Vom Wayner zum High Stakes Crusher – Das große Mario Mosböck Interview (Teil 2)!

Mario Mosböck Mosboeck - Grindhouse I
Mario Mosböck (AUT)

Mario Mosböck hat sich mit hochgepokert zu einem ausführlichen Interview getroffen. Darin erzählt der ehemalige Bundesliga Fußballer von den ersten Schritten im Online Poker bis hin zu den Turniererfolgen in den teuersten Live Turnieren des Erdballs. Und auch wie der Niederösterreichische Stürmer zum Poker Botschafter von CoinPoker und der Triton Series wurde. – Im zweiten Teil des umfassenden Interviews geht es darum, wie Mario Mosböck der Chris Ferguson Challenge nacheiferte, wie die Mama schließlich Full Tilt Poker einen Brief schreiben musste, und darum, dass eine „Wayner Bande“ letztendlich Schuld an einer der größten Pokerkarrieren im deutschsprachigen Raum war.

Hier geht es zu den weiteren Teilen des großen Mario Mosböck Interviews:
Teil 1 – Vom Garten- zum Profi-Kicker
Teil 2 – Vom Wayner zum High Stakes Crusher

Mario Mosböck Mosboeck - Grindhouse I

Jan Schwarz: Wie hast du angefangen Poker zu spielen?

Mario Mosböck: Auf Full Tilt Poker habe ich 2008 angefangen als „xxmmarioxx“, was lange Zeit auch mein Lieblingspokerclient war. Für die Zeit war das ein sensationell gutes Produkt.

Jan Schwarz: Und unter dem Screenname konntest du auch Erfolge einfahren?

Mario Mosböck: Naja, ich hatte da ein paar Screennames, denn ich war erst 12 und später habe ich dann auch unter dem Namen von der Mama gespielt. Zwei Jahre lang habe ich unter meinem Namen alle Freerolls gegrindet, darüber ein paar Dollar gewonnen, die auf ein paar hundert hochgespielt und wieder alles verloren, und musste dann zurück zu den Freerolls. Doch dann habe ich als 13-Jähriger ein $5 Rebuy Tournament für etwa $3k gewonnen. Daraufhin bin ich dann zu meinen Eltern gegangen und habe ihnen erzählt, dass ich Full Tilt Poker spiele und ich jetzt nicht wüßte, wie ich das Geld auszahlen lassen kann. (lacht)

Jan Schwarz: Ja, was man so als 13-Jähriger seinen Eltern sagt…

Mario Mosböck: Und dann hat die Mama eine Mail an Full Tilt Poker geschrieben, dass es ihr Account wäre, und sie nur den Namen ihres Sohnes dafür gewählt hätte, eigentlich aber sie spiele, und ob Full Tilt Poker nicht den Namen auf sie ändern könnte. Full Tilt Poker hat sich dann zurückgemeldet, gesagt „gar kein Problem, Frau Mosböck“, und hat das Geld nach der Namensänderung an sie ausgezahlt. (lacht)

Jan Schwarz: Auf anderen Seiten hast du danach unter einem Screennamen gespielt, der verhieß, dass du deinen Traum lebst. Welchen Traum meintest du, und seit wann hast du angefangen ihn zu leben?

Mario Mosböck: Gute Frage. Ich glaube es war der Traum von Fußball und Poker. Ursprung des Namens war glaube ich eine E-Mail-Adresse, die ich mit dem Namen erstellt habe. Genau, weiß ich es gar nicht mehr, außer, dass 2018 in meinem Leben als mega gepasst hat.

Jan Schwarz: Interessant ist ja, dass Screennames mit der Zeit und mit Erfolgen zu einem Nimbus werden, den man in den 2 Minuten der Registrierung nicht vor Augen hatte.

Mario Mosböck: Ja, ich identifiziere mich auch mit meinen Screennames, und ich identifiziere auch andere Spieler mit deren Nicknames, die werden dann zu einer Art Charakter. Auf meine bin ich sehr stolz und happy über sie. Und es lief auch online sehr gut unter ihnen.

