
Jeder Pokerspieler kennt es: Die Turniere fangen abends an und gehen im besten Fall bis in die frühen Morgen- oder Mittagsstunden, ganz gleich ob Online- oder Live-Event. Hat man einen Deeprun kann man Termine außerhalb des Pokers vergessen oder muss durchmachen, läuft es schlecht, hängt man womöglich mitten in der Nacht in einem Casino oder in einer Online-Lobby herum und braucht jetzt auch kein neues Turnier starten, ist auf Zimmersuche oder an einem Bahnhof gestrandet oder setzt sich mitten in der Nacht noch ins Auto. – Ganz egal, ob es gut oder schlecht läuft, der nächste Tag ist meistens ein verlorener, an dem das Spielchen am Abend erneut beginnt. Ganz zu schweigen davon, dass die Pokerarbeitszeiten mit so etwas mit Familie, oder einem sozialen oder gesunden Leben unvereinbar sind. – Damit soll jetzt Schluss sein, zumindest wenn es nach den High Rollern Jason Koon und Seth Davies geht!

Koon & Davies für frühere Turnierstartzeiten
Seth Davies hat in den sozialen Medien seinem Frust über die derzeitigen Turnierzeiten Luft gemacht. Dabei plädiert der Braceletgewinner für Turnierstarts um 10 Uhr morgens, so könne man noch etwas vom Abend haben, wenn der Deep Run ausbleiben sollte:
Auch PokerStars Team Pro Jason Koon ist dieser Meinung. Er denkt dabei auch an den Staff von Pokerturnieren. Die Turnierorganisatoren, Dealer, Massageteams, Servicekräfte usw. bleiben in der Regel ja noch länger als die Spieler vor Ort, bleiben meistens als letzte und kommen am nächsten Tag als erste zum Spielort (Anm. d. Red: Das gilt auch für Pokerjournalisten). Koon spricht aus,, was allen Beteiligten bewusst ist, nämlich dass Poker im bisherigen zeitlichen Rahmen den Schlaf ruiniert und schädlich für die Gesundheit ist.
NAPT geht mit gutem Beispiel voran
Während die großen Multi-Day-Events meist bis 3 Uhr nachts oder später gespielt werden, hat die kürzlich in Las Vegas ausgetragene NAPT einen anderen Weg eingeschlagen. Hier wurden deutlich kürzere Sessions pro Spieltag ausgetragen und das Finale erst am Dienstag. So eine Struktur ist jedoch relativ selten im Turnierzirkus anzutreffen. Weniger professionelle Turniere enden mit ihren Main Event am Sonntag, viele in gut organisierten Casinos am Montag, und trotzdem sind bis zur finalen Entscheidungen einige Nachtschichten zu absolvieren.

Das sagt die übrige Pokerwelt
Das Thema ist nicht sonderlich überraschend vielen Spielern ein Dorn im Auge, dabei kommen sie jedoch zu unterschiedlichen Lösungen. Altmeister Andy Bloch erinnert sich, dass früher die großen Turniere mittags starteten, wobei es allerdings keine Late Registration gab, die den Tag dann in die Länge zog. Auch seien die Strukturen in der Moneymaker-Äre schneller gewesen.
Selbst Pokercoach und -spieler Faraz Jaka findet lange Spielzeiten enorm anstrengend. Andere Spieler bemängelten, dass Poker und eine Festanstellung unvereinbar wären und man meistens mitten in der Nacht, wo man völlig am Ende ist, die wichtigsten Turnierentscheidungen treffen müsste.
Der WSOP Champion von 2014, Martin Jacobson, sprach sich für 10-stündige Spieltage aus, die um 9 oder 10 Uhr beginnen und dann dementsprechend um 19 oder 20 Uhr enden würden. Jeremy Ausmus dagegen würde die Turnierstartzeiten nicht vor 11 Uhr legen, da der Pokerszene sonst einige Spieler verloren gehen würde. Auch Pros wie Dan Shak oder Phil Galfond schlossen sich Koons Forderung nach kürzeren und früher startenden Sessions an.







