
Für ein exklusives Interview mit Hochgepolkert hat sich KKPoker Ambassador Jon Kyte Zeit genommen, um uns Rede und Antwort zu stehen. Der norwegische Live Grinder gilt als einer der besten Mixed-Game-Spieler Europas. Der sympathische Norwegen kann zahlreiche Titelgewinne in seiner Poker Vita aufweisen. Dazu zählen allein ein Shard und fünf Spade Trophys, sowie zwei WSOPC Ringe. In Liveturnieren konnte der Wahl-Österreicher bislang $3,7 Millionen gewinnen. Sein höchster Einzelgewinn waren €643.000 als Runner-Up im Main Event der EPT Prague 2023.
Hier geht es zu den weiteren Teilen des Exklusivinterviews mit Jon Kyte:
Teil 1: …über gehasste Norweger, Corona und Poker, und über 30 Pokervarianten in einem Game,
Teil 2: …über Alkohol am Pokertisch, seine Wahlheimat Wien und den perfekten Mixed-Game-Einstieg
Teil 3: …über Online-Poker, Social Media und Open Face Chinese!
Wie es den Norweger aus Bergen nach Wien verschlagen hat, ob Alkohol zum perfekten Mixed-Game-Einstieg gehört, sowie über seine blütenweiße CAPT-Weste und schwarze Triton-Serie erzählt er den hochgepokert-Lesern hier im zweiten von drei Teilen des Exklusivinterviews.

Jan Schwarz: Wie kommt es, dass du als norwegischer Pokerspieler in Österreich gelandet bist?
Jon Kyte: Ich habe versucht, von Bergen nach London zu ziehen.
Jan Schwarz: Ähm – auf dem Weg von Norwegen nach England liegt Österreich nicht gerade auf der Strecke …
Jon Kyte: Nein. (lacht) Aber wegen des Brexits habe ich kein Visum bekommen. Also musste ich woanders hinziehen.
Jan Schwarz: Was war der Grund, Norwegen zu verlassen?
Jon Kyte: Dort ist es immer so kalt und regnerisch – vor allem, wenn man an der Westküste in Bergen lebt, wo ich studiert habe.
Jan Schwarz: Und dann bist du direkt nach Wien gegangen?
Jon Kyte: Letztendlich musste ich mich zwischen Dublin und Wien entscheiden. Bei meinen Besuchen in Dublin habe ich gemerkt, dass ich das Wetter dort auch hasse. Und obwohl ich nie wirklich daran gedacht hatte, nach Wien zu ziehen, sagte ich schließlich: „Warum nicht?“
Jan Schwarz: Du bist also wegen des Wetters nach Wien gezogen?
Jon Kyte: Sozusagen. Ich hatte außerdem Deutsch in der Schule.
Jan Schwarz: „Dann können wir das Interview ja auch auf Deutsch führen.“ (Anm. d. Red.: Das Interview wurde auf Englisch geführt.)
Jon Kyte: Das muss ich wirklich wieder aufgreifen. (lacht) Ich habe inzwischen eine Freundin in Wien, also muss ich mein Deutsch jetzt wirklich verbessern.
Jan Schwarz: Und bist du dort in einem österreichischen Poker-Stable oder einer Art Study-Group aktiv?
Jon Kyte: Ich habe dort viele Leute kennengelernt und es werden immer mehr – aber was das Studying angeht, hänge ich immer noch mit den Norwegern rum.