Jan Schwarz: Was waren für deine Pokerkarriere die wichtigen Schlüsselstationen … abgesehen von dem $5 Rebuy Erfolg auf dem Account von der Mama (lacht)?

Full Tilt Poker - Chris Fergusons 0 to 10000 Challenge

Mario Mosböck: Die Chris Ferguson Challenge, in der er aus $0 dann $10.000 gemacht hat, war für mich völlig crazy. Genau das wollte ich machen. Mit $0 war ich ja auch gestartet und musste also nur so gut spielen wie er. Und ich dacht mir, „das kriege ich hin“. Im April 2011 hatte ich eine sehr erfolgreiche Mini FTOPS. Und ein $20 Rush-Turnier mit ca. 6.000 Runnern hat mich mit $18k für Platz 2 dann über die $10.000 Schwelle gebracht. Zwei, drei weitere Turniere, die ich dann in den nächsten Tagen noch gewonnen habe, haben deine meine FTP-Bankroll auf $28k gebracht.

Jan Schwarz: Im April 2011 kam es im Poker ja auch zum Black Friday. Konnte die Mama die Bankroll davor noch auscashen?

Mario Mosböck: Glücklicherweise konnten wir die nach dem Black Friday, in der Zeit wo Full Tilt Poker noch einmal zurückgekommen ist, dann auszahlen.

Jan Schwarz: $28k sind ja eine Hausnummer, vor allem als 15-Jähriger! Was hat das mit dir und deiner Pokervision gemacht?

Mario Mosböck: Für mich war das nice und eine Bestätigung, dass ich pokern und das profitabel machen kann. Und so habe ich das über die nächsten Jahre als ambitioniertes Hobby weiterbetrieben. Über einen gemeinsamen Freund habe ich dann Fedor Holz kennengelernt, und hin und wieder haben wir sonntags zu Hause bei Hannes Speiser gespielt. Über die Jahre ist dann da eine Freundschaft entstanden. – Poker war für mich allerdings kein dominantes Thema, das ist es dann erst 2020 geworden.

Pokercode Grindhouse I Players

Jan Schwarz: Was ist 2020 passiert?

Mario Mosböck: Zu dem Zeitpunkt war ich quasi als Semi-Pro unterwegs. Ich dachte, ich sei schon gut, obwohl ich definitiv deutlich schlechter war als ich dachte, dass ich es wäre. Und im Sommer 2020 haben wir dann beschlossen, dass wir die großen Online Serien im Mai gemeinsam grinden. Wir haben ein Haus gemietet, und ich habe ein paar Freunde dazu eingeladen. Und das war dann so super, dass wir gesagt haben, wir machen dasselbe noch einmal im Sommer.

Mario Mosböck Mosboeck - Grindhouse I

Jan Schwarz: Und was waren das für Jungs, die du eingeladen hast?

Mario Mosböck: Richtig coole Typen, aber alle waren Anfänger, konnten also noch nicht wirklich pokern. Unter anderem waren das Roland Rokita, Fabian Bernhauser, Stefan Nemetz, Florian Gaugusch, Florian Fuchs, Matthias Auer, David Hagmann, und ich – und am Ende haben wir auch noch Fedor aufgenommen (lacht). Wir nannten uns die „Wayner Bande“, weil wir komplett alle Klischees eines Wals, der nach Las Vegas fliegt, erfüllten. Wir waren absolut planlos (lacht). Seit 2017 waren wir 10 eine Vegas-Gruppe, und sind auch heutzutage weiter engste Freunde.

Grindhouse I - Fedor Holz

Jan Schwarz: Das waren dann ja tolle Voraussetzungen für den Sommer im Grindhouse (lacht)

Mario Mosböck: Hannes von Pokercode hatte uns im Frühling in unserem privaten Grindhouse besucht und mit ihm entstand die Idee, das unter professioneller Anleitung und dokumentiert von Kameras im Sommer zu machen. Für Fedors Pokerschule Pokercode war es eine richtig coole Promotion, mit einem Kamerateam das „Pokercode Grindhouse“ zu drehen und 10 typische Hobbyspieler dabei zu begleiten, wie aus Pokerwalen gute Pokerspieler gemacht werden. Auf dem „Pokercode“ YouTube-Kanal ist die ganze Serie nach wie vor zu sehen, worin alles genau dokumentiert wird. Das war für mich quasi der große Start ins Poker!

