Exklusivinterview: Jon Kyte über Mixed Games, Österreich und Frühstückspoker! (Teil 1/3)

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Jon Kyte

Zwischen seinen Turnierteilnahmen hat sich KKPoker Ambassador Jon Kyte Zeit für ein exklusives Interview mit hochgepokert genommen. Der norwegische Vielspieler gilt als einer der besten Mixed Game Spieler Europas und ist am und abseits des Tisches einer der bestgelaunten Grinder der Pokerszene. Zu seinen Erfolgen gehören Titelgewinne bei den Irish Open, den Norwegian Championships, den Nordic Poker Championships, den Aussie Millions, The Festival, The Norwegian Poker Championships, im Venetian, der NAPT und insgesamt 5(!) Spade-Gewinne bei der EPT. Als Gewinner der PokerStars Open Monte-Carlo ist er inzwischen auch Besitzer einer großen Shard-Trophy und als Runner-Up des EPT Prague Main Events wäre beinahe noch eine hinzugekommen. Außerdem besitzt der Wahl-Österreicher zwei WSOPC Ringe.

Wie der „normale“ Pokeralltag des Poker-Multitalents aussieht, wie er überhaupt zum Poker gekommen ist, und was die Corona-Pandemie mit seiner Erfolgsserie zu tun hat, verrät Jon Kyte den hochgepokert-Lesern im ersten von drei Teilen des Exklusivinterviews.

Jon Kyte

Jan Schwarz: Schön, dass wir uns für dieses Interview persönlich treffen können, Jon.

Jon Kyte: Danke für die Einladung, Jan.

Jan Schwarz: Normalerweise frage ich Spieler aus dem Poker-Zirkus, worauf sie sich konzentrieren und spezialisiert haben. In deinem Fall scheint es so zu sein, dass es egal ist, um welches Turnier, welche Pokervariante oder welches Buy-in es sich handelt, du bist sowieso bei jedem einzelnen Turnier dabei.

Jon Kyte: Ja, ich spiele viel. (lacht) – Aber natürlich spielt das Buy-in eine Rolle.

Jan Schwarz: Wie würdest du deine Herangehensweise an Poker beschreiben?

Jon Kyte: Wenn ich Poker spiele, möchte ich so viel Volumen wie möglich spielen, so hart wie möglich spielen und so viele Stunden wie möglich investieren. Damit versuche ich, meinen Gewinn zu maximieren. – Wenn ich dagegen nicht auf einem Pokerfestival oder einer Turnierserie bin, rühre ich dafür keine Pokerkarten an. Dann bin ich einfach im Urlaub und entspanne mich. – Natürlich geht es dann weiter mit dem Studying, aber das ist dann das Einzige, was ich in meiner Freizeit dann mit Poker zu tun habe.

Jon Kyte

Jan Schwarz: Und wie sieht dein Pokertag aus, wenn du an einem Pokerfestival teilnimmst?

Jon Kyte: Wenn ich einer Turnierserie spiele, wie zum Beispiel die EPT, stehe ich morgens auf und spiele von Frühstück bis Mitternacht. Nonstop, jeden Tag, ohne Pause.

Jan Schwarz: Spielst du in jedem Fall immer die ganze Serie durch oder gibt es Ausnahmen, bei denen du dir einen Tag frei nimmst?

Jon Kyte: Ich nehme mir z.B. frei, wenn meine Freundin mich auf einem Pokerfestival besucht oder wenn die Buy-ins an einem bestimmten Tag zu niedrig sind.

Jan Schwarz: Das heißt, du würdest dann keine günstigen NLH-Massen-Events spielen?

Jon Kyte: In großen Feldern mit hoher Varianz in Events mit einem Buy-in von 550 EUR oder weniger, lohnt es sich oft nicht einmal, wenn man es unter die besten 1 % des Feldes schafft. Bei solchen Events muss man im Grunde genommen dann schon den Finaltisch erreichen.

