
Einer der größten Kartenspieler der Welt ist vor wenigen Tagen im Alter von 46 Jahren gestorben. Kai Budde war international die „Magic the Gathering“-Ikone. Der Weltmeister von 1999 und 2002 hat bis heute den Rekord für die meisten Pro Tour Siege inne. Er hat die MTG-Landschaft als Pro von 1997 bis 2004 und als Mensch bis heute geprägt wie kein zweiter Spieler. Budde brachte durch seine Erfolge, sein Auftreten als „The German Juggernaut“, vor allem aber durch seine Kreativität und Persönlichkeit Massen an Spielern mit dem Sammelkartenspiel in seiner Wettkampfform in Berührung. Auch in der Pokerszene inspirierte der in Köln und Hamburg aufgewachsene Budde etliche Spieler, die anhand seines Beispiels den Sprung zum Pro wagten.

Magic the Gathering Weltmeister, Rekordhalter, Hall-of-Famer
Der Stern des Hamburgers Kai Budde ging 1997 am Magic-Himmel auf, als er sich erstmalig für die (Junior) Pro Tour qualifizieren konnte. Bereits im nächsten Jahr setzte er international mit mehreren Turniererfolgen Ausrufezeichen und konnte und sich dadurch für die 6. Magic the Gathering Weltmeisterschaft qualifizieren, die in Yokohama (JPN) ausgetragen wurde. Dort gewann er als erster deutscher Magicspieler den Titel, und das mit gerade einmal 19 Jahren. Dies gelang ihm mit seinem legendären Red Artifact Wildfire Deck.

Was folgte waren insgesamt 7 Pro Tour Siege (13x Top-8), eine Marke, die bis heute unerreicht ist. 5-mal gewann er solo (3x Constructed, 2x Limited), 2-mal im Team (2x Limited) mit der „Phoenix Foundation“. Nicht nur die Pro Tour Siege bedeuten einen Rekord, auch seine 7 Grand Prix Siege (15x Top-8) sind eine bis heute bestehende Bestmarke. So wie Kai Budde zwischen 1998 und 2004 die Magic-Szene dominierte, tat dies bislang kein anderer Spieler und wird es vielleicht auch niemand mehr.

Budde war nicht nur für Rekorde bekannt, sondern auch dafür, sowohl Liebe, Zeit und Gedanken in das Kartenspiel zu stecken wie kein anderer. Zu seiner Zeit gab es niemanden, der seine Decks so aufwändig testete und erprobte wie der Deutsche – und das ohne Computersimulationen, sondern gegen Magicspieler aller Art oder sich selbst. Es war wahrscheinlich eine Mischung aus dem Wissen, alles bis ins kleinste Detail vorbereitet zu haben, und seiner ausgeglichenen Persönlichkeit, dass er am Tisch so ruhig und doch bestimmt agierte und stets seiner Entscheidungen absolut sicher war. Dabei waren seine Monate lang geplanten Kombos spielerisch absolut vernichtend, auch wenn er in den Siegerinterviews fast immer davon sprach, Kartenglück gehabt zu haben. So auch z.B. bei seinem WM-Finalsieg, den er mit 3:0 in unter 20 Minuten Spielzeit erreichte … ein weiterer Rekord für die Ewigkeit.

Im Mai 2002 wurde Kai Budde Deutscher Meister, ein Titel der ihm bis dato noch in seiner Sammlung gefehlt hatte. Dadurch wurde er auch Teil des Deutschen Nationalteams, das im August des selben Jahres in Sydney bei den Weltmeisterschaften antrat. Hier zeigte er einmal mehr, was für ein Teamplayer er war und führte das Team um Mark Ziegner und Felix „xflixx“ Schneiders zum Sieg.

An den Finaltagen der großen Turniere war der Kai Budde schier unschlagbar, was den Satz „Kai doesn’t lose on Sundays“ zu einem geflügelten Wort machte. Die Konstanz des Wahl-Kölners auf internationalem Top-Niveau zeichnete sich auch in den gesammelten Pro Tour Punkten ab, für die er regelmäßig Rekordmarken setzte. 1999, 2001, 2002 und 2003 wurde er damit Pro Player of the Year.
Inspiration für die Pokerszene
Auch wenn Kai Budde selbst nie professionell die Magickarten gegen Pokerkarten getauscht hat, war er für viele Pokerspieler Inspiration, sich so akribisch auf das Pokerspiel vorzubereiten wie es Budde im Magic tat. Sein Teamkollege bei der Weltmeisterschaft 2002, Felix Schneiders, spricht bis heute davon, dass Kai ihn inspiriert hat und spricht ihm absoluten Legendenstatus zu.
Genau so kometenhaft wie der Aufstieg des jungen Kai Budde in der internationalen Magicszene erfolgte, war der von Niki Jedlicka im Poker. Der Österreicher vollzog Mitte der 2000er Jahre wie viele andere Magicspieler den Sprung an den Pokertisch. Als er dort innerhalb kürzester Zeit Millionen an den Full Tilt Poker Tischen gewann lag nicht nur der Vergleich zu Budde nahe, ihm zu Ehren hatte Jedlicka auch den Screennamen „KaiBuxxe“ gewählt.