Jan Schwarz: Jetzt, wo du in Österreich lebst und die deutschsprachigen Leute immer besser kennenlernst, wie ist dein Eindruck von deutschen, österreichischen und Schweizer Pokerspielern?
Jon Kyte: Was Hold’em angeht, sind die Deutschen und Österreicher meiner Meinung nach die besten der Welt. – Was alles andere angeht, sind sie es nicht! Die besten PLO-Spieler der Welt sind die Skandinavier, insbesondere die Finnen. Und bei den Mixed Games sind die Norweger die besten Spieler Europas, die besten Mixed-Game-Spieler der Welt sind wahrscheinlich immer noch die Amerikaner.
Jan Schwarz: Und abseits der Pokertische, was hältst du von den Menschen in Wien?
Jon Kyte: Ich mag die Menschen dort und alles. Ich liebe Wien wirklich sehr und werde auf jeden Fall dort bleiben! – Das Einzige, was mir nicht gefällt, ist Hold’em in Wien zu spielen, weil dort die besten Spieler der Welt versammelt sind!
Jan Schwarz: Aber das hat dich nicht davon abgehalten, dort Turniere zu spielen, und das sogar ziemlich erfolgreich…
Jon Kyte: (lacht) Ich hatte großes Glück. Ich habe in Wien an fünf CAPT Turnieren teilgenommen, bin bei allen fünf im Preisgeld gelandet und darunter dreimal am Final Table. Das Spielniveau war sehr hoch, und ich hatte großes Glück.
Jan Schwarz: Glück, also?! Das ist eine beeindruckende Bilanz in Österreich! – Wenn ich keine norwegische Lerngruppe in meiner Nachbarschaft habe, was würdest du mir raten, um in Mixed Games einzusteigen?
Jon Kyte: Ich würde Dir empfehlen, an der European Mixed Poker Championship teilzunehmen, die normalerweise einmal im Jahr stattfinden. Das letzte Mal wurden sie in Bratislava ausgetragen, im Jahr zuvor waren sie Teil der Irish Open in Dublin. In der Turnierwoche gab es etwa 10 verschiedene Mixed Game-Turniere. Bei der nächsten Ausgabe werden es sogar noch mehr sein. Eine weitere Empfehlung sind die Norwegian Poker Championships, die regelmäßig im Banco Casino Bratislava stattfinden. All diese Festivals bieten Turniere mit günstigen Buy-Ins an. Ansonsten würde ich empfehlen, online an den 8-Game-Tournaments auf PokerStars teilzunehmen. Die Buy-ins für diese Online-Turniere liegen reichen von $1,10 bis zu $82 an Sonntagen.
Jan Schwarz: Und wie sieht es mit dem Strategie-Pauken aus?
Jon Kyte: Du kannst deen Mixed Games Beginner’s Course von Tobias Leknes bei BBZ Poker kaufen. Er bietet darin großartige Inhalte an … und das sage ich nicht nur, weil er gerade neben uns am Tisch sitzt (lacht).

Jan Schwarz: Mir sind zwei Dinge aufgefallen, als ich über die Mixed Game-Action von den großen Turnieren dieser Welt berichtet habe! Erstens: Wenn die Mixed Games laufen, machen die Norweger alle fertig, und zweitens: Sobald die Mixed Games laufen, betrinken sich die Norweger wie verrückt. Gibt es dazwischen einen Kausalzusammenhang?
Jon Kyte: (lacht) Ich habe keine Ahnung, weil ich keine Alkohol trinke. Aber die Schweden und Finnen trinken auf jeden Fall am meisten.
Jan Schwarz: Ja, es gibt auch Leute aus anderen Ländern, die am Pokertisch trinken, aber die Norweger sind die einzigen, die trinken UND dabei gewinnen …
Jon Kyte: Ich glaube, die Norweger werden nicht so „pissed“, wenn sie sich betrinken, sodass sie vielleicht etwas korrekter pokern können als die anderen Betrunkenen am Tisch.
Jan Schwarz: Man muss also nicht unbedingt Alkoholiker sein, um ein guter Mixed-Game-Spieler zu sein?
Jon Kyte: Nein, (lacht) come as you are! Das Gute an der Mixed-Game-Community im Vergleich zu den Spielern im Hold’em oder PLO ist, dass die meisten sehr freundlich und gesprächig sind. Wenn man eine Frage stellt, sind die meisten Spieler mehr als gewillt, sie zu beantworten, einem zu helfen und etwas beizubringen. Man lernt so viel von den Leuten am Tisch, die Mixed Games spielen, und ich damit meine ich nicht nur die Regeln. – Man kann auch wirklich mitverfolgen, was die Spieler am Tisch tun, weil man in Mixed Games einfach so viel mehr Karten zu sehen bekommt. Und nach der Hand kann man die Spieler auch fragen, warum sie so gehandelt haben, und die sind in der Regel auch bereit, Rede und Antwort zu stehen. Das kann ich mit Sicherheit für die norwegischen Spieler sagen. Und dieser Zusammenhalt der Mixed-Game-Community ist im Poker-Zirkus ziemlich außergewöhnlich.
Jan Schwarz: Das klingt toll. – Ich sollte wirklich einmal an einem H.O.R.S.E.-, 8- oder sogar 10-Game-Turnier teilnehmen. Heutzutage gibt es davon ja jede Menge. Hast du eine Idee, warum es eine solche Renaissance der Mixed Games in den Turnierplänen der großen Serien gibt?
Jon Kyte: Ich habe das Gefühl, dass die Leute heute gerne mehr Spiele und mehr Varianten spielen wollen, und dass Vieles aus alten Zeiten jetzt wieder zurückkommt. – Wenn man sich die World Series of Poker ansieht, waren dort der gesamte Turnierplan an Pokervarianten gut durchgemischt! Dann gab es irgendwann nur noch unzählige No Limit Hold’em-Events, und jetzt wird es wieder vielfältiger, was eine gute Entwicklung ist. Oder man schaut sich die European Poker Tour an, auf der es inzwischen auch ein EPT Mixed Game Main Event gibt.