Jan Schwarz: Auf welche Turniere hast Du es stattdessen abgesehen?

Jon Kyte: Ich versuche, mich auf etwas höhere Buy-ins zu konzentrieren. Und egal, um welches Turnier es sich handelt, ich spiele gerne jedes Game. Vor allem, wenn ich nach Las Vegas fahre. Dort spiele ich bis zu 30 verschiedene Pokervarianten.

Jan Schwarz: Entschuldigung, ich dachte, du hättest gerade „30“ gesagt.

Jon Kyte: Ja, letztes Jahr waren es 28 oder 29 verschiedene Pokervarianten.

Jan Schwarz: Wow! Und reden wir hier von Cash Games oder Turnieren?

Jon Kyte: Ich habe beide Dealer’s Choice-Turniere der WSOP gespielt, das $1.500 und die $10.000 Championship, die jeweils bis zu 20 verschiedene Pokervarianten umfassen. Aber noch lieber spiele ich noch mehr Varianten in Cash Games. Und in ziemlich verrückten Mixed Games in Las Vegas habe ich allein 28 oder 29 Varianten in einem davon gespielt.

Jan Schwarz: Das ist verrückt. Und ich dachte, du hättest keine Zeit, Cash Games zu spielen, weil ich dich in so vielen verschiedenen Turnieren sehe.

Jon Kyte: Das stimmt. Bei der World Series of Poker spiele ich zum Beispiel auch alle $1.500er Turniere. Die haben zwar ein etwas geringeres Buy-in, aber das ist in Ordnung. Und natürlich spiele ich dort alle Mixed Games. Die haben gegenüber den NLH-Turnieren kleinere Felder, sodass es einfacher ist, an den Finaltisch zu kommen und ein Bracelet zu gewinnen. Aber ehrlich gesagt, ab Tag 3 ist es selbst in den Low-Buy-in-Feldern immer hart. Die Leute dort sind dann wirklich gut.

Jon Kyte

Jan Schwarz: Und wie wählst du aus, an welchen Turnieren du in einer Serie teilnimmst?

Jon Kyte: Ich steige in das Turnier ein, in das ich zuerst einsteigen kann! (lacht) Und wenn ich irgendwo ausscheide, wechsle ich zum nächsten, auch wenn es dann eine Max-Late-Registration sein sollte. Ich spiele in Pokerfestivals einfach von Turnier zu Turnier. Und wenn man diese Zeit investiert, sieht man auch die Ergebnisse.

Jan Schwarz: Wie bist du zu den Mixed Games gekommen? Hast du wie alle anderen mit No Limit Hold’em angefangen Poker zu spieln?

Jon Kyte: Bevor ich professionell No Limit Hold’em gespielt habe, habe ich eigentlich mit 5-Card Draw angefangen. Das war die erste Pokerdisziplin, mit der ich in Kontakt gekommen bin. – Allerdings ist die Mixed-Game-Community in Norwegen sehr groß. Es ist also sehr einfach, damit anzufangen, weil so viele Leute spielen. Und wenn man so viele gute Mixed-Game-Spieler um sich hat, spielt man mehr, lernt mehr und diskutiert mehr. Wenn man mit all diesen Mixed-Game-Spielern rumhängt, kommt man zwangsläufig dazu. Bei mir war das, nachdem ich eineinhalb Jahre lang Hold’em gespielt habe. Ich habe dann sehr früh mit PLO und dann direkt mit allen Mixed-Game-Varianten angefangen. Am Anfang war ich darin jedoch nicht besonders gut.

Jan Schwarz: Wann hast du denn genau angefangen, Poker zu spielen? Und was waren die wichtigsten Schritte auf deinem Weg zum Profi?

