
Bryn Kenney hat 2025 einen Meilenstein erreicht, den vor ihm noch kein anderer Spieler setzen konnte. Als erster Profi überhaupt durchbrach er die Marke von $80 Millionen an Live-Turniergewinnen und übernahm damit erneut die Führung in der All-Time Money List.
Der entscheidende Cash kam beim WSOP Paradise Super Main Event auf den Bahamas zustande. Kenney landete dort auf Rang 403 für einen Min Cash – doch genau dieser vergleichsweise kleine Erfolg reichte aus, um die historische Grenze zu überschreiten. Sein Gesamtstand liegt nun bei $80.035.491 an Live-Preisgeldern.
Kein Ausnahmejahr – und trotzdem Rekord
Bemerkenswert ist, dass 2025 keineswegs zu Kenneys stärksten Jahren zählt. Mit unter sieben Millionen Dollar an Jahresgewinnen blieb er deutlich hinter seinen besten Saisons der vergangenen Jahre zurück. Trotzdem sammelte er mehrere große Cashes in High-Roller-Turnieren und baute seinen Vorsprung an der Spitze weiter aus.
Gerade diese Konstanz über viele Jahre hinweg macht den Rekord so außergewöhnlich. Kenney ist nicht das Produkt eines einzelnen Mega-Scores, sondern das Ergebnis eines langfristigen Dominanzzeitraums im teuersten Segment des Live-Pokers.
Lone Wolf gegen die GTO-Elite
Während viele Spieler an der Weltspitze heute strikt nach GTO-Modellen agieren, Solver-Linien perfektionieren und möglichst wenig vom theoretisch optimalen Spiel abweichen, wirkt Bryn Kenney oft wie ein bewusster Gegenpol. Sein Stil ist weniger schematisch, dafür stärker von Dynamik, Reads und situativen Anpassungen geprägt.
Im Vergleich zu Spielern wie Stephen Chidwick, die für ihr extrem sauberes, strukturiertes GTO-Spiel bekannt sind, geht Kenney häufiger eigene Wege. Er nimmt Abweichungen in Kauf, setzt auf Druck, ungewöhnliche Lines und exploitative Entscheidungen – und zwingt Gegner damit regelmäßig aus ihrer Komfortzone.
Gerade in High-Roller-Feldern mit hoher ICM-Relevanz scheint dieser Ansatz immer wieder den entscheidenden Vorteil zu bringen. Kenney spielt nicht gegen den Solver, sondern gegen die Menschen am Tisch.

Wie lange hält der Vorsprung noch?
Trotz des Rekords ist Kenneys Platz an der Spitze nicht uneinholbar. Spieler wie Stephen Chidwick oder Jason Koon sind ihm in der All-Time Money List dicht auf den Fersen und haben in den letzten Jahren teilweise konstanter performt.
Doch unabhängig davon, wie sich das Ranking in Zukunft entwickelt, bleibt dieser Meilenstein bestehen. Bryn Kenney hat gezeigt, dass selbst im Zeitalter perfekter Theorie ein eigenständiger, intuitiver Stil nicht nur überleben kann – sondern bis ganz nach oben führt.