Jan Schwarz: Gibt es bestimmte Turniere, von denen du gerne mehr sehen und spielen würdest?
Jon Kyte: Ich habe dir ja bereits gesagt, dass ich alles spiele, was es auf dem Turnierplan gibt – aber wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann wären es definitiv mehr OFC-Turniere. In denen kann ich übrigens eine sehr gute Bilanz vorweisen, soviel kann ich dir sagen.
Jan Schwarz: Wir haben ja bereits darüber gesprochen, nicht zu niedrig zu spielen, aber wie sieht es mit zu hoch spielen aus? Du hast kürzlich deine erste Triton Series gespielt. Wie bist du zu der Entscheidung gekommen, bei den Super-High-Roller-Tournaments anzutreten?
Jon Kyte: Ich hatte einfach das Gefühl, dass es dazu an der Zeit war. Vorher hatte ich nie wirklich das Bedürfnis, daran teilzunehmen. Warum sollte man sich mit den Allerbesten messen, wenn die Spiele überall so sind, dass man mit schlechteren Spielern messen kann? Aber gerade in Asien gibt es mehr Spieler, die diese Events etwas anders angehen. Und auf meinem Weg zur WPT Cambodia hatte ich die Möglichkeit, einfach in Asien zu bleiben und mir die Triton Series in Jeju anzuschauen.
Jan Schwarz: Du hast in den 5 Events, an denen du teilgenommen hast, nicht gecasht. Was hast du aus dieser Erfahrung mitgenommen?
Jon Kyte: Ich war wirklich begeistert davon, bei der Triton SHRS Jeju mitzuspielen. Und zu dieser Zeit gab es im Pokerkalender auch gar keine Alternativen, also habe ich mich einfach in die $15.000- bis $30.000-Events gestürzt.
Jan Schwarz: Hast du bei diesen Events 100% an deiner Action besessen?
Jon Kyte: Nein. Ich verkaufe immer Anteile an mir, meistens bei allem, was ein Buy-In von über $1.000 hat. Ich verkaufe dann vorher Anteile an ein oder zwei Freunde.
Jan Schwarz: Sind das dann private Deals oder können Jon-Kyte-Fans aus aller Welt auch Anteile von dir auf Staking-Seiten kaufen?
Jon Kyte: Normalerweise verkaufe ich keine Anteile auf diesen Plattformen. Das mache ich lediglich für die WSOP. Allerdings ist es inzwischen wirklich einfach geworden, Anteile auf den Staking-Plattformen zu verkaufen.

Morgen könnt ihr auf Hochgepokert Teil 3 von 3 des Interviews mit KKpoker Ambassador Jon Kyte lesen, wenn der Norweger über Online-Poker, Social Media und Open Face Chinese spricht.