Pokercode Grindhouse I

Jan Schwarz: Wie lange wart ihr im „Pokercode Grindhouse I“?

Mario Mosböck: Im Sommer waren wir dort 2 Monate lang zusammen. Wir hatten eine richtig coole Zeit. Wir haben viel Studying betrieben, und im Prinzip wenig Poker gemacht. Dabei haben wir viel von Matthias Eibinger, viel von Fedor Holz gelernt. Damit waren wir natürlich noch keine Top-Spieler, aber haben die fundamentalen Sachen gelernt und hatten unsere Routinen, um noch besser zu werden.

Mario Mosböck Mosboeck - Grindhouse I - Crew

Jan Schwarz: Was ist aus der „Wayner Bande“ geworden?

Mario Mosböck: Das ist richtig spannend zu sehen, wie jeder von uns broke war und Microstakes gespielt hat, bevor wir 2020 das Grindhouse gestartet haben. Nur Roli und ich hatten ja damals durch einzelne Deepruns etwas Erfolgs-Erfahrung. Das Verrückte ist, dass alle 10 – ausnahmslos – inzwischen über Jahre erfolgreich pokern und eine Profi-Pokerkarriere eingeschlagen haben. (lacht)

Mario Mosböck Mosboeck - Roundnet

Jan Schwarz: Wie hat sich der Aufenthalt im Grindhouse danach pokertechnisch bemerkbar gemacht?

Mario Mosböck: Es war einfach eine „Crazy Difference“, allein wenn man sich die Online Graphen danach angeschaut hat. Es war ein Unterschied wie Tag und Nacht. Roli und ich haben haben dann bei mir zuhause in St. Pölten immer zusammen gegrindet und hatten dann auch unsere ersten Erfolge im ersten Jahr. U.a. feierten wir einen Main Event Sieg in einer der großen Online Poker Series. Roli und ich haben 2 Jahre intensiv und sehr erfolgreich online gespielt, und mit den anderen Jungs zusammen haben wir quasi alles gewonnen.

Mario Mosböck Mosboeck - Grindhouse I

Jan Schwarz: Was kann ich mir unter „sehr erfolgreich“ vorstellen?

Mario Mosböck: Bestimmte große Turniererfolge waren natürlich auch medial ein großes Ding. Die meisten Turniergewinne auf den verschiedensten Plattformen blieben dagegen unbeachtet. Wir haben jeden Tag, oder zumindest jeden Sonntag gespielt und so über viele Zwischenschritte eine große Bankroll aufgebaut. Roli und ich hatten zwei der höchsten Winrates und größten Winnings auf den Highstakes Online und gehörten zwischen 2020 und 2023 zu den 20 besten Onlinespielern.

Mario Mosböck Mosboeck - Grindhouse I

Jan Schwarz: Live konnte man den Eindruck haben, dass du direkt auf den teuersten Buy-Ins eingestiegen bist.

Mario Mosböck: Liveturniere haben wir schon immer gespielt. Zwar keine Super High Roller Turniere, aber eben die typischen. Die tauchen nicht unbedingt in den Medien auf. Wenn man z.B. im Venetian in Las Vegas einem regulären $1,6k Turnier Dritter für $150k wird, gehört das dort zum Daily Business. Trotz solcher Erfolge wurde dadurch mein Name live nicht sonderlich bekannt.

Jan Schwarz: Das hat sich 2023 jedoch geändert…

Mario Mosböck: 2023 sind wir dann in die Super High Roller Serien eingetaucht. Der Sprung von den besten Onlinespielern der Welt in die besten Live Games war gar nicht mehr so schwierig, eher eine reine Business-Entscheidung. Natürlich kann man dann nicht direkt $50k, $100k oder $200k mit 100% an sich selber spielen, sondern muss dann Action abgeben, was aber mit der Reputation als einer der besten Onlinespieler ein ziemlich einfacher Verkaufsprozess ist. Wenn du einen Track Record hast, in dem du über tausende Games die höchsten Stakes mit einer hohen Winrate geschlagen hast, bist du in den im Vergleich softeren Livegames auf jeden Fall ein Winning Player.