Jon Kyte: Ich habe 2016 angefangen, und 2017 habe ich meinen Job gekündigt, um Vollzeit zu spielen. In meinem ersten Jahr habe ich vier Trophäen aus Turniersiegen eingesammelt. Die größte Erfolg war der der Nordic Poker Championships in Prag mit €240.000 Preisgeld. Die Stadt ist zu meinem absoluten Lieblingsort für Poker geworden. Zunächst wurde ich 2022 Vierter bei der Eureka Prague Prague für €131.900, dann gewann ich im selben Jahr dort mein erstes Spade im EPT €550 H.O.R.S.E. und schaffte es sogar, 2023 im EPT Main Event an gleicher Stelle den 2. Platz zu belegen und damit weitere €643.000 zu gewinnen. Prag war also seit jeher ein schöner Ort für mich.

Jon Kyte

Jan Schwarz: Wie hast du die Pause von Live-Turnieren während der Corona-Pandemie erlebt?

Jon Kyte: Ich hatte während dieser Zeit praktisch kein Einkommen, nur meine Ersparnisse aus dem Poker aus der Zeit davor. Während Covid habe ich online gestreamt und Poker studiert, das war alles, was ich zwei Jahre lang gemacht habe. Und als ich 2022 endlich zum Live-Poker zurückkehrte, stellte ich fest, dass ich viel besser war als vor Covid. Viele der anderen Spieler haben anscheinend während Corona nicht so viele Stunden investiert wie ich. Und von diesem Zeitpunkt an waren meine Ergebnisse enorm.

Jan Schwarz: Deine größte Motivation sind also Live-Turniere?

Jon Kyte: Ich spiele definitiv lieber live, das laugt mich nicht so aus. Wenn ich wochenlang hintereinander große Online-Serien spiele, ist das ein ganz anderes Gefühl. Und wenn man live spielt, kann man auf Reisen viele neue Orte sehen, was wirklich schön ist.

Jan Schwarz: Ist die EPT in Europa der härteste Wettbewerb was Mixed Games Turniere angeht?

Jon Kyte: Um ehrlich zu sein: Die 8-Game- oder H.O.R.S.E.-Turniere der Norwegian Championships sind sogar noch härter als die EPT. Das Spielniveau in den Mixed Games ist in Norwegen wirklich hoch.

Jan Schwarz: Auch wenn die norwegischen Spieler abseits des Pokertisches sehr offen und freundlich sind, wirken sie in Mixed-Game-Turnieren ziemlich einschüchternd.

Jon Kyte: (lacht) Alle hassen die Norweger in den Mixed Games, weil wir darin immer gut sind. Ich meine, schaue dir nur Tobias Leknes an, der meiner Meinung nach der beste Mixed-Game-Spieler der Welt ist, was ich auch immer wieder allen erzähle. Und trotzdem fragen überraschenderweise viele Leute, besonders bei der WSOP: „Wer ist dieser Typ?“ – Ich habe viel von ihm gelernt. Es hilft wirklich, gut in neuen Spielen zu werden, wenn man Spieler wie Tobias um sich hat.

Jon Kyte

Jan Schwarz: Im Gegensatz zu Tobias sehe ich dich nicht nur in Mixed-Game-Turnieren, sondern auch in vielen NLH-MTTs.

Jon Kyte: Ja, dort ist das Geld zu verdienen. Auch wenn ich in Mixed Games nachhaltig gewinne, kann man dort nicht wie bei No Limit Hold’em Main Events aufn einen Schlag eine Million in einem Turnier gewinnen.

Jan Schwarz: Und worauf wirst du dich dann in Zukunft absehbar konzentrieren?

Jon Kyte: Nachdem ich mich intensiv mit Mixed Games beschäftigt habe, habe ich das Gefühl, ein bestimmtes Niveau erreicht zu haben. Inzwischen versuche ich, mich mehr auf Hold’em zu konzentrieren, insbesondere was das Studying angeht.

KKPoker

Morgen könnt ihr auf hochgepokert Teil 2 von 3 des Interviews mit KKpoker Ambassador Jon Kyte lesen, wenn der Norweger über Österreich, Alkohol am Pokertisch und die Renaissance der Mixed Games spricht.

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