
Als Punnat „Pro Punnat“ Punsri Anfang Januar 2026 am Flughafen Suvarnabhumi in Bangkok ankommt, erwartet ihn ein Menschenauflauf. Fans, Kameras und Vertreter der thailändischen Poker-Community bereiten dem Rückkehrer einen herzlichen Empfang. Applaus, Blumen, sichtbarer Stolz. Es ist der Empfang eines Nationalhelden – und zugleich ein Paradox. Denn gefeiert wird ein Pokerspieler in einem Land, in dem Poker offiziell illegal ist.
Punsri hat allen Grund, auf diesen besonderen Moment stolz zu sein. Der Thai wurde zum Global Poker Index Player of the Year 2025 gekürt und damit zum besten Turnierspieler der Welt. Eine historische Auszeichnung: Noch nie zuvor hatte ein Spieler aus Thailand – oder überhaupt aus Asien – diese Gesamtwertung gewonnen. Der Titel steht für Konstanz auf höchstem Niveau, für internationale Spitzenleistungen über ein ganzes Jahr hinweg.
Ein Jahr auf Weltklasse-Niveau
Die Saison 2025 war für Punnat Punsri außergewöhnlich. Mit zahlreichen Finaltischen, mehreren Turniersiegen und mehr als 60 Cashes sammelte er über 10 Millionen US-Dollar an Preisgeldern.
Solche Leistungen bleiben normalerweise nicht unbemerkt. In vielen Ländern werden sie allerdings nüchtern zur Kenntnis genommen. Pokererfolge tauchen in Fachmedien auf, vielleicht in einer Pressemitteilung – öffentliche Ehrungen sind selten. In Thailand jedoch war das anders.

Ein Empfang, der Fragen aufwirft
Der herzliche Empfang am Flughafen wirkt umso bemerkenswerter, wenn man den rechtlichen Hintergrund betrachtet. Poker gilt in Thailand als Glücksspiel und ist verboten. Öffentliche Turniere sind nicht erlaubt, Werbung für Poker ebenso wenig. Der Sport existiert offiziell nicht – zumindest nicht im rechtlichen Rahmen.
Und dennoch wird sein erfolgreichster Vertreter gefeiert. Nicht heimlich, nicht zurückhaltend, sondern sichtbar und offen. Dieser Moment macht den inneren Widerspruch deutlich: Der Staat toleriert den Erfolg, aber nicht das Spiel, das ihn möglich gemacht hat.
Zwischen Stolz, Realität und Zukunft
Der Empfang sagt weniger über Gesetze aus als über gesellschaftliche Wahrnehmung. Punsri wird nicht für Regelbrüche gefeiert, sondern für Leistung, Disziplin und internationale Anerkennung. Für viele Thais ist er ein Beweis dafür, dass auch aus einem Land mit restriktiven Rahmenbedingungen Weltklasse-Spieler hervorgehen können.
Gleichzeitig wirft sein Erfolg Fragen auf. Über die Rolle von Poker als Denk- und Strategiespiel. Über wirtschaftliches Potenzial. Und darüber, ob bestehende Gesetze noch zur Realität passen. Im letzten Jahr war Poker kurzfristig legalisiert wurden (mit bestimmten Regelnd), aber dies hielt nicht lange. Mit den anstehenden Wahlen in Thailand kommt auch wieder Hoffnung auf, dass das Thema Poker-Legalisierung eventuell wieder auf den Tisch kommt.
Punnat Punsri selbst tritt dabei nicht als Provokateur auf. Er wirkt dankbar, bodenständig und bewusst seiner Vorbildrolle. Sein Triumph ist sportlich – die Debatte, die er auslöst, gesellschaftlich. Und wer weiß, viellicht könnte genau er als Ambassador für den Sport der Anstoß sein, den Thailand für den nächsten Schritt zur Legalisierung benötig.

Mehr als ein Titel
Der Titel „Global Poker Index Player of the Year“ ist eine persönliche Krönung. Doch die Heimkehr nach Thailand zeigt: Dieser Erfolg geht über Poker hinaus. Er steht für Anerkennung, für nationale Identifikation – und für einen Moment, in dem Applaus lauter war als das Gesetz.
Punnat Punsri hat nicht nur ein außergewöhnliches Pokerjahr gewonnen. Er hat sichtbar gemacht, wie sehr sich die Wahrnehmung des Spiels verändert hat – selbst dort, wo es offiziell gar nicht existieren dürfte.