Mario Mosböck Mosboeck - Grindhouse I

Jan Schwarz: War es denn unabhängig vom Finanziellen eine Herausforderung, sich in die Triton Super High Roller Turniere zu setzen?

Mario Mosböck: Natürlich war es ein Sprung für mich. Doch da Fedor Holz das ganze angefangen hatte zu spielen, war ich einfach in der Rolle zu folgen. Ich wusste wie gut Fedor spielt und wie gut ich spiele, konnte also abschätzen, wie ich gut ich da rein passe. Und Fedor hat einfach gesagt: „Natürlich kommt ihr mit.“ So sind wir dann im März 2023 zur Triton Series Jeju nach Vietnam geflogen.

Jan Schwarz: Und war es zwischen den Super High Rollern und in dem Ambiente befremdlich, oder hast du dich sofort pudelwohl gefühlt?

Mario Mosböck: Ich hab mich sofort mega wohl gefühlt! Wenn ich mich auf einzelne Sachen konzentrieren kann, performe ich auch deutlich besser. So spiele ich an einem einzelnen Livetisch auch besser als gleichzeitig an vielen Onlinetischen. Bei der Triton Series kam für mich einfach alles zusammen und ich wusste direkt, das ist die Serie, die ich fortan auf jeden Fall spielen möchte!

Jan Schwarz: Gab es dabei so etwas wie Lampenfieber?

Mario Mosböck: Es war mehr der Gedanke, dass ich mich nicht blamieren wollte, vor den alteingesessenen Spielern. Das hat sich aber schnell gelegt, als ich gemerkt habe, dass ich besser über die Sachen Bescheid wusste, als die Spieler die mir gegenüber sitzen. Mit dem Hintergrund, dass ich jeden Tag gegen die besten Spieler der Welt auf den Online High Stakes gespielt habe, und die Online High Stakes wesentlich tougher sind als die Live High Stakes, war das Livespiel auf den High Stakes gar nicht so scary. Und medial kam mir das Ganze eher sehr entgegen. Wenn ich vor den Kameras am Feature Table saß, war ich gar nicht nervös, schließlich habe ich beim Fußball jeden Samstag vor 3.000 bis 10.000 Leuten gespielt. Das sind meine Lieblingsmomente, wenn es in die Crunchtime vor laufenden Kameras geht. Das kommt sicher vom Fußball, wo es in den letzten Minuten um alles ging. Das liebe ich am meisten bei der Triton SHRS, da bin ich am „sharpsten“!

Mario Mosboeck Triton Vlog YouTube Video - Feature Table

Jan Schwarz: Wie war es für dich im $200k Triton Invitational, wo es innerhalb der Triton Series noch einmal ein paar Level höher ging?

Mario Mosböck: (lacht) Naja, ich war dort zum Start das Heads-Up gegen Dan Smith 2:1 und später soger 5:1 Chipleader.

Triton Invitataional 2023 - Dan Smith + Mario Mosböck Mosboeck

Jan Schwarz: (lacht) Und wie kam es dazu?

Mario Mosböck: Bei meiner zweiten Triton Series im Mai 2023 habe ich auf Zypern Alexander Shelukhin kennengelernt, einen älteren Geschäftsmann, der sich dort in ein paar Triton Turnieren probieren wollte. Gegen ihn habe ich im Livestream eine Hand gefoldet, die ich normalerweise nie folden würde. Als ich dann später im Video gesehen habe, dass es ein Bluff war, habe ich ihn darauf angesprochen, und wir sind ins Gespräch gekommen. Dort haben wir dann für den Fall vereinbart, dass wir beide die Triton Series Monte-Carlo spielen, in Monaco im $200k Triton Invitational zusammen als Team zu starten.

