foto: FIDE

Die Entscheidung um die Weltmeisteschaft im Blitzschach fällt ab heute in Usbekistan. Die Partien werden sowohl live vom Brett, als auch in einer von GM Viswanathan Anand und WGM Ansatasiya Karlovich kommentierten Tageszusammenfassung übertragen. Interviews aus dem Turniersaal gibt es von Charlize von Zyl.

Charlize van Zyl – Foto: FIDE

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