Petition fordert höhere Tischlimits beim Online-Poker

Bertrand 'ElkY' Grospellier mit dem Guinness-Rekord im Jahr 2009 während der EPT Monte Carlo

Seit Inkrafttreten des Glücksspielstaatsvertrags 2021 ist Online-Poker in Deutschland zwar legal, aber stark reguliert. Eine der umstrittensten Vorgaben ist die Begrenzung auf maximal vier gleichzeitig spielbare Tische pro Spieler – unabhängig vom Anbieter. Für viele ambitionierte Spieler stellt genau diese Regel seit Jahren eine deutliche Einschränkung dar und macht professionelles Spiel praktisch unmöglich.

Am 21. Februar 2026 wurde auf der Plattform openPetition die Initiative „Anhebung des Tischlimits für Online-Poker zur Stärkung des Spielerschutzes und der Kanalisierung“ gestartet. Adressiert ist sie an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages sowie an die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL). Ziel ist es, § 22b Abs. 5 des Glücksspielstaatsvertrags anzupassen und das bestehende Limit von vier Tischen auf mindestens acht, perspektivisch sogar zwölf parallele Tische anzuheben.

Die Initiatoren begründen ihren Vorstoß damit, dass gerade erfahrene und strategisch orientierte Spieler durch die Vier-Tisch-Regel massiv eingeschränkt würden. Zudem bestehe die Gefahr, dass Spieler auf nicht regulierte Plattformen im Ausland ausweichen, um dort ohne Beschränkung spielen zu können. Das würde dem politischen Ziel der sogenannten Kanalisierung – also der Lenkung der Spieler in den regulierten Markt – widersprechen.

Zwischen Engagement und politischer Realität

Aktuell zählt die Petition rund 260 Unterstützer. Für ein offizielles Quorum wären 30.000 Unterschriften erforderlich. Damit liegt die Initiative deutlich unter der Schwelle, die üblicherweise politische Aufmerksamkeit erzeugt.

Trotzdem ist es grundsätzlich positiv, dass sich Teile der deutschen Poker-Community organisieren und versuchen, ihre Interessen konstruktiv einzubringen. Statt bloßer Kritik wird ein konkreter Gesetzesparagraf adressiert, verbunden mit einer Argumentation, die sich auf Spielerschutz und Marktstabilität stützt. Das ist sachlich formuliert und strategisch gedacht.

Gleichzeitig muss man nüchtern bleiben. Glücksspielpolitik wird in Deutschland primär unter dem Gesichtspunkt des Schutzes vor problematischem Spielverhalten betrachtet. Begrenzungen wie Einsatz- oder Tischlimits gelten in diesem Kontext als Präventionsinstrumente. Ob die Argumentation, dass zu strenge Beschränkungen Spieler in den unregulierten Markt treiben könnten, politisch ausreichend Gewicht bekommt, ist offen.

Blick in die Vergangenheit

Historisch betrachtet haben Forderungen nach Lockerungen im deutschen Glücksspielrecht selten schnelle oder weitreichende Erfolge gebracht. Wenn Poker-Spieler öffentlich für mehr Spielraum eingetreten sind, stießen sie häufig auf Skepsis – nicht selten begleitet von einer gesellschaftlichen Debatte, die Glücksspiel primär als Risiko darstellt.

Vor diesem Hintergrund ist die Petition ein wichtiges Signal aus der Community, aber kein Garant für Veränderung. Ohne deutlich mehr Unterstützung, öffentliche Diskussion und politische Bündnispartner bleibt die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Gesetzesanpassung überschaubar.

Jetzt selbst entscheiden

Wer sich dennoch beteiligen möchte oder sich ein eigenes Bild machen will, kann die Petition direkt auf der Plattform openPetition einsehen und unterstützen.

Ob man unterschreibt oder nicht – die Debatte darüber, wie sinnvoll und ausgewogen die Regulierung des Online-Pokers in Deutschland ist, wird die Branche auch in Zukunft begleiten.