Mario Mosböck Mosboeck + Alexander Shelukhin

Jan Schwarz: Dort sollte es ja gleich für beide gut laufen!

Mario Mosböck: Cool war, dass Alex auch an den Finaltisch gekommen ist, Fedor übrigens auch. Insgesamt war es ein unfassbar tolles Turnier. Außerdem waren bei 20 left nur noch 6 Pros dabei, die anderen waren aus der Hälfte der VIPs. Für das Buy-In war es einfach ein megasoftes Turnier.

Jan Schwarz: Spielt man gegen Freunde, wie Fedor, oder Teampartner, wie Alex, dann eigentlich Friendly Poker?

Mario Mosböck: Eher im Gegenteil. Man will in solchen Situationen nicht, dass andere Spieler monieren, man spiele nicht hart gegeneinander. Und bei finanziellen Deals ist es immer wichtig, dass die so gestaltet sind, dass man das größte Interesse am eigenen Gewinn hat. Man geht dann eher härter gegeneinander vor als softer, sogar eher zum Nachteil von uns beiden. Das konnte man auch sehen, als ich Fedor auf Rang 6 gebustet habe.

Jan Schwarz: Den Finaltisch hast du dann ziemlich dominiert.

Mario Mosböck: Ja, mir war klar, dass wenn ich ein paar crucial Hands gegen Danny Tang gewinne, ich vom Chipleader zum Runaway-Chipleader werde. So kam es, dass ich bis ins 3-handed Play ohne Showdown gekommen bin. Das war eine richtig coole Experience! Im Heads-Up konnte ich dann einen 15:3-Millionen-Chiplead gegen Dan Smith nicht closen. Was mir richtig weh tat, weil es für mich so ein großer Wunsch war, einmal ein Triton Series Event zu gewinnen.

Triton Invitataional 2023 - Dan Smith + Mario Mosböck Mosboeck

Jan Schwarz: Der Wunsch ging dann wenige Stunden später schon in Erfüllung.

Mario Mosböck: Genau. (lacht) 48 Stunden später konnte ich das $40k Mystery Bounty Event gewinnen. Da war ich dann wirklich richtig richtig happy!

Mario Mosböck - Triton Series SHRS Monte-Carlo Event 8 - 40000 NLH 7-Handed Mystery Bounty

Jan Schwarz: Wir haben bereits darüber gesprochen was 3.000 Dollar von Full Tilt für einen 12-jährigen Mario Mosböck bedeutet haben, was haben die Millionen Dollar der Triton Series mit einem 27-jährigen Mario Mosböck gemacht?

Mario Mosböck: Die Zahlen der Gewinne sind in der Praxis oftmals gar nicht so hoch. Auch wenn dann quasi die „Umsätze“ wie bei meinem One Drop Runner-Up Finish in der BILD-Zeitung stehen, entsprechen die ja nie den Profits. Natürlich war das Jahr 2023 mega gut, aber er war jetzt kein Erfolg dabei, der plötzlich über Nacht mein Leben komplett verändert. Hinzu kommt, dass ich mein Pokerspiel recht konservativ auslege, damit ich das sicher auch über die nächsten Jahrzehnte machen kann. Somit halte ich in den teuren Turnieren auch nicht eine verrückte Anzahl an Anteilen an mir.

Jan Schwarz: Gehst du aufgrund der angewachsenen Bankroll anders in die Turniere hinein, die keine (Super) High Roller Buy-Ins besitzen?

Mario Mosböck: Natürlich spielt sich ein EPT, WPT oder WSOP Main Event deutlich entspannter als ein Super High Roller Turnier. Allerdings sind das zwei ganz unterschiedliche Ökosysteme, die kann man nicht miteinander vergleichen. Ich persönlich sehe immer jedes Turnier isoliert für sich. Ich schaue es mir an und entscheide dann anhand der Bankroll, wieviel Prozent ich an mir halte und wieviel ich abgebe. Im Spiel selber spielt das dann am Tisch für mich keine Rolle mehr. In den meisten Turnieren halte ich jedoch 100% an mir selber.