Auch Buddes Mitstreiter und Weggefährten wie sein Dauerrivale Jon „Jonny Magic“ Finkel, die nicht nur im MTG, sondern auch im Poker zur Weltspitze gehörten, prägte Buddes Spieleinstellung und Konkurrenz. Wie es Mitte der 2000er Jahre im Magic und im Poker an der internationalen Spitze zuging, hielt David Kushner in seinem legendären Buch „Jonny Magic and the Card Shark Kids“ fest.
Auch die Zink Brüder, Daniel und Sebastian, die 2003 (Daniel) und 2004 (Sebastian) Magic the Gathering Weltmeister wurden und kurz darauf ebenfalls erfolgreich im Poker waren, saßen über mehrere Jahre Kai Budde an den MTG-Tischen gegenüber.
The German Juggernaut
Am Ende der Saison 2003/04 zog sich Kai Budde von der Pro Tour zurück, um sich auf sein Studium zu konzentrieren, die Liebe zu Magic und den Menschen darin blieb jedoch. Auch die Fans blieben ihm treu, obwohl seine Auftritte weniger wurden. 2007 wurde er mit großem Abstand in die „Magic Hall of Fame“ gewählt.
Bei seinen seltenen Turnierteilnahmen zählte Budde immer wieder zu den besten Spielern. So gelang es ihm z.B. bei der Pro Tour 2010 in Amsterdam oder der Pro Tour 2023 in Barcelona unter die Top-8 zu kommen. Damit ist er der einzige Spieler, der es in allen 4 Jahrzehnten, in denen es Magic The Gathering gibt, jeweils in Pro Tour Finals saß.
Mitte 2024 wurde bekannt, dass Kai Budde an Krebs erkrankt war und die Prognosen nicht gut aussahen. Dazu verkündete Wizards of the Coast, die Firma hinter Magic the Gathering, dass die PoY-Wertung in „Kai Budde Player of the Year Trophy“ umbenannt wurde.
Trotz oder seiner schweren Krankheit zum Trotz nahm Kai Budde 2024 noch einmal an der Magic the Gathering Weltmeisterschaft in Las Vegas teil und schaffte es ein Vierteljahrhundert nach seinem Erfolg in Japan wieder unter die Top-8.
Die Fußspuren, die der Wahl-Kölner im MTG hinterlassen hat, zeigen sich auch heutzutage weiterhin in Matches von Hobbyspielern oder in vielen Sammelalben. Als Budde 2001 das „Invitational“ gewann, wurde ihm als Sieger die Ehre zuteil, sich selbst in dem Sammelkartenspiel verewigen zu lassen. Er entschied sich dazu als „Voidmage Prodigy“ (DE: „Nichtigmacher-Naturtalent“) als blauer Zauberer fortan in den Decks dieser Welt einen Platz zu finden.

Auch sein legendäres Deck, mit dem er 1999 die Weltmeisterschaft gewann, ist sowohl als Card List zum Nachbauen als auch in der gedruckten Sonderedition von Wizards of the Coast nach wie vor heiß begehrt. Die Deckbauten des Kölners setzten immer wieder die Messlatte in der Turnierszene höher. Nicht selten war er auch dafür verantwortlich, wie anderer Spieler zu ihren Card Decks kamen – als Ideengeber oder Testspieler.

Als Fan Favorite erschien Kai Budde mit seiner Pro Player Card 2005 auch in Booster Packs, die sich zu einer der begehrtesten Karten in Sammlungen von MTG-Spielern entwickelte.

Nicht nur seine Pro Tour Kollegen und Trainingspartner auf höchstem Wettkampfniveau schätzten Kai Budde. Vor allem bei Neulingen des Sammelkartenspiels war der bodenständige Hall-of-Famer beliebt. Für viele heutige Magicspieler war er der ausschlaggebende Punkt mit dem Kartenspiel zu beginnen. Für jeden hatte er immer ein offenes und drückte Spielern aus seinem Freundeskreis oft mehr die Daumen für den Sieg als sich selbst..

Doch viel mehr als mit seinen unvergleichlichen Magic-Errungenschaften wird Kai Budde als Mentor, Freund, Motivator, guter Koch, mit seinem trockenen Humor oder als Inspiration im und vor allem außerhalb von Magic in Erinnerung bleiben.
Gedenkvideo an den „German Juggernaut“ von „Play MTG“.