Jan Schwarz: Ist das auch immer eine Gefahr, wenn man z.B. ein riesiges Feld in einem der großen Main Events schlägt, dass man sich mit der gewonnenen Roll dann in die kleineren Felder der High Roller Turniere setzt, die man sich dann ja leisten kann?

Mario Mosböck: Ja, auf jeden Fall. Genau aus diesen Fehlentscheidungen von Pokerspielern in der Vergangenheit haben viele High Roller ihre Lehren gezogen. Man hat schon viele Spieler gesehen, die das Main Event gewonnen haben, und man dachte, die zerstören jetzt alles, und im Endeffekt haben sie das ganze Geld dann in den High Roller Turnieren wieder abgeladen. Dort haben sie gespielt, weil sie gerade das Geld dazu hatten, aber nicht, weil sie gut genug dafür waren.

Jan Schwarz: Wie gut sind Triton Series Teilnehmer denn wirklich? Sind es allesamt Winning Players? Haben sie alle finanziell bereits ausgesorgt?

Mario Mosböck: Ich glaube grundsätzlich überschätzt man den finanziellen Background der einzelnen High Stakes Pokerspieler, weil sich in den Medien einfach alles so gut anhört. In der Praxis sieht das jedoch anders aus. Die Triton Series Spieler sind jedoch allesamt sehr gut, die werden alle oder zumindest der absolute Großteil profitabel spielen. Klar, spielt der ein oder andere mal zu hoch oder trifft im Laufe der Zeit eine schlechte Entscheidung, aber alles in allem sind das sehr gute Pokerspieler. Auf der anderen Seite gibt es bei der Triton Series natürlich auch Losing Players, aber das sind diejenigen, die auch nicht mit Poker ihr Geld verdienen.

Jan Schwarz: Wie interessant sind für die Super High Roller dann noch die „normalen“ Main Events der großen globalen Pokerserien?

Mario Mosböck: Der Großteil der High Roller ist schon ziemlich „sharp“ und sieht den Value in 5k Main Events. Im Einzelnen muss man die Teilnahmen in solchen Main Events natürlich immer auch managen. Dabei spielen Details wie der Turnierplan der gesamten Serie, wo es evtl. nicht durchgehend High Stakes Poker gibt, wie die Dauer des gesamten Aufenthaltes, und wie dein Stundenlohn natürlich eine Rolle. Ich sehe da aber für mich und die High Roller im Allgemeinen keine Widersprüche. Persönlich würde ich jedes $5k Main Event oder jedes Pokerturnier spielen, wenn sich das ergibt.

Jan Schwarz: Du hattest erwähnt, dass dein großer Traum ein Triton Titel war. Davon hast du inzwischen 3 gewonnen. Gibt es weitere Titel oder spezielle Ziele im Poker, die du in Zukunft unbedingt erreichen möchtest?

Mario Mosböck: Was Titelwünsche angeht, liegen die alle bei der Triton Series. Dort so viele Titel wie möglich zu gewinnen, würde mir viel bedeuten! Es ist richtig fein, wie Triton die Series aufbaut und die Events sind ultraschwer zu gewinnen, damit ist das für mich so etwas wie die Champions League des Pokers.

Jan Schwarz: Du hast jetzt beschrieben, was sich für dich mit deinen Erfolgen im Poker verändert hat, bzw. was auch nicht. Aber wie hat sich Mario Mosböck durch 17 Jahre Poker verändert?

Mario Mosböck: Durch den Erfolg im Poker habe ich die Freiheit zu entscheiden, was ich wie, wann, wo machen kann. Ich habe nicht den Druck, kurzfristig irgendwo ein großes Volumen absolvieren zu müssen, sondern kann mir aussuchen, was mir Spaß macht. Poker ist jedoch weiterhin mein Beruf und wird es auch bleiben. Glücklicherweise hat sich über die letzten Jahre gar nicht so viel verändert und das möchte ich auch so beibehalten, weil ich sehr happy bin wie die Dinge waren und wie die Dinge sind.

Mario Mosböck Mosboeck - Grindhouse I

Hier gehts zur „Pokercode Grindhouse 1“-Playlist:

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